Überschuss aus Stadtwald

Ulrichstein (au). Der Land- und Forstwirtschaftliche Ausschuss der Stadt beschäftigte sich in der letzten Woche mit dem Ergebnis des Waldwirtschaftsplanes im abgelaufenen Haushaltsjahr 2013 sowie mit dem Waldwirtschaftsplan für das Jahr 2014.

Der Leiter der Revierförsterei Ulrichstein, Forstamtmann Peter Kraus, erläuterte nun bereits zum 23. Male das umfangreiche Zahlenwerk anhand von Tabellen, Grafiken und zahlreichen Fotos von Abteilungen des Ulrichsteiner Stadtwaldes.

Kraus ließ zu Beginn seines Vortrages die letzten sieben Jahre in der Geschichte des Stadtwaldes lebendig werden. Die Orkane Kyrill, Emma, Xynthia und Doris hatten demnach von 2007 bis 2010 über 110 Hektar des Stadtwaldes verwüstet und dabei rund 50 000 Festmeter Fichtenholz geworfen. Diese Schadholzmenge, die um die 2000 Lkw-Ladungen entspricht, steigerte sich in den Folgejahren noch durch Borkenkäferbefall, Schneebruch und kleinflächige Windwürfe in den instabil gewordenen Fichtenrestbeständen. Im vergangenen Jahr wurde auch der Stadtwald wiederum von einem Orkan getroffen, der am 20. und 21. Juni rund 2500 Festmeter Holz zu Boden warf. Dabei wurden neben Fichtenbeständen auch alte angrenzende Laubwaldbestände geworfen, die durch ihre Laubmasse dem Orkan eine große Angriffsfläche boten.

Die extrem hohen Windgeschwindigkeiten führten zu umfangreichen Bruch- und Splitterschäden an den Baumstämmen und boten einen Anblick, der an durch Artilleriebeschuss geschädigte Waldbestände im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges erinnerte.

Sturmschäden bedeuten Vermögensverlust

Durch die Aufarbeitung der Orkanschäden seien seit 2007 bis 2013 dem Haushalt der Stadt Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Stadtwaldes in Höhe von über 1,478 Millionen Euro zugeführt worden, berichtete Kraus. Die ideelle Waldrücklage, gleichbedeutend mit dem Überschuss aus der Waldbewirtschaftung, belaufe sich seit 1984 auf rund 2 147 000 Euro.

Allerdings können diese beeindruckenden Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kalamitätsbedingte Übernutzung der Waldbestände einen dramatischen Vermögensabgang für die Stadt bedeute, der den Stadtwald zu einem waldbautechnischen "Aufbaubetrieb" mache, informierte der Forstfachmann.

Derartige "Aufbaubetriebe", so Kraus, zeichneten sich durch hohe Aufwendungen im Bereich der Kulturbegründung und des viele Jahre währenden Schutzes der Kulturen aus. Gleichzeitig sinke die Möglichkeit der quantitativen Holznutzung bezogen auf die Gesamtfläche des Stadtwaldes.

Die kalamitätsbedingte Wiederaufforstungsfläche liege zurzeit bei etwa 116 Hektar brutto, wobei allerdings bereits 111 Hektar in den vergangenen sechs Jahren aufgerüstet worden seien. Die neu begründeten Wälder zeichneten sich durch eine größere Baumartenvielfalt aus, wobei neben Fichte und Douglasie rund 40 Prozent der Flächen mit den Laubbaumarten Bergahorn, Esche, Roteiche, Roterle und Buche bepflanzt worden seien. Rund 230 000 Kulturpflanzen seien so im Auftrag der Stadt auf die Windwurfflächen ausgebracht worden. Darüber hinaus sei die Naturverjüngung von auf der Fläche noch vorhandenen Samenbäumen in das Aufforstungskonzept mit einbezogen worden. Durch diese Maßnahmen sollen nach Angaben von Kraus langfristig arten- und strukturreiche Mischwälder aus Nadel- und Laubholz entstehen. Die Forstverwaltung versuche auf diesem Wege dem befürchteten Klimawandel Rechnung zu tragen und eine bessere Bestandesstabilität zu erreichen.{newPage}

