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Sorge wegen Grundwasser

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Von: Joachim Legatis

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Die Autobahngegner lassen nicht locker im Widerstand gegen den Bau der A 49. Angesichts der verheerenden Überschwemmungen im Ahrtal und weiteren Regionen fordern sie eine Umplanung zum Schutz der Natur und des Grundwassers.

Wenn die Autobahn 49 wie geplant gebaut wird, dann könnten die Überschwemmungen im Ahrtal und Regionen von Rheinland-Pfalz ein Warnsignal sein, »was auf uns zukommt«, meinen die Gegner des Projekts. Dann laufen Regenüberlaufbecken schnell voll, der Schutzdamm werde weggespült und das Grundwasser könne verschmutzt werden. Dieses Szenario breiteten Dr. Wolfgang Dennhöfer und Karl-Heinz Zulauf bei einem Info-Termin des Bündnisses »Danni lebt« am Standort des geplanten Regenüberlaufbeckens Lehrbach aus.

Auch die Fundamente der großen Gleenbrücke seien eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Menschen in der Region. Mit einer Gruppe A49-Gegner gab es einen Ortstermin auf einem Acker direkt neben dem Schmitthof, einem alten Wasserschloss an der Bundesstraße 62 zwischen Lehrbach und Niederklein. Dort soll ein etwa 200 Meter langes Regenüberlaufbecken geschaffen werden. Dorthin fließen die Wassermengen, die bei Regen auf die Fahrbahn der Autobahn 49 im Dannenröder Wald gelangen. Dabei würden auch Reifenabrieb, Ruß und Staub heruntergewaschen. Deshalb werde das Autobahnwasser in ein Becken geleitet, in dem sich der Schmutz absetzen kann.

Prüfung gefordert

Wenn das Becken bei Starkregen vollläuft, fließt das Überschusswasser durch eine kilometerlange Leitung bis hinter Niederklein. Dort mündet die Leitung im Wasserschutzgebiet 2 wieder in den Bachlauf, wie Reinhard Forst von der Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtals aus der Planung berichtete.

Dennhöfer forderte einen Baustopp für die Autobahn, um die Folgen der zunehmenden Starkregen auf solche Bauwerke genauer zu prüfen. Denn bislang gehen die Straßenbauer davon aus, dass Starkregen nur selten auftritt, eben als Jahrhundertereignis. »Die Überschwemmungen der jüngsten Zeit hätten genauso gut hier geschehen können«, so Dennhöfer.

Der Klimawandel sorge für immer häufigere Überschwemmungen. Eigentlich müssten die politisch Verantwortlichen schnell Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen. »Die Autobahn war von Anfang an eine Fehlplanung, deren Folgen nun deutlicher zutage treten.« Für die Autobahn gingen 180 Hektar landwirtschaftliche Flächen verloren, gesunde Wälder würden abgeholzt, die Aufforstung brauche 150 bis 180 Jahre, um ähnliche Lebensgemeinschaften zu bilden. »Wir verbrauchen Flächen in zunehmendem Maße, die Fläche wächst nicht nach«, so Dennhöfer.

Bei dieser Planung sei nicht genug zum Schutz der natürlichen Lebensgemeinschaften getan worden und das Grundwasser sei in Gefahr. So durchschneide die Autobahntrasse den Dannenröder Wald nicht nur, sie werde auch in einem über zehn Meter tiefen Einschnitt hindurchgeführt. Dadurch würden die Bäume geschädigt, die am Rand des Einschnitts stehen. Denn der Grundwasserpegel sinke deutlich, die Bäume könnten sich nicht so schnell darauf einstellen und gingen zugrunde.

Ein anderes Problem stelle Hochwasser im Gleental dar. Denn über das Tal soll die längste Brücke beim A49-Weiterbau führen.

Bei einem »Jahrhunderthochwasser« des Gleenbachs drückten gewaltige Wassermassen gegen die Pfeiler im Tal. Dennhöfer bezweifelte, dass die Planer diese Belastung eingerechnet haben.

Die Pfeiler würden wahrscheinlich auch dafür sorgen, dass Grundwasserschichten beeinträchtigt werden. Im Gleental wird über mehrere Brunnen Trinkwasser für Hunterttausende Menschen in der Region gefördert.

Bislang ist das Gleental Wasserschutzgebiet, einem Landwirt sei die Pferdehaltung mit Blick auf den Schutz des Wassers verboten worden. Die Autobahnplaner behaupteten nun, sie würden die tiefen Fundamente so abdichten, dass kein Oberflächenwasser durch die schützende Lehmdecke gelangt. Dennhöfer hält es dagegen für sehr wahrscheinlich, dass bei einem Hochwasser Verschmutzungen eingetragen werden.

Auf die Möglichkeit des Dammbruchs weist Karl-Heinz Zulauf hin. »Schon jetzt rauscht das Wasser bei starken Regenfällen den Abhang hinunter in den Bereich, der künftig zum Regenüberlaufbecken mit einem hohen Damm werden soll.« Künftig könne dann im Bereich der Fahrbahn kein Wasser mehr versickern. Diese Wassermassen von der Autobahn kämen hinzu. »Bei Starkregen haut es den Damm weg«, meint Zulauf.

Der Autobahnbau müsse noch einmal neu durchdacht werden, aber dazu seien die Politiker in Land und Bund nicht bereit: »Das ist eine Schande«, so Zulauf.

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