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Pharma-Unternehmer Thomas Hofmann besucht mit seinem Team die alte Heimat

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Ein Forscherteam trifft sich Unter-Seibertenrod. Den Anstoß hat Thomas Hofmann, gegeben. Denn im Dorf steht das Haus seiner Großeltern.

Eigentlich lebt Dr. Thomas Hofmann in Doylestown im US-Bundesstaat Pennsylvania, doch in den Sommerferien macht er Familienurlaub in der alten Heimat. Dann spielen Sohn und Tochter mit den Nachbarskindern, so wie das Hofmann als Kind tat und die Generationen vor ihm. Er schätzt die ruhige Vogelsberger Atmosphäre und begeistert seine Mitarbeiter für die herbe Landschaft in Mittelhessen. Dr. Kevin Stapleton ist frisch aus Los Angeles eingeflogen, er lobt die abwechslungsreiche Umgebung. Dr. Brandon Banaschewski zeigt sich angetan von den kleinen Dörfern: "Da kennt jeder jeden". Begeistert sind die gebürtigen Kanadier von den Fachwerkhäusern. Sie übernachten bei der Tagung in der alten ofreite der Hofmanns von 1733.

Skypen mit Hindernissen

Hofmann hat eine Arbeitssitzung seiner Firma Qrumpharma nach Unter-Seibertenrod verlegt. Eine Woche sprechen die sechs Gesundheitsexperten über die Arbeitsplanung der nächsten Monate für ihr neues Medikament. Im Zentrum steht QRM-003, eine Antibiotika-Therapie für eine besondere Form der Lungenentzündung. Ausgelöst wird sie durch nichttuberkulöse Mykobakterien, im Unterschied zum Bakterium, das die klassische Tuberkulose auslöst. NTM wird über Wassertröpfchen in der Luft übertragen und tritt immer häufiger auf. In den USA gibt es bereits etwa 100 000 Erkrankte, in Europa um die 13 000 und in China etwa 220 000. Problem: Es ist schwer, die Krankheit zu diagnostizieren, wie Hofmann im Gespräch erläutert. Deshalb ist wohl die Zahl der Erkrankten noch höher. Zudem ist die Behandlung schwierig, weil die Bakterien in abgetötetem Lungengewebe und Knötchen eingekapselt sind. Deshalb wollen die Qrumpharma-Experten ein bekanntes Antibiotikum, das es bisher nur in Tablettenform gibt, als Lungenspray auf den Markt bringen. Als neues Medikament muss QRM-003 dafür ein mehrstufiges Zulassungsverfahren durchlaufen. "Wenn es gut geht, dann dauert das sechs Jahre von der jetzigen Pille bis zum Aerosol", beschreibt Hofmann den langwierigen Entwicklungsprozess.

Der gebürtige Unter-Seibertenröder setzt auf Mitarbeiter verschiedener Fachgebiete. Der Mikrobiologe Banaschewski hat es geschafft, das Medikament von der Tablettenform in die Lösung für ein Aerosol zu verwandeln. Kevin Stapleton ist Ingenieur und hat das Inhalationsgerät entwickelt. Die Ärzte Hofmann, Kirsten Kaiser und Sebastian Canisius haben die medizinische Seite im Blick. "Es ist eine komplexe Sache, wie sich Aerosole in der Lunge verbreiten", erläutert Kaiser. Aktuell werden Tierversuche vorbereitet, Ende des Jahres sollen erste Freiwillige an einer Studie teilnehmen. Erst danach können Patienten versuchsweise eingebunden werden.

Die neun Mitarbeiter von Qrumpharma leben in Pennsylvania, North Carolina, Los Angeles, in Marburg und in der Schweiz. Alle paar Monate gibt es Arbeitstreffen, diese Woche im Dorfzentrum Unter-Seibertenrod. Hofmann ist immer gern in seinem Heimatort: "Jeder meiner Mitarbeiter muss einmal im Haus meiner Großeltern übernachten". Für US-Amerikaner, auch wenn sie aus Kanada oder Deutschland kommen, sind so alte Fachwerkhäuser etwas Besonderes. Was Hofmann ebenfalls schätzt, sind die unkomplizierten Entscheidungswege. Das Dorfzentrum buchte er mit einem Anruf beim Bürgermeister, der Lieferant der Grundschule Ober-Ohmen sorgt für die Verpflegung. Touren in die Umgebung runden das Programm ab. Man nutzt auch die Zeit, um sich mit einem Investor zu treffen. Denn das Start-Up Qrumpharma arbeitet mit Risikokapital, das unter anderem vom Unternehmer Lutz Helmig (Grebenhain) kommt.

Normalerweise kommunizieren die Experten über Skype. Das ist im Vogelsberg schwierig, hat Hofmann erfahren müssen. Als man von Unter-Seibertenrod aus versuchte, an einer Veranstaltung in den USA teilzunehmen, funktionierte nur der Ton. Die Bandbreite reichte nicht für eine stabile Bildübertragung. Dabei sind ländliche Standorte ideal für die Arbeitsweise in internationalen Teams. Der Kontakt wird per Internet gehalten. "Dafür braucht man aber Breitband. Das ist in den USA kein Problem, da führt die Datenautobahn bis ins Dorf", sagt Kaiser. In dieser Hinsicht ist im Vogelsberg viel Luft nach oben.

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