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An den tief hängenden Leitungsseilen der 110 kV-Leitung erkennt man gut, wo die mehrere Zentimeter dicke Eisschicht abgebrochen ist.

Stromausfall: Eismantel war für Stromleitung zu viel

Ulrichstein/Vogelsbergkreis (pm). Der Winter kam mit Wind und eisigem Nieselregen am Mittwoch und traf die 110 kV-Leitung zwischen Grünberg und Lauterbach mit voller Wucht.

Christian Weber, Leiter der Netzleitstelle der ovag Netz AG, erklärt das Problem: "Da die Leitung an der Abzweigung nach Ulrichstein und Schotten ungeschützt über einen Höhenrücken des Vogelsbergs verläuft, trieb der Wind den Regen gegen die Leitung, wo er zum Eismantel wurde. Innerhalb weniger Stunden setzte sich so viel Eis an den Leitungsseilen an, dass es eine tonnenschwere Last auf die Masten brachte. Der Wind versetzte sie in Schwingung, und dort, wo das Eis abbrach, schlug eine Leitung gegen die andere – die Folge war ein Kurzschluss um 11.11 Uhr, der zum Stromausfall führte."

Die 110 kV-Leitung ist im Besitz der Avacon und wird auch durch diese betrieben, allerdings wirkte sich der Kurzschluss auf das gesamte 20 kV-Netz der ovag Netz AG im nördlichen Vogelsberg aus. Im Bereich Ulrichstein kam es so zu einem etwa zwanzigminütigen Stromausfall, bis es den diensthabenden Netzführern in der Verbundleitstelle der ovag Netz AG gelang, über Umleitungen im Netz alle Stadtteile sukzessive wieder ans Stromnetz anzuschließen. Die Bereitschaft der ovag Netz AG unterstützte die Avacon-Kollegen, indem sie die Leitungen abfuhr.

Kurzschluss

Durch die hohe Last und teilweise auch Eis an den 20 kV-Leitungen im OVAG-Netz kam es am Montagabend zu weiteren kurzen Unterbrechungen: um 17.23 Uhr im Umspannwerk Lauterbach, gegen 20.19 Uhr an der zweiten 110 kV-Leitung zwischen Grünberg und Lauterbach an der Abzweigung nach Ulrichstein. "Auch diesmal haben wir über Umleitungen das Netz wieder eingeschaltet, über die korrespondierenden Umspannwerke in Grünberg, Crainfeld und Lauterbach", erklärt Weber.

Durch den Kurzschluss kam es zu kurzzeitigen Spannungseinbrüchen, die in großen Teilen des Vogelsbergs zu spüren waren, unter anderem in Alsfeld, Schotten, Lauterbach, im Ohmtal, aber auch in Grünberg mit Umgebung. Dennoch reagierten die Kollegen der ovag Netz AG so schnell, dass nach etwa fünf Minuten überall der Strom wieder floss. Seit Donnerstagvormittag ist die Leitung von der Avacon enteist und wieder in Betrieb, womit der unmittelbar kritische Zustand für das OVAG-Netz erst einmal aufgehoben ist. "Dennoch bleibt die Wetterlage in den nächsten Tagen gleich, und wir müssen damit rechnen, dass die Leitung wieder vereisen kann", warnt Netzleitstellenleiter Christian Weber.

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