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ACE-Mitglieder stellen bei einer Aktion fest, dass über die Hälfte der Lkw-Fahrer auf der A 5 bei Alsfeld zu dicht auffährt.

Stoßstange an Stoßstange

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Stress auf der Autobahn kann gefährlich werden. Darauf weist der Auto Club Europa nach einer Zählaktion an der Autobahn A 5 bei Alsfeld hin. Mehr als die Hälfte der Brummi-Fahrer halten demnach nicht den Mindestabstand ein. Die Folge können tödliche Unfälle am Ende eines plötzlichen Staus sein.

Was viele Autofahrer bereits oft genug beobachten, untermauert nun eine Zählung des Auto Clubs Europa (ACE). Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer auf der A 5 fährt danach zu dicht auf den Vordermann auf. Das ist »ein erschreckendes Ergebnis,« so Gerd Wegel, Vorsitzender des ACE-Kreisverbands Mittelhessen, nach der Kontrollaktion an der Abfahrt bei Alsfeld- West.

Auf der Brücke über der Autobahn zählten ehrenamtliche Helfer des ACE die Lkw, Wohnmobile und Kleintransporter. Dabei achteten sie besonders darauf, ob der erforderliche Sicherheitsabstand eingehalten wird. Sie bemerkten aber auch andere Auffälligkeiten, so einen Lkw-Fahrer, »der ungeniert mit dem Handy am Steuer herumhantierte«, wie Wegel berichtet.

»Zeitdruck ist groß«

Die Gefahr durch zu dicht auffahrende Lkw-Fahrer besteht vor allem bei einem unverhofft auftretenden Stau. »2019 gab es 488 Lkw-Unfälle an Stauenden, davon 410 mit Lkw-Beteiligung mit Leicht- und Schwerverletzten. 44 Unfälle nur mit Lkw forderten 45 Todesopfer und in 34 Fällen stand ein Pkw am Stauende, bei dem acht Pkw-Insassen ums Leben gekommen sind. Das ist eine traurige Bilanz.« Die Zahlen 2020 sind durch Corona zurückgegangen, doch mit der Normalisierung des Verkehrs in diesem Jahr bestehe eine höhere Gefahr von Unfällen am Stauende.

Mit einer ersten Stichprobe soll für das Thema sensibilisiert werden, auch mit Blick auf den Lieferdruck, der in der Transportbranche besteht. Insgesamt zählten die ACE-Aktiven in einer Stunde knapp 490 Lkw, Kleintransporter und Wohnmobile. Die Auszählung führte zu einem ernüchternden Ergebnis, denn 248 Lkw-Fahrer hielten den Mindestabstand nicht ein. Das sind mehr als 50 Prozent.

Dabei sollen nicht die Brummi-Fahrer an den Pranger gestellt werden. »Uns ist bewusst, dass Lkw-Fahrer immer die Uhr im Rücken haben und um jede Minute kämpfen. Der Zeitdruck ist zu groß und die Autobahnen dazu sehr voll«, sagt Wegel. ACE-Regionalbeauftragter Jens Womelsdorf betont: »Der Verkehr wird nur sicherer, wenn die Arbeitsbedingungen besser werden. Dazu muss dafür gesorgt werden, dass ein Teil der Güter auf die Schiene kommt.«

Nachdenklich stimmte die Beobachter auch das Verhalten von Fahrern mit Reisebussen, Kleintransportern und Wohnmobilen. Von zwölf Busfahrern fuhren zehn zu dicht auf und 70 von 110 Kleintransportern klebten schon fast an der Stoßstange des Vordermanns. Bei den Wohnmobilen stellten die Verkehrszählenden ebenso viel zu oft ein zu dichtes Auffahren fest.

Wegel regt ein Tempolimit für Kleintransporter an, denn: »Die sind mit dem Sprinter oft mit 170 Sachen unterwegs, die sollte man auf Tempo 120 drosseln«. Bei Busfahrern weist er auf deren besondere Verantwortung hin. Immerhin sind sie mit vielen Menschen unterwegs. »Ein Sicherheitsabstand bringt für alle etwas, gerade in Kurven.«

Allerdings sind die Erfahrungen der ACE-Aktiven je nach kontrollierter Schnellstraße unterschiedlich. So haben sie bereits Zählaktionen an Autobahnen bei Kassel, Gießen und Frankfurt durchgeführt. Dabei lag die Drängler-Quote »eher bei 30 bis 40 Prozent«, sagt Wegel. Auf der dicht befahrenen A 5 bestehe vielleicht auch wegen der Steigungen eine höhere Drängelgefahr. Fazit der Aktion für den ACE: »Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmerinnen und Teilnehmer, Abstände einzuhalten und angepasst zu fahren.« Dann kommen alle gesund und entspannter an.

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