Rund 140 Anwohner demonstrieren in der Innenstadt gegen die A 49. FOTO: JOL
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Rund 140 Anwohner demonstrieren in der Innenstadt gegen die A 49. FOTO: JOL

Auf den Straßen gegen die A 49

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Homberg(jol). Gut 140 "Anwohner gegen die A 49" haben am Freitag die Innenstadt von Homberg bewegt. Mit Fahnen, Transparenten und Sprechchören zogen sie vom Bahnhof über den Verkehrskreisel durch die Altstadt, um lautstark gegen den Bau der Autobahn in ihrer Nachbarschaft zu protestieren.

Dabei riefen sie dazu auf, am Sonntag an einer Menschenkette um den Dannenröder Wald teilzunehmen. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Sportplatz des Homberger Stadtteils, "um den Wald gewissermaßen zu umarmen", wie eine Rednerin ankündigte.

Begleitet durch zwei Dutzend hessische Polizeibeamte zog ein bunter Zug durch die Ohmstadt. Vom Kleinkind im Buggy, der das Schild "Meine Zukunft stirbt" trägt, bis zum Senior, der die grüne Fahne des Protests schwenkt, war eine große Bandbreite an Menschen gekommen. Alle waren mit Gesichtsschutz und Abstand unterwegs. Die Polizisten trugen die Helme am Gürtel. In Sprechchören forderten die Demonstranten immer wieder "Danni bleibt" und "Verkehrswende jetzt". Auf Transparenten wurde Stopp der Rodungen gefordert,

Am Kreisel sprach eine Vogelsbergerin über den Widerstand von Indigenen in Bolivien und am Amazonas. Auch dort stellen sich Menschen dem Abholzen von Wäldern entgegen und riskieren Prügel durch die Polizei. Eine andere Rednerin wandte sich gegen "zu viel Lärm und Dreck" durch die neue Autobahn. Was Verkehrsminister Andreas Scheuer und Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir betreiben, "ist eine Form von Krieg gegen die Natur und uns". Wenn die Autobahn kommt, würden sich 100 000 Fahrzeuge pro Woche durch Homberg bewegen. Das werde lebensgefährlich für Fußgänger. Bürgermeisterin Claudia Blum teilte mit, sie sei nicht zur Demo eingeladen worden.

Gerichtshof gegen Versammlungsverbot

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat nach Angaben der Projektwerkstatt Saasen mit einem Beschluss (2 B 2546/20) vom Donnerstag erstmals Versammlungen mit direkter Begegnung zwischen Baumfällmaschinen und A 49-Protest für zulässig erklärt.

Die entsprechenden Verbote seitens der Versammlungsbehörde und deren Bestätigung durch das Verwaltungsgericht Gießen haben damit keinen Bestand mehr. Laut VGH muss es im Rahmen der Verhältnismäßigkeit den Gegner des Autobahnbaus einmal wöchentlich möglich sein, vor den Rodungsarbeiten ihren Protest direkt an den Rodungsmaschinen in Form einer Menschenkette kundzutun.

Durch eine zeitliche Verzögerung bei der Klageeinreichung gilt dieser Beschluss zurzeit aber noch nicht für den aktuell von Rodungsmaßnahmen betroffenen Herrenwald.

Zudem laufen Klagen zu einer weiteren angemeldeten Versammlung "Abschied nehmen vom Bäumen, die Leben stiften und nun dem toten Beton weichen müssen". Diese soll Anwohnern und weiteren Interessierten jeweils vor Beginn der Fällungen den Zugang zu den Bäumen und Orten ermöglichen, die am jeweiligen Tag von den Fällungen betroffen sein werden. Die Maschinen sollen in dieser Zeit schweigen, um eine würdige Erinnerung an Erlebnisse und Ausdrucksformen von Trauer zu ermöglichen. Die Versammlungsbehörde hatte diese Art der Versammlung zunächst verboten und argumentiert, ein Abschiednehmen sei auch aus Entfernung möglich.

Aktivisten aus Bäumen geholt

Unterdessen sind die Rodungsarbeiten und Proteste dagegen weitergegangen.Wie die Polizei berichtete, wurde am Donnerstag im Herrenwald südöstlich von Stadtallendorf gerodet. In den Morgenstunden wurden etwa 50 Ausbaugegner in Bäumen angetroffen. Nur wenige seien der Aufforderung, herunterzukommen, gefolgt, sodass speziell ausgebildete Höhenrettungsteams die Aktivisten aus den Bäumen holten. Vereinzelt sei es zu heftigem Widerstand gekommen. Darüber hinaus wurden zwei Polizeidienstfahrzeuge durch "Krähenfüßen" beschädigt. Eine Forstarbeitsmaschine wurde durch fünf Personen während der Fahrt erklettert.

Darüber trafen sich bei Lehrbach etwa 80 Personen, welche im Anschluss über die gesperrte B 62 nach Niederklein zogen. Die Versammlung verlief laut Polizei ohne besondere Vorkommnisse.

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