Leihräder

Täglich über 300 Leihradfahrten in Gießen

Rund 100 000mal sind in diesem Jahr in Gießen bislang Räder der Firma Nextbike ausgeliehen worden. Jetzt wurde eine dritte Station für Leihräder eröffnet.

Nebenan hat es zweimal geklackt, als sich die Schlösser öffneten. Zwei der blaulackierten Räder sind aus dem Ständer vor der Johanneskirche in den letzten Minuten schon verschwunden. "Sie müssen sich mit dem Foto beeilen, sonst ist gleich kein Rad mehr da", sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz lachend. Im Durchschnitt passiert das in Gießen über 300mal täglich. "Zwischen Januar und November hatten wir rund 100 000 Ausleihen", sagt Christine Pletsch, die für Hessen zuständige Business Development Managerin des Leihradanbieters Nextbike und fügt hinzu: "Die Nachfrage steigt stetig".

Nach der Justus-Liebig-Universität (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ist nun auch die Stadt in das System eingestiegen und hat zunächst 25 der insgesamt 360 Gießener Nextbike-Räder unter Vertrag genommen. Mit der bisherigen Zahl von 360 sei Gießen beim Leihrad-Angebot "gut aufgestellt", befindet der städtische Verkehrskoordinator Ralf Pausch.

Während sich viele der insgesamt 20 Gießener Nextbike-Stationen direkt an Unieinrichtungen und damit weiter weg von der Innenstadt befinden, verteilen sich die 25 Räder mit dem rot-weißen Stadtlogo auf drei Citystationen an der Ecke Goethestraße/Johannesstraße, am Oswaldsgarten und am Rathaus/Kinopolis. "Mit diesen Standorten erreichen wir einen anderen Personenkreis", erklärt Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel. Mindestens eine weitere wird im kommenden Jahr hinzukommen. Dafür immer neue Flächen in der Innenstadt zu finden, sei nicht einfach, sagt Verkehrskoordinator Pausch.

Der Aufwand der städtischen Beteiligung ist überschaubar, da sich die Stadt in das bestehende System nur eingekauft hat. Zwischen der Nutzung der nur blauen (JLU) und nur grünen (THM) Räder und jenen mit dem Stadtlogo gibt es keinen Unterschied, denn ausleihen konnte sie bislang auch schon jedermann, der sich bei Nextbike registriert hat. Ein Unterschied betrifft die rund 1200 Stadtbediensteten, für die der Arbeitgeber den einen Euro für die erste halbe Stunde übernimmt. Auch Studierende erhalten diese Ermäßigung. "Dass wir in das Leihradsystem einsteigen wollen, haben wir ja schon vor längerer Zeit angekündigt. Nach der Einführung des Jobtickets ist das der nächste Schritt für einen umweltfreundlicheren Verkehr", erklärt OB Grabe-Bolz.

Pauschale steigt

Der Fortbestand des Leihradsystem in Gießen hängt laut Pausch demnächst freilich auch von den Studierenden ab. Die Einführung des Systems durch die beiden Hochschulen sei vom Land Hessen vor dem Hintergrund der Baustellensituation gefördert worden. Diese Förderung laufe aus, daher werde die Leihrad-Pauschale von derzeit einem Euro in den Semestergebühren im kommenden Jahr etwas steigen, vorausgesetzt die Studierendenschaft stimmt dieser Erhöhung zu.

Hochschulen gehören zu den bevorzugten Partnern des aus Leipzig stammenden Anbieters Nextbike. In Unistädten wie Gießen "läuft es ganz gut", sagt Entwicklungsmanagerin Pletsch. Im Sommer und zu den Semesterstarts im April und Oktober steige die Zahl der Ausleihen stark an. Nextbike betreibt andernorts, wo die Strecken länger und die Topographie - wie im Schwarzwald - hügeliger ist, auch Stationen mit E-Bikes, aber das ist im Moment für Gießen kein Thema. Kein Thema in Gießen für den Anbieter sind Vandalismus und Diebstahl. Noch kein einziges der 360 Räder ist geklaut worden.

So funktioniert Nextbike

Auch wenn der erste Eindruck täuscht: Man muss weder Student, Hochschulmitarbeiter noch Stadtbediensteter sein, um in Gießen Räder von Nextbike auszuleihen. Das kann jeder. Auf der Homepage (www.nextbike.de) kann man sich als Kunde registrieren lassen. Das geht über eine App oder telefonisch. Mit der App kann man dann den auf dem Rad aufgedruckten QR-Code scannen oder die Hotline anrufen, um ein Rad auszuleihen. Eine halbe Stunde (Basistarif) kostet ein Euro, jede weitere jeweils wieder einen Euro, neun Euro kostet eine 24-Stunden-Ausleihe. Wenn man mehrere Dinge an verschiedenen Orten erledigen muss, kann man das Rad parken, ohne dass die Leihe endet. Man muss dann den Parkmodus der App einschalten. Die Rückgabe erfolgt an einer der offiziellen Nextbike-Stationen im Stadtgebiet. Rad abschließen und App auf Rückgabe aktualisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare