Rundgang im Stadtwald mit Revierförster Tobias Behlen. FOTO: PM
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Rundgang im Stadtwald mit Revierförster Tobias Behlen. FOTO: PM

Stadtwald befindet sich im Umbruch

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Alsfeld(pm). Der Alsfelder Stadtwald steht vor sehr großen Herausforderungen. Das war der Tenor bei der Begehung am Homberg mit Revierförster Tobias Behlen und Bürgermeister Stephan Paule, zu dem der Stadtverband der CDU eingeladen hatte und an dem über 20 Bürger teilnahmen. Behlen berichtete zunächst von den Folgen von anhaltender Trockenheit und Schädlingsbefall für den Wald.

Neben der Häufigkeit extremer Wetterereignisse (Sturm, Trockenheit) spielten alte und neue Schädlingsarten (Borkenkäfer, Eichenprozessionsspinner, Pilze, Wurzel-Degeneration durch erhöhten Stickstoff-Eintrag, vermehrte Fruchtbildung) eine Rolle für die sich ändernde Struktur des Waldes. Zunehmend größerer Lichteinfall wegen der durch Absterben geringeren Baumzahlen führe zur Zunahme massiver Konkurrenzvegetation. Dies erschwert künftig die Naturverjüngung der Baumarten. Fichten und Buchen seien am stärksten geschädigt.

Gegenüber den finanziellen Einbußen für die Stadt aufgrund geringerer Erlöse im Holzverkauf (zurzeit Überangebot, später kaum Holzernte und geringere Qualität) seien stärkere Investitionen in die Pflanzung erforderlich, um den Wandel zu gestalten, so Behlen. Die Frage, ob es Sinn ergibt neue, bisher nicht heimische Baumarten anzupflanzen, könne noch nicht wissenschaftlich fundiert beantwortet werden, erklärte der Revierförster.

Keine Chance mehr für Fichten

"Jetzt Bäume, die in anderen Ländern gut gedeihen, hier anzusiedeln, kann gut gehen oder nicht. Es gibt noch keine verlässliche Untersuchung, wie sich solche Arten unserem Wald anpassen und welche weiteren Auswirkungen sie auf das vorhandene Ökosystem hätten." Die Fichte sei im Stadtwald nicht mehr zukunftsfähig, so der Förster. Aber auch die Buche werde möglicherweise so sehr an Vitalität einbüßen, dass ihr Anteil im Wald zurückgehe. Auch die Holzindustrie als Kunde müsse sich langfristig auf die Veränderung des Baumartenangebotes einstellen. Neben höheren Investitionen in die Baumerneuerung wurde auch die ganzheitliche Frage "Entwickeln des Waldbesitzes weg vom reinen Wirtschaftswald hin zu Erholungswald mit wirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Ausrichtung" diskutiert.

Dabei ging es um die Ausschöpfung künftiger Nutzungspotenziale beim Holz, die Windenergienutzung mit Reinvestition der generierten Einnahmen in den Wald, die Generierung von Ökopunkten und die Naherholung.

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