Ihr diesjähriger Australienurlaub wird Jutta und Uwe Rahn wegen Corona lange in Erinnerung bleiben. FOTO: SF
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Ihr diesjähriger Australienurlaub wird Jutta und Uwe Rahn wegen Corona lange in Erinnerung bleiben. FOTO: SF

Teurer Urlaub dank Corona

  • vonJutta Schuett-Frank
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Jutta und Uwe Rahn hatten sich auf den Australien-Urlaub gefreut. Das Paar aus Kölzenhain wollte gemeinsam mit Juttas Mutter Doris Jost Verwandte besuchen. Dann kam die Corona- Krise und am Ende eine teure Rechnung.

Die beiden Rahns und die 73-jährige Doris Jost hatten sich auf einen schönen Familienurlaub gefreut. Schon mehr als einmal war Australien das Ziel gewesen, und nun sollte es Anfang März wieder in das ferne Land am anderen Ende der Welt gehen.

Dorthin waren die beiden Schwestern von Doris Jost schon in den 1950er Jahren ausgewandert und hatten mit ihren Männern Handwerksbetriebe im Bereich Spenglerei und Innenausbau aufgebaut. Da die beiden Schwestern mit 86 und 79 Jahren die beschwerliche Reise nach Deutschland nicht mehr auf sich nehmen können, war auch auf Wunsch von Doris Jost der Gegenbesuch in Down Under angesetzt worden.

Nach ein paar schönen Tagen Aufenthalt aber erwischte die Corona-Pandemie die Urlauber, die sich zwar zuvor schon angekündigt hatte, aber deren Auswirkungen zu diesem Zeitpunkt noch den wenigsten bewusst waren. Der vergnügte Urlaub war schlagartig vorbei und der Stress begann für die drei reiselustigen Vogelsberger.

Auch in Australien Nudeln Mangelware

Über die Medien hatten sie den Lockdown in Deutschland mitbekommen und am 20. März wurden sie von ihrem Reisebüro in Schotten über E-Mail kontaktiert. Ihr ursprünglicher und bereits bezahlter Rückflug am 27. März sei ersatzlos gestrichen worden, hieß es.

Man solle sich mit der Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unverzüglich in Verbindung setzten, doch das war nicht möglich. Deren Schalter am Flughafen im südaustralischen Adelaide war geschlossen. Parallel dazu erlebten die Ulrichsteiner, wie nun auch in Aus- tralien nach und nach Restaurants, Museen oder Tierparks die Pforten schlossen. "Man glaubt es kaum, auch in Aus- tralien war das Toilettenpapier Mangelware. Nudeln und Mehl fehlten und der Alkohol war rationiert."

Online hatten sich die Kölzenhainer in eine Liste bei der Botschaft eingetragen. Man hoffte nun auf eine Rückholaktion durch die Bundesregierung, denn die drei Wochen Urlaub waren schon überzogen. Den Rahns wurde dann mitgeteilt, dass nur hilfsbedürftige Personengruppen wie Minderjährige, Notfälle sowie Familien mit kleinen Kindern bei der Rückholaktion der Bundesregierung zum Zuge kommen würden. Alle anderen müssten auf eigene Faust versuchen, einen Rückflug zu organisieren.

Die Rahns versuchten alles, um einen Rückflug zu ergattern, und nach vielen Hindernissen klappte das für den 3. April. Schon vorher hatten sie aber im Internet verfolgen können, wie die Preise für die wenigen noch verfügbaren Flüge nach oben schnellten.

Am Ende zahlten die drei Vogelsberger pro Person rund 2000 Euro, um nach Deutschland zurückkehren zu können. Doris Jost fügte noch an, der ursprüngliche Buchungspreis habe für Hin- und Rückflug für eine Person bei 1150 Euro gelegen. Die Menschen, die von der Bundesregierung aus Aus-tralien zurückgeholt wurden, hätten, wie den Medien zu entnehmen gewesen sei, rund 1000 Euro für den Flug bezahlen müssen.

Nun finden die Rahns das ein wenig ungerecht, und sie ärgern sich über die "Zweiklassengesellschaft" und darüber, welcher Aufschlag plötzlich bei der gleichen Fluglinie fällig war, damit das Paar zurück nach Deutschland kam.

Das mit den Rückholaktionen sei nicht so gewesen, wie es dargestellt wurde, klagt Doris Jost, man habe ja bereits das bezahlte Rückflugticket in der Tasche gehabt. Möglicherweise hätten andere Urlauber ähnliche Erfahrungen gemacht. Als sie wieder im Vogelsbergkreis zurück waren, haben sie über das Reisebüro einen Antrag auf Kostenerstattung gestellt. "Man hat uns aber wenig Hoffnung gemacht", so Doris Jost. Deshalb haben sie jetzt einen Anwalt eingeschaltet.

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