Hacker

Der Spott rund um den Datenklau

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Ausgerechnet vom Vogelsberg aus hält ein junger Hacker tagelang ganz Deutschland in Atem. Trotz des schlechten Internets. Das beflügelt die Fantasie der Spötter.

Am Tag danach ist wieder relative Ruhe in Homberg eingekehrt. Der Medienrummel vom Dienstag ist wie ein kurzer Spuk verflogen. Noch immer dürften sich aber viele verwundert die Augen reiben, dass der Hacker, den ein ganzes Heer von BKA-Spezialisten gejagt hat, aus ihrer Mitte stammt. Bis dahin war wild spekuliert worden, ob vielleicht ein ausländischer Geheimdienst hinter dem Datenklau steckt.

Aber weniger die Tat des jungen Mannes, der als stiller Einzelgänger beschrieben wird, heizt die Spekulationen an. Vielmehr überwiegt die Verwunderung darüber, dass der Stützpunkt des Datensammlers ein Vogelsberger Jugendzimmer war. Gilt die Gegend doch als eine, wo die Menschen mit dem "Schnecken-Internet" kämpfen. Diese Zeitung hat on etliche Male darüber berichtet. Als die Herkunft des Hackers die Runde machte, traten die ersten Witzbolde rasch auf den Plan.

Geschmunzelt haben dürften viele etwa über dieses Bild eines anonymen Scherzkekses: Frauen und Männer in altertümlicher Kleidung, die tief über ihre Hacken gebeugt auf einem Acker arbeiten. Bildtext: "Oberhessen war schon eine Hacker-Hochburg, bevor es überhaupt Computer gab." Oder die moderne Variante davon: Sie zeigt einen jungen Mann mit tief übers Gesicht gezogener Kapuze, überschrieben ist das Motiv mit "Vogelsberg – wo man Bundestagsabgeordnete auch ohne schnelles Internet hacken kann..."

Sympathisanten in Sozialen Netzwerken

In der Diskussion in den sozialen Netzwerken äußern nicht wenige durchaus Sympathien mit dem 20-Jährigen: "In meinen Augen sollte er keine Strafe bekommen, sondern einen Job, um zu zeigen, wie er das geschafft hat und um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert," schreibt eine Nutzerin. Die Anregung, dem 20-Jährigen eine Stelle anzubieten, hatte schon die zuständige BKA-Abteilungsleiterin Sabine Vogt in der Pressekonferenz entgegen genommen. Die Regierung habe richtig "Mist gebaut in Sachen Internetsicherheit", heißt es einem Forumseintrag in den sozialen Medien. Hoffentlich bekomme der junge Mann nicht so viel Ärger, hofft jemand.

Was er getan hat, ist eine Straftat, geben einige zu bedenken. Das habe mit einem Dumme-Jungen-Streich nichts mehr zu tun, pflichten andere bei. Aber er habe auch Sicherheitslücken aufgedeckt, "die hochdotierte Spezialisten wohl übersehen haben". Man solle ihn daher nicht so hart bestrafen und lieber seine Kenntnisse nutzen. Die "Ironie des Schicksals" sieht ein Homberger, nun sei es wohl vorbei mit der Hoffnung auf schnelles Internet in naher Zukunft. Am Ende streiche die Regierung wahrscheinlich die Fördergelder, weil prominente Politiker ebenfalls betroffen waren.

Angebote aus der IT-Branche?

Und nicht wenige meinen, dass es doch "wirklich Schlimmeres gibt." Weitere Äußerungen zielen darauf ab, der junge Mann habe den "Richtigen" mal eins ausgewischt und das kleine Städtchen Homberg nebenbei in Deutschland bekannt gemacht.

Und: "Wenn du das liest, melde dich. Du könntest in meiner Firma 200 IT-Mitarbeiter und Berater ersetzen. Eine Idee, um den Tourismus anzukurbeln, gibt es auch: "Vielleicht könnte die Verwaltung mit dem medialen Rummel und den Besuchermassen, die bald nach Homberg pilgern, irgendwie Geld einnehmen, um die Hundesteuer wieder zu senken." So bewegt einige die Hoffnung, dass sich "im sonst eher ausgestorbenen Städtchen vielleicht mal etwas ändert."

Bei allem bleibt auch ein gewisses Mitgefühl für das, was die Familie des 20-Jährigen jetzt durchmacht, der reuemütig gestanden hat: "Welch eine Odyssee für die Angehörigen!"

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