Hier steckt viel Arbeit und Liebe zum Detail dahinter: Reben im Weinberg von Karl-Heinz Sommerlade in Nieder-Ohmen. FOTO: STEFAN BRAUN
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Hier steckt viel Arbeit und Liebe zum Detail dahinter: Reben im Weinberg von Karl-Heinz Sommerlade in Nieder-Ohmen. FOTO: STEFAN BRAUN

Der Traum vom eigenen Weinberg

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Erlesene Weine nicht aus Frankreich und Italien, sondern aus der Vogelsbergregion? Karl-Heinz Sommerlade erfüllt sich im Ruhestand den Traum von einem eigenen Weinberg - Angebaut wird eine neuartige und seltene Rebsorte.

Karl-Heinz Sommerlade ist Weinfreund. Das klingt zunächst einmal nicht ungewöhnlich, denn von den Freunden des Rebensaftes gibt es allein in Deutschland Millionen. Das Besondere am Hobby des 64-Jährigen sind sein fundiertes Fachwissen, über das im Normalfall nur Winzer und/oder Sommeliers verfügen und die Tatsache, dass er sich nun, da er in Ruhestand ist, in Nieder-Ohmen einen Traum in Form eines eigenen Weinbergs verwirklicht.

Das Außergewöhnliche am Hobby von Sommerlade ist damit aber auch noch nicht ausgereizt, denn der Weinberg befindet sich nicht etwa an der Mosel, in Rheinhessen oder in Franken. "Die Nachbarn dachten im April, der hat sie nicht alle, der hat einen Schuss, als ich die Reben in den Basalt-Verwitterungsboden pflanzte", erzählt der fleißige Weinfreund, der sich guten Gewissens als Deutschlands "ältester Jungwinzer" bezeichnen darf.

Jetzt überwiegen das Staunen und die Anerkennung über die Konsequenz, mit der Sommerlade sein Ziel verfolgt, denn die Rebstöcke haben bereits eine beachtliche Höhe erreicht. Das Fachwissen hat er sich in Seminaren selbst angeeignet, bei der praktischen Arbeit, "die mitunter sehr anstrengend ist", berät ihn ein guter Freund, der Weinbau studiert hat. Für die erste Weinlese haben sich bereits zahlreiche Freunde und Bekannte angesagt, doch, wie jeder Weinfachmann weiß, gibt es den ersten Ertrag erst im dritten Jahr. Zuvor werden die Träubel, wenn sie noch ganz klein sind, sehr früh abgeerntet, die Kraft soll in den Rebstock gehen, der sich gut entwickeln muss. "Weinfreund bin ich seit meiner frühesten Jugend, das hat sich dann im Laufe der Jahre gesteigert", weiß Sommerlade zu berichten. Glücklich kann er sich schätzen, dass er mit Kornelia eine Ehefrau an seiner Seite hat, die nicht nur Verständnis für sein Hobby hat, sondern sich ebenfalls gerne mit diesem Thema beschäftigt.

Gemeinsam gehören sie einer Gruppe an, die zusammen gerne Weine aus aller Welt probiert und einordnet, "immer mit einem guten Essen dazu", verrät der Neuwinzer. Ihre Urlaubsreisen führen sie meist mit dem Wohnwagen in bekannte oder weniger bekannte europäische Weingebiete. Dort suchen sie die Winzer vor Ort auf, probieren und kaufen regionalen Wein. Nicht selten sieht man dann beide am Abend vor dem Wohnwagen sitzen, vor sich einige Flaschen Rebensaft, eingewickelt in Kartonagen oder Packpapier, sodass der Inhalt nicht zu erkennen ist. Dann wird blind probiert, den familieninternen Wettkampf, welcher Wein von welchem Winzer kommt, gewinnt nicht immer Karl-Heinz. Kornelia achtet immer streng darauf, dass die Gläser nicht zu voll eingeschenkt werden, "sonst kann man irgendwann die Unterschiede nicht mehr klar herausschmecken". Die Weinregionen in Deutschland und Europa kennen sie zum Großteil schon. "Wir wollen irgendwann auch Weingebiete in Übersee besuchen", verrät der ausgebildete Landwirt und Landwirtschaftskaufmann, der fast 40 Jahre bei derselben Firma gearbeitet hat.

Zunächst aber steht die weitere Entwicklung des eigenen Weinberges im Fokus. Wenn dann der erste Wein aus dem "Burgweg am Goldgraben", so die Lage in Mücke, verkostet werden kann, dann wird das ein Sauvignac sein. Für diese noch relativ junge Rebsorte hat sich Karl-Heinz Sommerlade nach reiflicher Überlegung entschieden. Erfahrungen mit Sauvignac-Rebe, die in der Schweiz gezüchtet wurde, haben bisher nur sehr wenige Weingüter. Eines davon ist das renommierte "Kobatl Bioweingut" in Graz in der Steiermark, das bereits zahlreiche Weinpreise gewinnen konnte. Der "Jungwinzer in Osthessen" bezieht seine Rebstöcke indes von der Rebschule von Volker Freytag in Neustadt an der Weinstraße.

Die Weinlese, daran lässt er keinen Zweifel aufkommen, wird nur per Hand vorgenommen. Bis dahin muss er sich aber noch etwas gedulden, was bei einem guten Glas Wein, gemeinsam mit Kornelia, sicher leichter fällt.

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