Während Vertreter der Hessen-SPD in Kirtorf auf den Weiterbau der A 49 drängen, räumen städtische Mitarbeiter Barrikadenmaterial im Herrenwald bei Stadtallendorf weg. Dort ist erneut ein Camp von Waldbesetzern geräumt worden. FOTO: DPA
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Während Vertreter der Hessen-SPD in Kirtorf auf den Weiterbau der A 49 drängen, räumen städtische Mitarbeiter Barrikadenmaterial im Herrenwald bei Stadtallendorf weg. Dort ist erneut ein Camp von Waldbesetzern geräumt worden. FOTO: DPA

SPD-Mann: A49-Protest unerträglich

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Hessens SPD bekennt sich zum Weiterbau der Autobahn 49. Menschen in Nordhessen seien über die Protestaktionen rund um den Dannenröder Wald entsetzt, so Vertreter der Landtagsfraktion gestern bei einem Besuch im Vogelsbergkreis.

Während ein paar Kilometer weiter bei Stadtallendorf viele Polizisten wieder Camps von Waldbesetzern räumten, luden Vertreter der SPD am Mittwoch nach Kirtorf in die Gleentalhalle ein. Die Sozialdemokraten wollten deutlich machen, "dass wir für diese Autobahn sind, weil sie viele Menschen von Lärm und Dreck entlasten wird", so die Vorsitzende der Landtagsfraktion, Nancy Faeser. Sie verwies darauf, dass Anwohner in Nordhessen schon lange auf Entlastung warteten. Es spiele aber nicht nur die Verkehrsentlastung eine große Rolle, sondern auch eine bessere Anbindung dieser Region an den überregionalen Verkehr.

Faeser sieht bei den laufenden Protesten auch ein Kommunikationsproblem: "Zu hoffen, wir fangen mal mit den Bauarbeiten an und dann wird es schon, war falsch." Es hätte aus ihrer Sicht im Vorfeld offener kommuniziert werden müssen. Wie ihre Kollegen sparte sie nicht mit Seitenhieben auf die Grünen, die seien "scheinheilig." 2008 habe die Öko-Partei noch in die Regierung mit der SPD gewollt, obwohl die Autobahn im Koalitionsvertrag stand. Jetzt etwas zu versprechen, was man angesichts der angelaufenen Bauarbeiten nicht halten könne, sei heuchlerisch. Faeser dankte der Polizei, auf deren Rücken der Konflikt jetzt ausgetragen werde. "Gewaltsame Proteste und Sachbeschädigungen gehen gar nicht", äußerte sie.

Günter Rudolph (Schwalm-Eder-Kreis) sagte, seit Jahrzehnten kämpfe die Gegend um Borken oder Jesberg für den Weiterbau: "Den Menschen die Hoffnung durch ein Moratorium (Weiterbau-Stopp) zu nehmen, wäre unverantwortlich." Es gebe eine "übergroße Mehrheit" für den Weiterbau der Autobahn. Umgehungsstraßen würden die Probleme nicht lösen, betonten Rudolph und Schwalm-Eder-Landrat Winfried Becker. Vor den Demos gegen die Autobahn sei viel Hoffnung bei lärmgeplagten Anwohnern gekeimt, wenn jetzt nicht weitergebaut werde, sei das "ein Schildbürgerstreich".

Der Ansicht, etwas zu ändern, wenn man nur laut genug demonstriere, erteilte in der Folge Tobias Eckert, ebenfalls im Landtag, eine Absage. Klaus Weber (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sprach vom wirtschaftlichen Aufwind durch die Autobahn. "Wir sind aber froh, dass wir nur im Bereich Herrenwald betroffen sind", räumte er ein.

Der Vogelsberger Landrat Manfred Görig (SPD) lobte ebenfalls die Polizei: "Sie macht einen richtig guten Job." Was aufseiten der Autobahngegner vielfach laufe, das gehe nicht. Görig sprach von einer "Riesenliste an Straftaten". Hier müssten sich die Unterstützer prüfen, "wenn sie morgens zum Frühstück in den Wald gehen und sich abends von gewaltsamen Protestaktionen distanzieren".

Dass Bürger von Appenrod, Dannenrod und Maulbach nicht begeistert vom Bau sind, das sei zu verstehen, so Görig, aber das müsse man hinnehmen. Als Behörde werde der Landkreis Anordnungen für den Weiterbau weiter durchsetzen, kündigte er an. Der Kirtorfer Bürgermeister Andreas Fey (SPD) meinte, Gegner und Befürworter des Projektes hätten gute Gründe, dennoch sei man von den momentanen Protestaktionen sehr betroffen. Zudem könne man den Eindruck gewinnen, dass die Proteste von Extremisten gekapert werden. Das sorge vor Ort für eine "sehr ungünstige Stimmung." Der Protest werde von außerhalb instrumentalisiert, stieß Günter Rudolph ins gleiche Horn. "Da wollen bundesweit jetzt viele mitreden, die vorher noch nie vom Dannenröder Wald gehört hatten." Er nannte die laufenden Proteste "unerträglich". Wer eine Verkehrswende will, muss sein Verhalten ändern, so Rudolph: "Das sehe ich nicht. Vor vielen Häusern stehen drei Autos und jeden Tag kommt der Paketbote." Gerade auf dem Land bleibe das Auto unverzichtbar.

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