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Tränen und eine Überraschung

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Udo Haupt wollte am Samstag einen ruhigen Abend beim Griechen verbringen und Bilanz ziehen. Denn seinen Lebensmittelladen hatte er am Mittag nach 37 Jahren für immer geschlossen. Aber über 100 Bürger hatten für "ihren Udo" ein überraschendes Dankeschönfest organisiert. Bereits am Vormittag hatten sich viele treue Kunden mit einem Geschenk im Laden in Nieder-Ohmen verabschiedet.

Tränen, Geschenke, Dankesworte und ein furioses Finale: Das Schließen des letzten Lebensmittelgeschäftes in der Ortsmitte von Nieder-Ohmen hat Emotionen geweckt und über 100 Bürger zu einer großartigen Überraschungsaktion für "ihren Udo" animiert. So klang der Samstag für Udo Haupt im Kreis von Freunden und treuen Kunden aus.

Am Morgen hatte Haupt den kleinen Lebensmittelladen neben dem Dorfgemeinschaftshaus das letzte Mal geöffnet. Die ganze Woche über hatte er mit Preisaktionen schon den Abverkauf eingeleitet, denn die Waren, die bis Samstagmittag nicht verkauft waren, kann er dem Großhandel nicht zurück geben. In diesem Sinne hatte Haupt auch Aktions-Eimer mit verschiedenen Waren bestückt, die er zu Preisen zwischen drei und sieben Euro abgab. "Udo sagt Tschüss" prangte als Schild auf den Eimern.

Mit der Geschäftsschließung verliere das größte Dorf im Vogelsbergkreis auch einen kommunikativen Treffpunkt für alle Generationen, bedauern Kunden, die letztmalig eine Schlange vor der Kasse bilden. "Ältere Leute waren darauf angewiesen", sagt ein Kunde, "was machen die jetzt?" In den Regalen sind im Laufe der letzten Verkaufswoche schon einige Lücken entstanden. "Das war ein Hobbybäcker", sagt Udo Haupt und deutet auf ein leeres Regalbrett bei Marmeladen. Mehr als 20 Gläser habe der Mann für Füllungen mitgenommen. Sonnenschutzmittel sind ausverkauft, bei Nutella sieht es mau aus, eine letzte Stange Toblerone liegt noch da. "Ach, ich könnte heulen", sagt eine Kundin, die extra vorbeikommt, um ein Geschenk abzugeben. Es ist ein Blumengesteck, das Udo Haupt und Gattin Ingrid sehr gut gefällt. Udo Haupt bedankt sich, nimmt die Brille ab und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Der Schlussstrich nach 37 Jahren geht im sichtlich nahe. "Und wie geht das weiter mit deinem Partyservice?", fragen mehrere Kunden. "Den mache ich weiter", sagt Udo Haupt, drückt den Kunden Visitenkarten in die Hand. Er gibt sich gewohnt optimistisch. Wahrscheinlich wird er ein gut gemeintes Abschiedsgeschenk nicht anwenden müssen: Notfalltropfen aus Bachblüten.

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