Krankheitskeim

Badebiotop Ulrichstein bleibt geschlossen

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Die Sonne brennt vom Himmel, aber in Hessens höchstgelegenem Städtchen kann man sich nicht im Badebiotop erfrischen: Ein Pfützenkeim hat sich breit gemacht, jetzt heißt es abwarten.

Das höchste hessische Städtchen und sein Wasser: Bäche sind trocken gefallen, Feuerlöschteiche leer, Trinkwasserbrunnen müssen neu erschlossen werden, und jetzt ist auch noch das idyllische Badebiotop in der heißen Sommerphase geschlossen. Denn es wurden Keime festgestellt, die sich aufgrund der langen Hitze und vieler Besucher entwickelt haben. Das ist sehr schade. Die gute Nachricht ist allerdings, dass sich vor der Schließung wohl kaum jemand eine Erkrankung zugezogen haben wird. Was die Auslöser der Verkeimung sind, und was dagegen unternommen werden kann, fragte die AAZ beim Kreisgesundheitsamt nach.

? Welche Bakterien sind in dem Badebiotop problematisch?

Pseudomonas aeruginosa, sie gehören zu den Keimen (Pfützenkeim), welche als opportunistische Krankheitskeime für den Menschen anzusehen sind. Der Keim kann als Krankheitserreger in kleinen Badeteichen auftreten

? Was kann durch solche Keime bei Nutzern des Bades verursacht werden?

Bei gesunden Menschen löst dieses Bakterium selten eine schwere Erkrankung aus. Anfällig sind immungeschwächte beziehungsweise durch andere Grundleiden anfällige Personen. Bei Haut- oder Schleimhautverletzungen kann es zu Infektionen kommen. Neben Hauterkrankung spielen auch Ohrenentzündungen eine Rolle.

? Liegt es an der Hitze, dass die Verkeimungen so zugenommen haben?

Mögliche Ursachen sind das Wetter und eine Vielzahl von Besuchern.

? Gibt es unterschiedliche Grenzwerte für die Keime für Badeseen und ein Badebiotop (Trinkwasserqualität)?

Maßgebend ist der § 37 Infektionsschutzgesetz. Dieser regelt die Beschaffenheit von Wasser für den menschlichen Gebrauch sowie Wasser zum Schwimmen oder Baden in Becken oder Teichen. Für Schwimmbäder, künstlich angelegte Badeteiche und Badeseen gibt es unterschiedliche Verordnungen (VO), Richtlinien, Empfehlungen und auch DIN-Vorschriften. Zu den Badebiotopen gibt es hygienische Anforderungen in Anlehnung an Kleinbadeteiche (künstliche Schwimm- und Badeteichanlagen sowie Empfehlungen des Umweltbundesamtes. Bei den Badeseen gibt es eine Verordnung über die Qualität und die Bewirtschaftung der Badegewässer (untersuchte Parameter – intestinale Enterokokken, E. coli). In einem Badesee wird nicht auf Pseudomonas untersucht. Unsere Badeseen im Vogelsbergkreis besitzen seit einigen Jahren übrigens die Einstufung "ausgezeichnet".

? Was sind denn die Gegenmaßnahmen, Chloren geht ja wohl nicht bei einem Badebiotop in Ulrichstein?

Seit zwei Wochen laufen die Maßnahmen: erhöhte Frischwasserzufuhr, und die Umwälzleistung wurde erhöht. Da es sich um ein Badebiotop handelt, können keine chemischen Zusätze (Chlorung) oder UV-Bestrahlung des Badewassers durchgeführt werden.

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