Teures Reitpony mit Arthrose

  • Harold Sekatsch
    vonHarold Sekatsch
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Gießen/Alsfeld(se). Dr. Rüdiger Ham, Richter am Landgericht Gießen, hat sich mit einem Pferdeverkauf zu beschäftigen, der rund eineinhalb Jahre zurückliegt und den der Käufer, ein Mann aus Alsfeld, gern rückabwickeln möchte. Das Pferd soll Arthrose an einem Huf haben, lahmen und nicht mehr reitbar sein.

In der Verhandlung am Donnerstag vor der 5. Zivilkammer wurde zunächst vonseiten einer Zeugin, Partnerin des Klägers, über die Kaufabwicklung berichtet. So erklärte die 40-Jährige aus einem Ortenberger Stadtteil, dass sie dem Verkäufer, einem Fachunternehmen aus Großostheim bzw. dessen Mitarbeiter, ihre Wünsche dargelegt habe. So sollte das Pony für ihre neunjährige Tochter erworben werden und die Eigenschaften besitzen: kinderfreundlich und nicht schreckhaft sein, ein ausgeglichenes Temperament besitzen und nicht "buckeln". Darüber hinaus, so die Zeugin, hhabe die Klägerseite darauf bestanden, dass die Ankaufsuntersuchung durch einen vom Käufer bestellten Tierarzt vorgenommen werde.

Rückgaberecht verweigert

Als die 40-Jährige zur Kaufabwicklung im September 2018 erschien, sei ihr vonseiten des Verkäufers mitgeteilt worden, dass die Untersuchung bereits durch einen anderen Veterinär vorgenommen worden und mit dem Pferd alles in Ordnung sei. Gleiches hätten die Röntgenaufnahmen ergeben. Gleichwohl, so die Zeugin, sei ihr zugesichert worden, wenn die Neunjährige mit dem Pferd nicht zurechtkomme, könne es zurückgegeben werden. "Das war wichtig für unsere Kaufentscheidung", berichtete die Zeugin. Der Preis für das Pony hat immerhin 11 000 Euro betragen. So wollte die Zeugin eigenen Angaben zufolge in den Kaufvertrag ein Rückgaberecht mit aufnehmen, doch mit dem Hinweis "man müsse ihm vertrauen", habe der Verkäufer, ein 53-jähriger Pferdewirtschaftsmeister, ihr dieses ausgeredet.

Der Mann, der ebenfalls als Zeuge aussagte, berichtete, dass das Pferd von seiner Tochter und anderen Personen vor dem Verkauf geritten worden sei. Es seien Videoaufnahmen gezeigt worden, die das Verhalten des Pferdes beim Springen zeigen. "Es hat einen braven Sprung gemacht. Das Pony war superanständig", sagte der Pferdewirtschaftsmeister. Er erklärte aber auch, dass kein Mensch voraussagen könne, wie sich ein Pferd entwickelt, wenn er selbst es nicht mehr beeinflussen kann. "Pferde sind schließlich lebende Tiere." Dann unterbreitete der Zeuge den Vorschlag, dass sein Unternehmen das Pony in Kommission zurücknehme und versuchen werde, das Tier zu verkaufen.

Es gibt noch Klärungsbedarf

Er sagte dem Käufer zu, dass das für ihn nicht mit Kosten verbunden sei. Richter Ham nannte mehrere Möglichkeiten zur Vorgehensweise. Einmal könne dem Kläger das Rückgaberecht eingeräumt werden. Der Richter machte aber deutlich, dass es gewichtige Gründe gebe, sich nicht dafür zu entscheiden. Zum anderen könne ein Sachverständiger zurate gezogen werden, der zu klären hat, ob das Pferd von der Norm abweiche. Das aber koste Zeit und Geld. Darüber hinaus stehe das Angebot des Verkäufers im Raum. Brigitte Merle, Rechtsbeistand des Klägers, schien nicht abgeneigt, das Angebot anzunehmen oder es zumindest ernsthaft zu prüfen. Bis zur Entscheidung auf Klägerseite besteht aber wohl noch Diskussionsbedarf. Und so grast das Pony weiterhin auf einer Weide unweit von Ortenberg.

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