Ärgernis für die Gemeinde: Eine Straßenlaterne wurde beim Rangieren beiseite gedrückt, wie Bürgermeister Andreas Sommer (r.) und Ortsvorsteher Thomas Röhrich feststellen.
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Ärgernis für die Gemeinde: Eine Straßenlaterne wurde beim Rangieren beiseite gedrückt, wie Bürgermeister Andreas Sommer (r.) und Ortsvorsteher Thomas Röhrich feststellen.

Trucker müssen Knöllchen fürchten

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Nachts wird das Gewerbegebiet Gottesrain zum Großparkplatz für Lkw. Die Fahrer müssen die Ruhezeiten einhalten, hinterlassen aber auch Müll und Notdurft-Reste. Dagegen macht die Gemeinde nun mit einem Hilfspolizisten mobil. Das ist nötig, denn inzwischen weichen die Trucker auf den Festplatz im nahen Atzenhain aus.

Nun soll es Parkplatzsündern an den Kragen gehen. Die Gemeinde Mücke hat einen Mitarbeiter als Hilfspolizisten geschult, damit mehr gegen illegal geparkte Lkw im Gewerbegebiet und in der Ortslage von Atzenhain unternommen werden kann. Denn die Trucker nehmen immer mehr Raum ein, manchmal blockieren sie sogar die Zufahrt zum Gewerbegebiet.

Die Gemeinde hat bislang mit Felsbrocken auf den Gehwegen reagiert, doch die werden von den Truckern beiseite geschoben. Ein Autohaus hat Pkw auf den Seitenstreifen abgestellt, weil allzu oft unappetitliche Hinterlassenschaften von nächtlichen Gästen auf dem Grundstück lagen.

"Die Trucker sind arme Schweine", sagt Ortsvorsteher Thomas Röhrich beim Ortstermin im Gewerbegebiet. Sie müstsen ihre Ruhezeiten einhalten und stehen dann vor überfüllten Autobahnparkplätzen. Kein Wunder, dass sie auf die Straßen nahe der Ausfahrten ausweichen. Röhrich erlebt "viele osteuropäische Fahrer, die nicht das Geld für einen Stellplatz am Autohof ausgeben wollen". Der Fahrer sei nur das letzte Glied in der Kette und soll für möglichst wenig Gehalt möglichst viel Last transportieren.

Doch das hohe Lkw-Aufkommen treibt ihn trotzdem um. Der Ortsvorsteher berichtet, das nicht nur alle Straßen im Gewerbegebiet Gottesrain zugeparkt werden, sondern auch die Zufahrtsstraßen bis in den Mücker Ortsteil hinein. Auf dem Festplatz stehen ebenfalls viele Lkw, deren Fahrer die Nacht überbrücken wollen. Die Folge des hohen Laster-Aufkommens seien allerorts Müllhaufen, umgedrückte Laternen, zerfahrene Straßenränder und Toilettengestank.

Thomas Fischbach von der Firma Becker Systemwandbau im Gewerbegebiet sagt: "Wir sind jeden Morgen und jeden Abend zugeparkt". Die Lkw stehen teilweise vor den Toren und Parkflächen. "Wenn wir morgens eine Lieferung bekommen, müssen die erst einmal wegfahren." Inzwischen sei es Mittwochnacht besonders schlimm. Immer wieder parken Lkw-Fahrer die Zufahrtsstraße in das Gewerbegebiet dermaßen zu, dass wegfahrende Lkw erst nach mühseligem Rangieren durchkommen. Er hat vor zehn Jahren bei der Atzenhainer Firma angefangen, "das ist deutlich mehr geworden".

Das bestätigt Thomas Röhrich. Weil am Freitag so viele Lkw auf der A 5 unterwegs sind, dass die rechte Fahrspur eine nicht enden wollende Kolonne der schweren Fahrzeuge aufweist, haben die Wochenendpendler aus dem Rhein-Main-Gebiet ihre Heimfahrt vorgezogen. Sie arbeiten von Montag bis Mittwoch länger, um dann schon am Donnerstag heimfahren zu können. So umgehen sie den traditionellen Freitagsstau.

Die Situation soll jetzt besser werden. Bürgermeister Andreas Sommer erläutert, dass ein Mitarbeiter des Ordnungsamts die notwendigen Schulungen durchlaufen hat, um nun als Hilfspolizist seine Runden zu drehen. "Er kommt auch nachts und am Wochenende" in das Gewerbegebiet und in die Ortslage, um dort zu kontrollieren. Einen solchen Schritt ist auch Alsfeld schon gegangen. Sommer hofft, dass nach Eröffnung des neuen Nordfrost-Lagers der dortige Parkplatz nachts für die Lieferanten offen steht. Schon jetzt sei die Lage unhaltbar. Er ärgert sich besonders, dass der Bund als Baulastträger der Autobahnen nicht die Parkplätze an den Fernverkehrsachsen ausbaut. Immerhin wächst der Lkw-Verkehr seit Jahren stetig, aber es geschieht zu wenig. Ein Hipo werde die Lage nicht grundlegend verbessern: "Wir können nur ein paar Knöllchen verteilen, aber die Lage verändert das nicht."

Im Regionalplan werden weitere Gewerbegebiete entlang der Autobahn vorgesehen. Dann braucht man auch mehr Flächen zum Abstellen der Lkw, sagt Sommer. Eine Initiative beim Landkreis könnte "Druck von unten her aufbauen, dass der Bund seiner Pflicht nachkommt".

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