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Sitzung zieht auf die Straße um

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Von: Kerstin Schneider

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Seit Jahren eine der beliebtesten Nummern bei der Fremdensitzung des Homberger Stiefelclubs: »Frau Hom« und »Frau Berg«, hier Silke Kraft und Astrid Weixler, nehmen das Stadtgeschehen aufs Korn. Wenn alles klappt, könnten sie das im Februar wieder tun, dann nicht in der Stadthalle, sondern in einem Ladengeschäft in der Innenstadt. ARCHIVFOTO: NR © Nina Mergner

Schon wieder fällt die Kampagne ins Wasser? Geht gar nicht, dachten sich die Fastnachtsbegeisterten vom Homberger Stiefelclub. So entstand die Idee, die Faschingssitzung auf die Straße zu verlegen. Das Motto für den etwas anderen Straßenkarneval stand mit »Safari« schon fest, nun halt als »Safari to go.« Und die Bütt zieht in den Laden.

Die Karnevalisten vom Stiefelclub bleiben Optimisten: »Stand heute planen wir so, dass wir den stehenden Umzug machen können. Nach den derzeitigen Regeln spricht mit einem Hygienekonzept nichts dagegen«, sagt Maja Metz. Wenn sich die Situation mit Corona grundlegend ändere, könne man kurzfristig reagieren. »Selbstverständlich behalten wir die Pandemie im Blick.«

Das vergangene Jahr sei schon traurig genug für die Faschingsfans gewesen: »Wir haben auf sämtliche kulturelle Veranstaltungen und gesellige Zusammentreffen verzichtet und isoliert zu Hause den Winter verbracht.« Aktuell wäre es nun grundsätzlich zwar möglich, die traditionellen Faschingsveranstaltungen unter 2G-Regeln in der Stadthalle stattfinden zu lassen. Allerdings wurden die Organisatoren plötzlich von anderen Problemen eingeholt. Für das äußerst beliebte Männerballett-Turnier fehlten genügend Gastballette, sodass die Veranstaltung nicht stattfinden kann. Eine öffentliche Generalprobe sei kaum vorstellbar, wenn der Kartenvorverkauf für die Fremdensitzung nur mäßig verlaufe. »Somit bleiben viele Stunden Übungszeit, Schmücken der Stadthalle und für nur einen Auftritt. Das ist wirtschaftlich keine gute Lösung.« Man habe gemerkt, dass Faschingsvereine Rückzieher machen, aber: »Das zweite Jahr ohne Fasching geht gar nicht«, sagt Maja Metz.

Denn der Verein hat viele aktive Mitglieder, die gerne wieder einmal auf der Bühne ihr Können vor Publikum zum Besten geben wollen. »Und wir wären nicht der HSC, wenn wir nicht eine tolle Idee hätten.« Unter dem diesjährigen Motto »HSC-Safari Hakuna Matata am Schächerbach« haben sich Narren also Folgendes ausgedacht: »Wir bieten einen stehenden Festzug durch die Innenstadt an, eine ›Safari to go‹.«

Dafür würde die Innenstadt gesperrt und das Programm ungefähr vom »Scharfen Eck« bis zum Geschäft von Optik- Prediger stattfinden. Die Geschäfte, die außerhalb dieses Bereiches liegen, habe man nicht vergessen und schon Ideen dazu.

Die einzelnen Akteure/Redner befinden sich im Geschäft und bekommen im Schaufenster, auf der Treppe, am geöffneten Fenster und anderen Orten die entsprechende Bühne, um dem vorbeilaufenden Publikum ihren Vortrag zu präsentieren.

Metz: »Ich könnte mir gut vorstellen, dass Frau Hom und Frau Berg etwa im ersten Stock der Buchhandung aus dem Fenster schauen und ihren Klatsch und Tratsch halten.« Sie selbst habe nicht davon gehört, dass es einen solchen Faschingszug schon einmal irgendwo gegeben hat. »Aber warum die Akteure nicht einfach in die Schaufenster setzen?«

Das Programm erfordere eine genaue Zeitplanung und mehrmaliges versetztes Wiederholen des Auftrittes, damit das Publikum die Möglichkeit hat, möglichst viel zu sehen. Flyer mit Programmhinweisen werden ausliegen. Auch eine entsprechende Beschallung wird bereitgestellt.

Für den Hunger und Durst stehen laut Maja Metz und ihrer Vorstandskollegin Yvonne Fina Bierpilz und Würstchenbude bereit. Gegen die Kälte gibt es Heizlampen. »Wir werden auch mehr als einen Würstchenstand aufbauen, damit sich die Gäste verteilen können.«

Im Anschluss an die Redebeiträge, zur Dämmerung hin, werde man »ein Strammer-Max-KEIN-Turnier« auf der großen Bühne stattfinden lassen. Somit hätten die wenigen Gastballette die Möglichkeit, doch zu ihrem Auftritt zu kommen. Eintritt wird übrigens nicht erhoben. »Uns geht es nicht um einen großen Reibach«, betont Metz. Man wolle einfach die Faschingstradition hochhalten. Schließlich heißt man nicht umsonst Verein zur Pflege der Volkskunst.

Die Geschäftsleute finden die Idee super, freut sich der Club. Man kläre im Moment noch bei der Stadtverwaltung nötige Details, die Innenstadt muss gesperrt werden, und beim RMV muss man fragen, denn Busse müssen umgeleitet werden.

Grundsätzlich gehe man davon aus, dass es grünes Licht geben wird. »Wir denken, es kommt an, und dass sich die Leute freuen.« Falls am 11. Februar ein Schneesturm tobt, dann gibt es Plan B, der Zug findet eine Woche später statt, oder im Frühjahr, so machen es die Düsseldorfer auch.

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