Mit Pickups sind die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Mundt im Dannenröder Wald unterwegs. FOTO: PM
+
Mit Pickups sind die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Mundt im Dannenröder Wald unterwegs. FOTO: PM

Streit um Sicherheitsdienst

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Der Bau der A 49 spaltet die Region in Befürworter und Gegner. Neue Spannungen sind bei den anstehenden Räumungen zu erwarten. Vorboten sind Männer einer Sicherheitsfirma, die im Wald patrouillieren. Waldbesitzer sind dankbar, Kritiker sehen eine Provokation.

Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die seit Kurzem durch den Dannenröder Wald patrouillieren, haben sich nicht nur Freunde gemacht. "Es ist eine Schande für den Staat, solche Brocken in den Wald zu schicken und uns zu bedrohen, wenn wir die Hunde ausführen", sagt eine Frau aus einem Nachbardorf. Kinder trauten sich nicht mehr in das grüne Idyll, "die alten Leute haben Angst".

Auch andere Naturschützer fühlen sich durch die Männer in ihren weißen Pick-ups eingeschüchtert. So ist die Rede davon, dass "Fahrradfahrer von Wegen gedrängt werden" und von martialischem Auftreten. Eine Frau aus einem Nachbardorf fühlt sich bedroht, "wenn die mit Tempo 50 durch den Wald brettern". Sie würden "gezielt Leute auf Fahrrädern im Wald verfolgen". Man gehe in den Wald, um sich zu entspannen, und treffe dann auf die aggressiv auftretenden Männer in schweren Geländewagen. Frauen, die Bewegung in der Natur gesucht haben, meiden jetzt den Besuch im Wald. Die Sicherheitsleute verbreiteten ein "Klima der Gewalt". Andere Spaziergänger wollten das nicht bestätigen, sie sehen sich aber beobachtet.

Das ist nur eine Seite der Medaille, die Forstverwaltung des Waldes kann nun wieder Arbeiten durchführen, wie Dr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg von der Eigentümerfamilie sagt. Deshalb sieht er die Sicherheitsleute positiv, um Holzdiebstahl und dem Bau von Barrikaden auf Wegen zu begegnen. Er betont, dass die Schenck’schen Förster die Waldflächen seit sehr langer Zeit betreuen.

Der Sicherheitsdienst "wurde von der DEGES beauftragt und wir als das bewirtschaftende Forstamt haben dies unterstützt". Denn für die Bewirtschaftung müsse man jederzeit die Wirtschaftswege nutzen können, was derzeit nicht gehe. Seit fast einem Jahr gebe es keine Jagden mehr im Waldbereich, dies führe zu erheblichen Schäden an heranwachsenden Bäumen. In den letzten Wochen zeige sich, dass seitens der Demonstranten "eine Absprachefähigkeit nicht mehr gegeben ist". Regeln würden nicht akzeptiert, die Forstwirtschaft sei zum Erliegen gekommen. Das bedeute für die Miteigentümer wirtschaftlichen Schaden.

Die Arbeit des Sicherheitsdienstes zeige erste Früchte, "tagsüber können wieder erste Forstarbeiten in Teilen verrichtet werden". Allerdings werde weiter Holz entwendet, Barrikaden und Fallgruben würden auf Wegen angelegt.

Die Bevölkerung der Umgebung mache "einen großen Bogen um das Waldareal". Offensichtlich werde "dieser rechtsfreie Raum von der Bevölkerungsmehrheit nicht akzeptiert", so Schenck zu Schweinsberg. Zudem sei ein FernsehTeam des HR bedroht worden. "Das Bauen von Baumhäusern, das Zerstören von Hochsitzen, das Verschmutzen des Waldes, Stören der Natur und das Bewohnen einer Waldfläche ist schlichtweg illegal."

Gegen den Einsatz der Sicherheitsfirma aus Nordrhein-Westfalen richten sich Pro- teste der Naturschützer. "Sie wollen zeigen, wer hier das Sagen hat", sagt Karl-Heinz Zobich. Alfred Schleich kritisiert, dass er im Auto von den Männern in den Pick-ups verfolgt wurde. Dieses Auftreten wertet er als einschüchternd. Mit der Polizei sei man hingegen im Gespräch. Die Aktivisten im Wald hätten sich bislang "einwandfrei verhalten".

Zobich berichtete, dass an einem Samstag viele Besucher an der Mahnwache waren. Dabei standen viele Autos am Weg, der zum Sportplatz führt. Die Security-Mitarbeiter hätten vor der Engstelle mit laufenden Motoren gehalten. Als ein Besucher wegfahren wollte, hätten sie den Weg versperrt. Später sei die Polizei gekommen und habe mit beiden Seiten gesprochen.

Auf dem gut 20-minütigen Fußmarsch zur sogenannten Waldbühne der Baumbesetzer sind die weißen Pick-ups nicht zu sehen. Barrikaden auf den Wegen sind auch nicht zu sehen. "Momo" von den Aktivisten und vier Besucher des Waldcamps sind bereit zu Gesprächen, bitten aber um Anonymität. "Momo" hält das Engagement der Security für ein Zeichen "der Eskalation durch die DEGES und die Forstverwaltung". Mitarbeiter der Firma seien auch als Werkschutz des Energiekonzerns RWE bei der Auseinandersetzung im Hambacher Forst eingesetzt worden. Die Sicherheitsleute seien durch Sprühen mit Pfefferspray, Prügelattacken und das Zerschneiden von Sicherheitsleinen aufgefallen. "Sie sollen eine Provokation im Vorfeld einer Räumung sein." Die Gesprächspartner kritisierten, "dass die Sicherheitsmänner angerauchte Zigaretten in den Wald werfen". Eine Nachfrage bei der Polizeidirektion Mittelhessen ergab, dass im Umfeld der Waldbesetzung vier Strafanzeigen wegen Diebstahl erstattet wurden. Neben einer beweglichen Metallkanzel wurden Bretter und Podestgitter von Holzkanzeln gestohlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare