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Bei Ober-Seibertenrod macht ein Landwirt am Sonntag gegen 20 Uhr dieses Bild von dem Wolf.

Wolf

Junger Wolf auf Wanderschaft in Ulrichstein gesehen

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Seit Sonntag ist im Raum Ulrichstein gleich mehrfach ein Wolf gesichtet wordden. Das Tier hat offenbar keine Angst vor Menschen. Jäger und Behörden raten aber zur Vorsicht.

Update, 23. Mai 2019: Auf einer Wiese bei Ulrichstein liegt ein totes Kalb, aus dem Hals wurde ein ganzes Stück herausgebissen. Der gesichtete Wolf steht unter Verdacht. 

Erstmeldung: Jetzt ist es amtlich: Bei einem seit Sonntag mehrfach im Raum Ulrichstein gesichteten hundeähnlichen Tier handelt es sich um einen Wolf. Er ist der erste im Vogelsbergkreis und offenbar nicht sehr scheu. Denn verschiedene Menschen haben ihn aus einer Distanz zwischen 20 und 30 Metern fotografieren können. Zudem ist der Wolf noch nicht durch das Reißen von Tieren aufgefallen, obwohl in den Gemarkungen, in denen er gesichtet wurde, nachts sowohl Rinder als auch Schafe auf Weiden stehen.

Jäger Klaus Schwab aus Wohnfeld hat ihn erstmals am Sonntag um genau 20.57 Uhr gesichtet. Von einem Hochsitz aus sah Schwab das Tier am höchsten Punkt zwischen Bobenhausen und Ober-Seibertenrod nahe der Landstraße, wo die Gemarkungsgrenze verläuft. Der Jäger hat die seltene Begegnung sehr genau festgehalten. Exakt sieben Minuten lang hat er das Tier beobachten können, es sei bis auf 30 Meter an seine Position heran gekommen, berichtet er.

Der Wolf kam aus Richtung Ulrichstein, querte die Straße nach Ober-Seibertenrod in Richtung eines Maisackers, der von einem Elektrozaun geschützt ist. Davor scheute das Tier zurück, er kennt solch eine Schutzanlage offenbar, und lief nahe der Straße weiter. Als ein Auto stehen blieb, fixierte er dieses, kehrte um und sah das geparkte Auto des Jägers. Den Wagen beäugte der Wolf nur kurz, dann passierte etwas, das Schwab nicht erwartet hatte. Der Wind trug den Geruch des Jägers in Richtung des Wolfes, aber der nahm nicht reißaus, sondern beäugte Schwab kurz und lief dann etwa 200 Meter ohne Deckung an einem Waldrand entlang weg. Nachts bekam Schwab eine SMS von einem Landwirt, der den Wolf bereits gegen 20 Uhr zwischen Ober-und Unter-Seibertenrod gesehehen hatte. Einer seiner Mitarbeiter machte davon Bilder, die er der Alsfelder Allgemeinen Zeitung überlassen hat. Am Dienstagabend wurde der Wolf schließlich erneut zwischen Ober- und Unter-Seibertenrod nahe des Radweges fotografiert.

Schwab betreibt die Jägerei seit rund 40 Jahren und ist deshalb sehr erfahren in der Bewertung von Spuren und Tiersilhouetten in der Dämmerung. Nach seinem Eindruck handelte es sich zweifelsfrei um einen Wolf, schon wegen der Art, wie das Tier lief. Es muss ein junger Wolf sein, nimmt Schwab an, so um die zwei Jahre alt.

Gleichwohl handelt es sich um ein großes Tier, deutliche länger und größer als ein Hund, betont der erfahrene Jäger. Das mutmaßliche Stockmaß von 75 bis 80 Zentimetern sei sehr beeindruckend, ebenso die schätzungsweise Länge von rund 1,20 Metern. Als bedenklich wertet Schwab, dass das Tier sich in der Helligkeit zeigt und dass es nahe an Menschen herankommt.

Der Wolf hat bisher keine übertriebene Scheu an den Tag gelegt und als er die Witterung des Jägers aufgenommen hatte, rannte er nicht weg. Schwab erklärt sich das so, dass immer dort, wo Wölfe hinkommen, auch schon Menschen sind und ihnen von diesen keine Gefahr droht. "So lernen die Wölfe, dass der Mensch nicht weh tut", fasst der Jäger die Situation zusammen.

Wo der junge Wolf herkommt, ist natürlich Spekulation. Schwab sieht es als Möglichkeit, dass es sich um das Tier handelt, das kürzlich aus einer Anlage im Knüll weggelaufen ist. Andererseits wisse man seit drei Wochen von einem Rudel Wölfe bei Fulda im bayrischen Gebiet. Wenn junge Wölfe in einem Rudel aufwachsen, so trennen sie sich nach eineinhalb bis zwei Jahren von der Gruppe und wandern eigenständig weg. Dabei können sie eine Strecke von bis zu 50 Kilometern in einer Nacht zurücklegen.

Kein Grund zur Panik

Schwab hatte bereits vor etwa einem dreiviertel Jahr Hinweise festgestellt, die auf einen Wolf hindeuteten. Allerdings war die Spurenlage sehr dünn, denn bei dem warmen Winter gab es mangels Schneedecke nur unzureichende Spuren.

Ende März hatte Schwab von Hinweisen am Eckmannshain und zwischen Ruppertenrod und Mücke Kenntnis erhalten. Der Jäger weist noch darauf hin, dass der Vogelsbergkreis nicht als Risikogebiet eingestuft ist, weshalb Tierhalter im Schadensfall keinen Ersatz bekommen.

Aber man solle auch nicht in Panikmache verfallen, beruhigt der Jäger, denn bislang habe man noch von keinem Schaden Kenntnis erhalten. Und das, obwohl in dem Gebiet, in dem der Wolf gesichtet wurde, Schafe und Rinder nachts auf den Weiden stehen. Schwab rät von Panik ab, man solle nur die richtigen Konsequenzen ziehen. Er geht davon aus, dass der junge Wolf in einigen Tagen weiter zieht, denn Wanderrüden nehmen kein festes Revier ein.

"Dieses Tier ist toll und selten. Klasse, dass es sich hier sehen lässt. Wir haben offenbar eine Natur, die dem Lebensraum des Wolfes entspricht", sieht der Jäger die Situation positiv.

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