Im Hof des Gebäudekomplexes Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus steht in der Mitte die 100-jährige Linde. FOTO: RS
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Im Hof des Gebäudekomplexes Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus steht in der Mitte die 100-jährige Linde. FOTO: RS

"Störendes wird plattgemacht"

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Es geht "nur" um einen Baum. Um eine 100-jährige Linde im Hof von Feuerwehrgerätehaus und Dorfgemeinschaftshaus in Ober-Ohmen. Aber an dem Plan, sie zu fällen, hat sich eine beispielhafte Diskussion über das Für und Wider entzündet. Naturschützer sehen das Vorhaben gar als ein Beispiel, wie sich das Verhältnis des Menschen zur Natur gewandelt hat.

Wenn der Vertreter der Unfallkasse Hessen gewusst hätte, was er da auslöst. Dabei hatte er nur das Wohl der Feuerwehrleute im Blick. Sein Eindruck: Der Baum behindert das Ein- und Ausfahren mit dem Einsatzfahrzeug, der von den Baumwurzeln hochgedrückte Teer und die dadurch versetzten Randsteine werden zur Stolperfalle. Der Baum stört.

Dass der Baum "stört", greift Karl Heinz Zobich vom NABU Homberg auf. "Diese inzwischen weit um sich greifende Mentalität der Menschen, leider auch bei uns im ländlichen Raum, macht alles Störende platt. Das ist mit ein Grund für den gravierenden Artenrückgang. So schlimm war es um unsere Erde noch nie bestellt. Selbst beim Dino-sterben ging dies damals über einen hundertfach langsameren Zeitraum. Wir machen unsere Lebensgrundlage in immer schnellerem Tempo selbst kaputt", schreibt er an NABU-Gliederungen, Bürgermeister Andreas Sommer und die Alsfelder Allgemeine Zeitung. Und die Bedeutung von Linden für die Natur habe sein NABU-Kollege Olaf Kühnapfel ja hinreichend dargelegt. Dabei habe die Aufzählung noch nicht alles enthalten, was an positiven Auswirkungen der Linde anzuführen sei.

"Ich traue mir das rückwärts Einfahren der Feuerwehrfahrzeuge ohne Probleme zu. Ich gehe davon aus, dass es bei der örtlichen Feuerwehr ebenfalls ausreichend kompetente Fahrer gibt", geht Zobich weiter auf die Problematik ein. Wenn auch ein Baum grundsätzlich nicht in eine Feuerwehrausfahrt gehöre, müsse man bekennen, ob ein Baum nicht bleiben dürfe, der schon viel länger dort stehe, als es die Feuerwehrausfahrt gebe. Der Homberger Naturschützer greift im Zusammenhang mit dem "Problembaum" Linde auch die Hinweise von Bürgermeister Sommer auf, wonach die Gemeinde Mücke Teile ihres Waldes aus der Bewirtschaftung nehme. Das sei vom Grundsatz zu begrüßen. Die Gemeinde bekomme aber dafür im Rahmen eines Ökokontos oder als Anerkennung als Ausgleichsmaßnahme immerhin viel Geld.

Renaturieren von Bächen gelobt

Naturschützer Zobich sieht bei allem Anlass zu kritischen Bemerkungen auch die Notwendigkeit, positive Vorhaben der Gemeinde Mücke im Naturschutz lobend herauszustellen. So sei zum Beispiel bei der Renaturierung von Bächen Positives geleistet worden, was auch von den Naturschützern ausdrücklich gelobt wurde. Die Gemeinde gestaltet beispielsweise derzeit den kanalisierten Seenbach in Merlau mit Landesmitteln um.

Während NABU-Vertreter Zobich die Dinge naturgemäß aus dem naturschützerischen Blickwinkel betrachtet, hat Bürgermeister Sommer mehrere Möglichkeiten der Bewertung nebeneinander abzuwägen. So äußert Sommer, "ich habe mehrere Interessentengruppen zu vertreten, in diesem Fall ging das Urteil der Unfallkasse Hessen im Rahmen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch den Begang unserer Feuerwehrstützpunkte vor. Der Bürgermeister zeigt sich auch enttäuscht, dass eine Entscheidung gegen einen Einzelbaum so hoch bewertet werde. Dagegen würden die Möglichkeiten, die sich für den Artenschutz durch die Ausgleichsmaßnahmen mit alten Baumbeständen ergäben, unterbewertet.

"Ich habe sowohl im Gespräch mit Olaf Kühnapfel vom NABU als auch mit den örtlichen Grünen deren Meinung ( über die Linde, d.R.)akzeptiert und abgewogen. Dies geschah meines Erachtens in einem guten, sachlichen Gespräch", teilt Sommer mit, und er werde sich weiterhin für den Arten-/Biotop- und Naturschutz in Mücke erfolgreich einsetzen und das nicht von einer Beurteilung der Fällung eines Einzelbaumes abhängig machen. Die Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe des NABU sei gut und vertrauensvoll, und das werde auch so bleiben.

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