Die größten Ausgabepositionen des zu Ende gehenden Haushaltsjahres waren folgerichtig die der Aufforstung mit rund 48 000 Euro und des Schutzes gegen Fege- und Verbissschäden vor allem des Rehwildes mit etwa 14 000 Euro. Die sturmwurfbedingten Holzgeldeinnahmen, sowie Einnahmen aus forstlichen Fördermitteln und interner Leistungsverrechnung erbrachten der Stadt einen Überschuss von über 130 000 Euro, der zum Teil der schon vorhandenen Waldrücklage zugeführt werden soll. Die Waldrücklage dient dazu, in den Folgejahren die Pflege der Aufforstungen zu finanzieren beziehungsweise eventuelle Mindereinnahmen aufgrund eines geringeren Holzeinschlages zu kompensieren. Auch für den eventuell weiteren Ankauf von Waldgrundstücken, die zur Arrondierung des Stadtwaldes dienen, steht das Geld zur Verfügung.

Stabile Holzpreise gleichen Plan aus

Detailliert ging Förster Kraus auf die Ziele des Waldwirtschaftsplanes 2014 ein: Wiederaufforstung der verbliebenen oder neu entstandenen Kalamitätsflächen und Sicherung der bereits erfolgten Wiederaufforstungen durch Nachpflanzungen und Verbissschutz; Gliederung der Jungbestände, Bestandespflege und Pflegenutzung; geringe Eingriffe im Bereich der alten Bestände.

Im Einzelnen führte der Forstmann weiter aus, dass der diesjährige Waldwirtschaftsplan Einnahmen in Höhe von rund 98 995 E und Ausgaben in Höhe von etwa 86 500 E aufweise und damit voraussichtlich mit einem annehmbaren Plus abschließe. Der Holzeinschlag werde dabei auf das unbedingt notwendige Maß reduziert und auf die pflegebedürftigen Bestände konzentriert. Die auf hohem Niveau stabile Holzpreissituation, gerade auch bei der Fichte, vereinfache die Bemühungen einen zumindest ausgeglichenen Waldwirtschaftsplan zu erreichen.

Die Schwerpunkte auf der Ausgabenseite sind ähnlich wie im Haushaltsjahr 2013 die Aufwendungen für die noch verbliebenen Wiederaufforstungsflächen und den Schutz der bereits angelegten Kulturen. Dazu sind rund 48 000 Euro vorgesehen.

Kraus merkte an, dass man gerade vor dem Hintergrund der Schadensereignissen der letzten sieben Jahre auch ins nächste Jahr mit einer gewissen Unsicherheit gehe. Selbst minder schwere Sturmereignisse könnten bei den stark angerissenen Beständen des Stadtwaldes zu schweren Schadensereignissen führen und damit die sorgfältige Planung für das nächste Jahr zunichte machen.

Dieses Jahr wieder Forsteinrichtung

Einen Teil seines Vortrages widmete der Förster dem Nachhaltigkeitsgedanken zusammen mit der in diesem Jahr anstehenden Forsteinrichtung für den Stadtwald Ulrichstein. Die Forsteinrichtung, so Kraus, stellt die mittelfristige Betriebs-Planung (zehnjährige Periode) als Steuerungselement für die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes dar, zum Beispiel Holzeinschlagsplanung, Pflegeplanung, Kulturplanung. Auf dieser mittelfristigen Planung würden die jährlichen Waldwirtschaftspläne erarbeitet.

Die Forsteinrichtung sei das Instrument für Inventur, Planung und Erfolgskontrolle bei der Bewirtschaftung des Waldes. Sie beinhaltete auch die Kartierung der Standorte und die Sicherung der Waldfunktionen.

Kraus hob abschließend die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien hervor, die mit großem Engagement und viel Herzblut für die Belange des Stadtwaldes eintreten würden und damit eine erfolgreiche Bewirtschaftung erst ermöglicht hätten.

Die im land- und forstwirtschaftlichen Ausschuss vertretenen Parteien sowie der Magistrat, mit Bürgermeister Edwin Schneider, dankten Revierleiter Kraus für die informative Präsentation des Waldwirtschaftsplanes. Sie lobten die Analyse der Eckdaten, die einen realitätsnahen Eindruck des Stadtwaldes vermittle, was die Entscheidungsfindung bedeutend vereinfache.

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