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Studie zu Folgen der Dürre

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Von: Joachim Legatis

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Für die Gerhart-Hauptmann-Schule entsteht nach einem Beschluss des Kreistages ein Anbau für die Ganztagsbetreuung. © Joachim Legatis

Der Sommer kommt bestimmt, und damit wachsen die Befürchtungen vor ausgetrock- neten Bächen und Quellen. Deshalb soll nun eine Studie zu den Folgen der Dürre im Vogelsberg erstellt werden, wie der Kreistag einstimmig in seiner jüngsten Sitzung beschließt. Zudem gibt man Mittel für die Schulkindbetreuung frei.

Ein Millionenbetrag für eine Schule, ein Vorstoß zum Schutz des Grundwassers und viele Wahlen standen im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Kreistags im Wartenberg-Oval. Das Vogelsberg-Parlament zeigte sich dabei mehrfach einer Meinung.

So votierten alle Abgeordneten bei der Sitzung am Donnerstagnachmittag dafür, rund 600 000 Euro eigene Mittel für eine Erweiterung der Gerhart-Hauptmann-Schule in Alsfeld auszugeben. Mit 1,2 Millionen Euro aus Bundes- und Lan- desmitteln soll ein Gebäude zur Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern errichtet werden. Rund 125 Schüler nutzen das Angebot bislang, wie Landrat Manfred Görig in der Sitzung dazu erläuterte.

Hintergrund ist ein Bundesprogramm, mit dem Betreuungsangebote für Grundschulkinder geschaffen werden sollen. Voraussichtlich wird es ab 2026 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in dieser Altersgruppe geben, dafür stellt der Bund Milliarden Euro zur Verfügung. Das Land Hessen hat nun rund 80 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln in einen Fördertopf dafür gepackt.

Der Haken: Das Geld muss bis zum 30. Juni beantragt und bis Mitte 2022 ausgegeben sein. »Das ist für Baumaßnahmen nicht einfach«, meinte Görig trocken. Um Zeit zu sparen, hat der Landkreis die Pläne für ein ähnliches Gebäude in Schlitz noch einmal genutzt. Damit sollen Pavillons aus dem Jahre 1972 ersetzt werden, die bislang für die Betreuung der Alsfelder Schüler genutzt wurden. Noch eine Klippe besteht darin, dass der Millionenbau europaweit ausgeschrieben werden muss.

Studie zu Folgen der Wasserknappheit

Ebenso einhellig stimmten die Kreispolitiker für eine Studie zu Ursachen und Folgen der Wasserknappheit. Dafür hatten sich die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt - eine Rarität im Kreistag. Demnach soll der Kreisausschuss eine Studie bei einem unabhängigen Fachbüro in Auftrag zu geben, um »Ursachen und Folgen der Wasserknappheit bei Grund- und Oberflächenwasser im Hohen Vogelsberg« zu untersuchen. Bevor die Studie beauftragt wird, soll in einer Ausschusssitzung über den konkreten Auftrag beraten werden.

Dazu erläuterte Susanne Schaab (SPD, Bürgermeisterin von Schotten), dass der Klimawandel im Vogelsberg spürbar ist. So fallen Bäche trocken. »Wir haben Sorge, dass sich diese Entwicklung noch verstärkt durch die Entnahme von Grundwasser.« In den vergangenen Jahren habe man extreme Trockenheit erlebt. Aber die Menschen seien auf hohe Grundwasserpegel angewiesen, damit die Brunnen nicht auch noch trockenfielen. Ziel sei, Maßnahmen zu finden, die Wasserrückhaltung zu verbessern.

Dr. Udo Ornik (Grüne) zeigte sich erfreut über den gemeinsamen Antrag. Das wäre in der vergangenten Kreistagsperiode nicht möglich gewesen. Es gebe beträchtliche Wasserlieferungen in das Rhein-Main-Gebiet, die der OVAG Millionen-Einnahmen bringen würden. Das erschwere Entscheidungen, die mit dem Wetteraukreis getroffen werden müssen. Die Lieferungen nach Frankfurt seien nur noch möglich, weil eine Leitung zum Netz der Mittelhessischen Versorgungsbetriebe gebaut worden sei. Man müsse auch Themen wie Flächenverbrauch und Bodenverdichtung einbeziehen, regte er an.

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak (CDU) erinnerte daran, dass in den vergangenen beiden Jahren ein Verbot der Entnahme von Wasser aus Bächen nötig war. Er sieht das Land in der Pflicht, zu Baumaßnahmen beizutragen, weil die Wasserlieferung über den Kreis hinausgeht. Das unterstrich Landrat Görig (SPD), denn es gehe um die hessische Wasserversorgung, nicht um ein Kreisproblem.

Die OVAG versorgt den Großteil der Wetterau mit Wasser. Allerdings steht weniger zur Verfügung, weil die Niederschläge im Winter weniger ergiebig sind. Görig ist davon überzeugt, Kommunen wie Frankfurt müssten die Kosten tragen, die im Vogelsberg entstehen, um Wasser in den Ballungsraum zu liefern.

Holger Doktorowski (AfD) forderte, die Wasserlieferungsverträge zu veröffentlichen. Es gehe auch um die Belastungen für die Menschen. So seien die Preise im Vogelsberg hoch, »es kann nicht sein, dass Wasser in Frankfurt billiger ist als im Vogelsberg«. Man müsse Wasser sparen und das Rhein-Main-Gebiet zur Kasse bitten.

Michael Riese (Linke) erinnerte daran, dass eigentlich im »Leitbild-Prozess« Verbesserungen für den Vogelsberg erwartet worden seien. Dabei hätten Vertreter von Verbänden aus dem Vogelsbergkreis und dem Rhein-Main-Gebiet über bessere Wasser-Beziehungen debattiert. Die Kreisspitze müsse zügig auf das Land zugehen, damit der Leitbildprozess Früchte trage.

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