Täter "pausiert" zwischen zwei Attacken

  • Rolf Schwickert
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Alsfeld(rs). "Das war schon komisch." Dieser Satz fiel am Freitag gleich mehrfach in der Beweisaufnahme am Landgericht Gießen wegen eines Tötungsdeliktes Anfang April in Alsfeld. Am ersten Samstag des Monates war gegen Mittag ein 47-Jähriger auf seiner Kleingartenparzelle mit einem 1,2 Kilogramm schweren Fäustel erschlagen worden. Kurze Zeit später wurde von einer ersten Polizeistreife am Tatort In der Beerenwiese ein 37-Jähriger festgenommen. Der Mann, Parzellennachbar des Opfers, muss sich seit Ende September vor einer Strafkammer am Landgericht verantworten, am Freitag war der dritte Verhandlungstag. Es wurden Polizeibeamte gehört, die zu den Ersten am Tatort gehörten sowie Vertreter des Kriminaldauerdienstes und der Alsfelder Kripo.

Notarzt und Rettungssanitäter bemühten sich um den niedergeschlagenen 47-Jährigen, als ein Polizist mit der zweiten Streife am Tatort eintraf. Mit nur zehn Minuten Fahrzeit waren sie mit Sondersignal von Homberg gekommen.

Die Besatzung der ersten Streife hatte den jetzt Angeklagten festgenommen. Kurze Zeit später, so erinnerte sich ein Beamte im Zeugenstand, legten die Sanitäter eine blaue Decke über das Opfer. Die Rettungsversuche waren vergeblich gewesen.

Daraufhin wurden die Frau des Opfers und ein Sohn vom Gelände geführt, eine Notfallseelsorgerin gerufen. Die Gartenparzelle wurde zum abgesperrten Tatort, Spuren wurden gesichert, Zeugen befragt.

Aussagen von Witwe und Sohn des Opfers bekamen die Beamten zunächst nicht, denn beide Angehörige standen unter Schock. Die Frau hatte sich noch um den Schwerverletzten gekümmert, mit zwei Handtüchern die entstellenden Wunden abgedeckt.

Von einer chaotischen Situation in der Kleingartenanlage berichtete eine weitere Polizeibeamtin. Sie war mit dem zweiten Streifenwagen eingetroffen und hatte sich mit ihrem Kollegen um Ordnung auf der Parzelle gekümmert. Es wurden auch erste Zeugen befragt. So berichtete nach Angaben der Polizistin eine Frau, sie habe zunächst Schreie gehört, sei diesen dann nachgegangen und habe gesehen, wie der Angeklagte auf etwas am Boden liegendes eingeschlagen habe.

Zunächst habe sie gedacht, die Schläge würden sich gegen einen Hund richten. Als sie aber näher herankam, sah sie, dass die Hammerschläge dem 47-Jährigen galten.

Eine Befragung weiterer Anlieger ergab, dass eine Mutter mit ihrer Tochter in einer Nachbarparzelle sitzend bereits zwei Stunden vorher einen Streit gehört hatte. Weil das Wortgefecht aber nicht sehr laut gewesen sei, hätten die Zeuginnen nichts zum Inhalt sagen können. Nach einer Weile der Ruhe sei es dann wieder sehr laut geworden, die Mutter sei zur Parzelle des 47-Jährigen gegangen und habe gesehen, wie der Angeklagte mit einem Hammer auf das am Boden liegende Opfer eingeschlagen habe. "Hör auf, hör auf", habe die Zeugin gerufen.

Daraufhin habe sich der 37-Jährige abgewandt und sei zu seiner Parzelle nebenan gegangen. Kurz danach sei er allerdings wieder zurückgekehrt und habe weiter auf den am Boden liegenden Mann geschlagen. Dieser Ablauf wurde von Verfahrensbeteiligten als komisch beziehungsweise ungewöhnlich eingeordnet. Etwas Erhellendes dazu könne nur der Angeklagte sagen.

Offen blieb am Freitag auch, warum der rechte Schuh des Opfers ausgezogen zwischen den beiden Beinen des Toten lag. Einen Arbeitshandschuh hatten die Rettungssanitäter für die Erstversorgung ausgezogen.

Hatte der Angeklagte nach den ersten Hammerschlägen das Werkzeug noch mitgenommen, hatte er es nach den zweiten Schlägen am Tatort zurückgelassen. Es lag neben dem Schwerverletzten.

Die Verhandlung wird am 30. Oktober fortgesetzt.

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