Wie in vielen anderen Seniorenheimen bietet auch das Homberger Seniorenzentrum Goldborn mehrere Besuchstermine in der Woche an. FOTO: JOL
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Wie in vielen anderen Seniorenheimen bietet auch das Homberger Seniorenzentrum Goldborn mehrere Besuchstermine in der Woche an. FOTO: JOL

Strikte Regeln sollen schützen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Besonders für Senioren sind Coronaviren lebens- gefährlich. Das bedeutet einen Spagat für die Mitarbeiter von Seniorenheimen. Denn soziale Kontakte sind wichtig für die Bewohner. Gleichzeitig muss ein strenges Reglement dafür sorgen, dass keine Erreger eingeschleppt werden. Damit waren die Einrichtungen in Homberg, Kirtorf, Mücke und Ulrichstein bislang erfolgreich.

Über diesen Brief hat sich Gabriele Neumann gefreut. Darin bedankt sich eine Besucherin für das Engagement der Mitarbeiterinnen im Kursana-Domizil Mücke und vor allem dafür, wie die Besuchszeiten geregelt werden. "Die Angehörigen wollen nicht, dass ihre Leute wegen so einem Quatsch sterben", sagt die Direktorin des Seniorenheims. Der "Quatsch" ist eine Infektion mit Coronaviren, gerade für alte Menschen wäre sie schnell lebensbedrohlich.

Es kann jederzeit passieren. So gab es dieser Tage eine Infektionswelle in einem Alsfelder Seniorenheim, ein Bewohner verstarb. Eine Umfrage bei Pflegeeinrichtungen in Homberg, Kirtorf, Mücke und Ulrichstein zeigt, was getan wird, damit Angehörige ihre Senioren besuchen können, ohne das Virus in das Haus einzuschleppen. Beispielsweise sind die Besuchszeiten streng geregelt, und es herrschen strikte Vorgaben. Das soll auch die Bewohner mit Demenzerkrankungen schützen, denen man nicht die aktuellen Hygieneregeln erläutern kann.

Besucher und Mitarbeiterinnen stellen das größte Infektionsrisiko für die Heimbewohner dar. Sie können sich außerhalb unwissentlich angesteckt haben und verbreiten das Virus im Heim, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen. Die Hygienekonzepte funktionieren, in keiner der Einrichtungen gab es bisher Infektionen der Bewohner.

Drei Besuche in einer Woche

Durchweg sind Anmeldungen nötig, dabei werden die Regeln erläutert. So ist im Domizil in Mücke der Mundschutz Pflicht, wie Direktorin Neumann sagt. Zudem trifft man sich im Besucherzimmer, in dem ein Abstand von eineinhalb Metern gut eingehalten werden kann. Jeder Bewohner kann dreimal pro Woche für eine Stunde besucht werden. Danach wird der Raum gelüftet und desinfiziert. Erst dann dürfen die nächsten Angehörigen hinein.

Dabei achtet man darauf, was zumutbar ist. Die Bewohner tragen im Haus keinen Mundschutz, sagt Neumann, die Mitarbeiterinnen sind durchgehend mit Maske unterwegs. Die Beschäftigten sind "sensibilisiert, dass sie die Hygienevorschriften einhalten". Auch im Privatleben würden sie darauf achten, kein Infektionsrisiko einzugehen.

Im Unterschied zur ersten Pandemiewelle im Frühjahr sind die Angehörigen sehr verständnisvoll. Nur mit ganz wenigen "muss man auch mal diskutieren". Die Einsicht sei sehr hoch, seitdem die Inzidenzzahlen wieder deutlich gestiegen sind.

Auch im Homberger Seniorenzentrum Goldborn dürfen Bewohner drei Besuche pro Woche empfangen. Die Gäste müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie sich vorher nicht in einem Risikogebiet aufgehalten haben und dass sie symptomfrei sind, erläutert Doreen Buchegger. Bei den Gästen messe man Fieber, sie desinfizieren die Hände und müssen einen Mundschutz tragen. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, sind die Treffen in einem größeren Raum. Viele sind froh, dass es nun möglich ist, sich wenigstens dreimal wöchentlich zu treffen. Im Frühjahr war nur ein Besuch pro Woche erlaubt.

Im Kirtorfer Haus am Gleenbach ist das Café zur Besucherschleuse umfunktioniert worden. Die angemeldeten Besucher können die Formalitäten im Café erledigen, bevor sie eine Mitarbeiterin in das Zimmer des Angehörigen begleitet. Das bindet viel Arbeitskraft, ist aber notwendig, sagt Leiterin Carola Braika. Sie braucht zu Besuchzeiten zwei Mitarbeiterinnen nur für die Betreuung der Angehörigen-

Soziale Kontakte

"Es ist uns ganz wichtig, dass die sozialen Kontakte bleiben", sagt Braika. Früher schauten auch mal Nachbarn vom Dorf ins Haus am Gleenbach hinein, aber "seit Corona geht das nicht mehr". Damit keiner allein bleibt, wurden zwei bettlägerige Bewohner ins Erdgeschoss verlegt, dort kann man leichter die Türen für Besuch öffnen. Viele Bewohner haben die Umgebung für sich entdeckt, "sie haben so viel frische Luft genossen wie schon lange nicht mehr", freut sich Braika.

Die Senioren in der Best Care Residenz Ulrichstein können auf Grundlage des hauseigenen Hygienekonzepts Besuch bekommen. Das Konzept ist mit der Heimaufsicht, dem Gesundheitsamt und dem Heimbeirat abgestimmt, betont Residenzleiter Christoph Speda. Aktuell sind drei Besuche wöchentlich möglich, dabei müssen die AHA-Regeln eingehalten werden, also Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmaske tragen. Dazu kommt das Lüften der Besucherräume, die extra eingerichtet wurden.

Das Konzept des Hauses sieht vor, dass die Bewohner "ihren privaten Bereich haben", berichtet Speda. Die Gäste können also auch in die Zimmer kommen. Aus hygienischen Gründen hält er die Nutzung der Besucherräume aber für besser.

In jedem Fall entsteht im Haus ein hoher Aufwand rund um die Kontakte von außerhalb. "Das heißt für uns putzen, putzen. putzen", sagt Speda. Die weitaus meisten Angehörigen haben viel Verständnis für die Einschränkungen. "Wir haben es aber auch erlebt, dass Anfeindungen kamen."

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