Coronakrise

Bemalter Stein als Zeichen der Verbundenheit in der Krise

Das urchristliche Motiv des Fisches wird in Ulrichstein in der Coronakrise neu entdeckt. Wer einen bemalten Stein vor seiner Haustür findet, der weiß: In Gedanken ist jemand bei mir.

Kirche bedeutet Glaubensgemeinschaft. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist die Beschränkung von Gemeinschaft inzwischen auch eine Herausforderung für die Kirche geworden. Vielen Menschen gibt ihr Glaube in der Krise Halt. Doch die Kirchen dürfen nicht mehr für Gottesdienste öffnen.

Während viele Pfarrer und Gemeinden sich derzeit auf digitale Aktionen konzentrieren und versuchen, mit Podcasts und Online-Andachten, wie beispielsweise in Sellnrod, möglichst viele Menschen zu erreichen, hat sich Pfarrerin Antje Armstroff für ihre Gemeinden Feldkrücken und Ulrichstein etwas anderes überlegt. Sie will für die Menschen vor Ort sichtbare Zeichen der Kirche und der Gemeinschaft setzen, hat ein Schreiben an die Gemeindemitglieder verteilt und zu einer besonderen Malaktion aufgerufen.

Die Gottesdienste vor Ostern sollten in diesem Jahr eigentlich unter der Überschrift "Zuversicht" stehen, wendet sich die Pfarrerin an die Gläubigen. Durch das Coronavirus seien die Gottesdienste allerdings bis Ostern ausgesetzt, alle Veranstaltungen und Feste sind abgesagt. "Wo bleibt nun unsere Zuversicht, wenn wir nicht miteinander feiern und lachen, beten und singen, reden und weinen können?", fragt Armstroff.

Ihr sei daran gelegen, dass die Zuversicht bleibe, sagt die Pfarrerin. Gerade jetzt - auch wenn man sich nicht persönlich sehen und treffen könne. In den nächsten Tagen und Wochen wolle man in den Kirchengemeinden neue Ideen und Aktionen überlegen, wie man trotzdem in Kontakt bleiben und weiterhin gemeinsam eine Kirche sein könne.

Die Probleme dieser Art würden die Gemeinden zwar völlig überraschend und unvorbereitet treffen, aber mit einem Blick in die lange Geschichte der Kirche stelle man fest: "Es gab immer schon Zeiten, in denen sich Christinnen und Christen nicht einfach so treffen und gemeinsam Gottesdienst feiern konnten."

Vor 2000 Jahren, als das Christentum gerade erst begonnen hatte, seien christliche Gottesdienste und Zusammenkünfte verboten worden. Nicht aufgrund eines Virus, wie heute, sondern weil die Christen nur an den einen Gott glaubten und sich deshalb weigerten, den Kaiser von Rom als Gott anzubeten. Aus diesem Grund wurden sie in den ersten Jahrhunderten vom römischen Staat verfolgt und konnten sich auch nicht öffentlich zu ihrer Gemeinschaft bekennen. Um trotzdem miteinander in Kontakt treten zu können, nutzen die ersten Christen ein Geheimzeichen: den Fisch.

Diese Geschichte hat Armstroff aufgegriffen und regt an, "dass wir, wie die Christen ganz am Anfang, den Fisch als Geheimzeichen nutzen, um miteinander in Verbindung zu bleiben".

In den nächsten Tagen und Wochen werde man in Ulrichstein und Feldkrücken viele Fische entdecken: auf Steinen bemalt und großzügig verteilt in den Orten. An Straßenecken, an Bushaltestellen, vor der Kirche. Vielleicht habe man Glück und finde einen solchen Fisch-Stein vor der Haustür. Dann bedeute dies: "Jemand hat an Sie gedacht. Und wollte Sie daran erinnern: Die Zuversicht bleibt. Auch wenn wir uns nicht treffen und persönlich miteinander reden, uns in den Arm nehmen und in die Augen sehen können: Ich bin da. Ich denke an dich."

Wie und wo die Aktion geschieht, kann man im Internet verfolgen, auf der Homepage der Kirchengemeinde unter der Adresse www.kirche-urich-stein.de, bei Facebook unter "Kirche Ulrichstein und Feldkrücken", in vielen WhatsApp-Gruppen, per E-Mail an ev. kirchengemeinde.ulrichstein@ekhn-net.de, telefonisch im Pfarrbüro unter 0 66 45-2 06 oder auch direkt bei Antje Armstroff unter der Telefonnummer 0 15 22-4 83 65 38.

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