Rotoren stehen still: Schon 130 000 Euro Verlust

Ulrichstein-Helpershain (ks). "Man kann das nur ein Skandalurteil nennen." Doch im Moment hilft dem Ulrichsteiner Ehrenbürgermeister Erwin Horst seine Empörung wenig.

Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat entschieden, also stehen die fünf nagelneuen Windkraftriesen seit Mai still, obwohl jedes Drehen der Rotorblätter bares Geld wert ist. Mittlerweile sind der Gesellschaft Bürgerwind durch den Gerichtsbeschluss nach der Aussage von Horst rund 130 000 Euro an Einnahmen entgangen. Das machte er am Mittwoch im Gespräch mit dem Frankfurter Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen) deutlich. Der hörte sich mit Vize-Landrat Peter Zielinski die Klagen vor Ort an. Vorher hatte Nouripour mit Landrat Manfred Görig gesprochen.

Erwin Horst ist Geschäftsführer der Gesellschaft Bürgerwind, die insgesamt drei Anlagen hat, und ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet: "Wir waren doch hier der Vorreiter in Sachen Windkraft".

Gemeinsam mit Ernst Bohn und Elisabeth Lampert, zwei weiteren Gesellschaftern, erläuterte er, dass die Anlagen im Oktober 2011 in Betrieb gingen, sechs Monate liefen und dann nach einer Klage des Naturschutzbundes (NABU) wieder vom Netz genommen werden mussten. Dieser sieht den Vogelschutz nicht ausreichend berücksichtigt.

Horst: "Bis dahin hatten wir uns doch auch an Eigenleistung schon die Finger wund geschafft." Und vor allen Dingen viel Geld bei den 137 Gesellschaftern eingesammelt. "Das sind keine Großinvestoren, sondern Familien aus den umliegenden Dörfern, die etwas für die Zukunft ihrer Kinder tun wollen." Denn, so macht Horst unmissverständlich deutlich, ohne die Windenergie sieht es aus seiner Sicht in der Gegend mau aus. "Ohne die Windkraftanlagenmonteure wären die beiden Gaststätten in Ulrichstein schon dicht und vermutlich auch einige Baufirmen pleite, die von den Arbeiten profitieren."

Insgesamt 11,7 Millionen Euro wurden von den Gesellschaftern der Bürgerwind investiert. Viele von denen, die sich beteiligt haben, mussten einen Kredit aufnehmen, lässt Ernst Bohn wissen. Der kann bis zu 100 000 Euro betragen – und die Zinsen müssen gezahlt werden, ob mit Ertrag aus dem Stromverkauf oder ohne. Horst legte dar, dass man versucht hat, den Naturschützern so weit wie möglich entgegen zu kommen. So habe man freiwillig für rund 300 000 Euro acht Teiche mit Aufstiegshilfen für Forellen anlegen lassen. Aber dass Schwarzstorch oder Rotmilan von den Windkraftrotoren bedroht werden, das hält er für Panikmache.

Natürlich könne man nicht ausschließen, dass ein Vogel an den Anlagen zu Schaden kommt. Doch den Fall eines einzigen tot aufgefundenen Schwarzstorchs will er nicht gelten lassen. "Da passte nichts, der Vogel hatte nichts mit einer Windkraftanlage zu tun." Und den Rotmilan versuche man erfolgreich mit sogenannten Vergrämungsmaßnahmen fernzuhalten und ihm keine Nahrungsgrundlage anzubieten. Um Fledermausbewegungen festzustellen, sei eigens in der Anlage ein sogenannter Batcorder installiert worden, "bisher ist keine hier geflogen." Auf der anderen Seite würden ringsum überall Windkraftanlagen stehen. "Das versteht doch keiner, was das Gericht da gemacht hat."

Offenbar hätten die Richter aus raumordnerischen Belangen heraus entschieden. Und dann sei gerade dieser Bereich im Regionalplan wenig später vom Verwaltungsgericht aufgehoben worden: "Und wir sind jetzt die Dummen." Man habe dem NABU Gespräche und weitere freiwillige Maßnahmen für den Vogelschutz angeboten, bisher ohne Erfolg: "Nur Geld zahlen wir nicht." Ärgerlich ist für Horst auch die Dauer des Verfahrens. Zwar geht er fest davon aus, dass die Bürgerwind letztinstanzlich Recht bekommen wird, doch bis dahin kann viel Zeit vergehen.

So habe man erst am 28. November einen Termin für eine mündliche Erörterung vor Gericht bekommen. "Wenn das so weiter geht und wir immer mehr Probleme bekommen, dann wird die Energiewende vermasselt," meint Horst. Dagegen werde man sich ganz gewaltig wehren müssen. So bat er auch Vizelandrat Zielinski um Mithilfe und verwies auf den Bereich Oberwald. Auch dort solle derzeit mit Macht verhindert werden, dass Windkraftanlagen entstehen.

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