Referentin Heike Frank macht den Frauen Mut, einen Zugang zu den eigenen Bedürfnissen zu finden. FOTO: SF
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Referentin Heike Frank macht den Frauen Mut, einen Zugang zu den eigenen Bedürfnissen zu finden. FOTO: SF

Selbstwertgefühl ist wichtig

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Nieder-Ohmen(sf). "Menschen wollen gesehen und geachtet werden." Auf dieses Grundbedürfnis wies kürzlich Referentin Heike Frank bei einem geselligen Frauenfrühstück der evangelischen Kirchengemeinde hin. Aber für viele Frauen sei es ungewohnt, mit ihrem eigenen Wert konfrontiert zu werden, es sei ihnen sogar unangenehm, so ist eine Erfahrung aus Franks Praxis, wie sie bei der Veranstaltung mit Pfarrerin Lea Schellhaas betonte.

Seit rund 20 Jahren arbeitet Frank in einer eigenen Praxis, sie habe viele Einzel-, Paar- und Gruppenprozesse begleitet, berichtete sie. Es berühre mich immer wieder aufs Neue zu erleben, wie mutig Menschen sich auf Veränderungsschritte einließen, getragen und unterstützt durch die tiefe Hoffnung und innere Gewissheit, dass dieser Weg erfüllend und sinnstiftend sei. Den eigenen Weg zu finden, den eigenen Platz, privat wie beruflich, sei ein starker Antrieb, neue Schritte im Umgang mit Krisen und Konflikten zu wagen. Dafür müsse man den vertrauten, ausgetretenen Trampelpfad der Gewohnheit verlassen, was verunsichernd und aufregend aber auch voller neuer Lebendigkeit sein könne. "Der eigene Handlungsspielraum wird viel größer, Emotionen werden tiefer, der Blick auf das eigene Leben verändert sich", resümierte Referentin Heike Frank. Sie hat dem Thema Selbstfürsorge und Selbstwertschätzung ein ganzes Buch gewidmet. In ihm hat sie viele Erfahrungen aus ihrer Praxis einfließen lassen, und es gelingt ihr so, die Lesenden mitzunehmen, zum Nachdenken anzuregen und Anstoß zu Handlungen zu geben. Genau darum ging es auch an diesem Morgen bei der Kirchengemeinde.

"Steht es mir eigentlich zu, nach meinem Wert zu fragen?" "Ist das nicht egoistisch?" "Muss ich dazu nicht auch etwas leisten?" Zu diesen verbreiteten Fragestellungen informierte Frank, für viele Frauen sei es ungewohnt, mit ihrem eigenen Wert konfrontiert zu werden, es sei ihnen sogar unangenehm. Schon in der Bibel heiße es "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", führte die Autorin aus. Dies bedeute aber auch, dass man sich selbst lieben solle. "Die Selbstlosigkeit tragen wir Frauen aus tausend Jahren Frauenleben mit uns herum", stellte Heike Frank heraus und erklärte damit auch, warum Aussagen wie "Sei hilfsbereit" und "Nimm dich nicht so wichtig" besonders bei Frauen auf fruchtbaren Boden fallen. Dabei sei Selbstwertgefühl wichtig. Zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen einen Zugang zu finden, habe nichts mit Egoismus zu tun.

Viele Menschen verschöben die Erfüllung eigener Wünsche auf die Zukunft, skizzierte die Therapeutin ein weiteres Phänomen. Doch was sei, wenn man den Zeitpunkt nicht erlebt oder wenn das Ereignis, das es angeblich bräuchte, nicht eintrete? Heike Frank fragte die Frauen im Publikum, was ihre Leidenschaft sei, fragte nach Gelegenheiten, an denen sie Zeit und Ort vergessen und ganz bei sich sein könnten. Für einige von ihnen waren das sicher neue Gedanken, ebenso wie die Aufforderung, das ernst zu nehmen, was ihnen wichtig sei. Es nicht zu verschieben, sondern dankbar für die Gegenwart zu sein, sich der Endlichkeit bewusst werden.

In schwierigen Situationen bestehen

Um Resilienz zu entwickeln, also die Fähigkeit, auch schwierige Situationen gut zu überstehen, müsse man wissen, was einen ausmache, man müsse sich selbst ernst nehmen - eine Aufforderung, die unweigerlich zur nächsten Frage führte: "Wie gut können Sie ›Nein‹ sagen?" Das sei ein Thema, das viele Frauen umtreibe: Helfen wollen, Harmonie bewahren, zugewandt sein - da sage man häufig ja, obwohl man tief in sich spüre, dass ein Nein besser täte. "Man ist auch liebenswert, wenn man nicht alles macht, wenn man Nein sagt und sich abgrenzt", so lautete Franks Appell an die Frauen.

Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass innere Zerrissenheit sich Bahn bricht, nicht zuletzt in körperlichen Problemen. "Wir dürfen zu uns stehen. Wir dürfen Grenzen setzen. Wir dürfen zu dem stehen, was wir sind und spüren", betonte sie.

Die Autorin ging auch auf die Bedeutung von Freundschaften und Gemeinschaften ein. Selbstwertgefühl entstehe auch durch das gemeinsame Tun mit anderen, auch durch gesellschaftliches Engagement. Doch dabei sei es wichtig, auf die eigene Motivation und die eigenen Bedürfnisse zu schauen.

Mit vielen neuen Anregungen hatte Heike Frank ihre Zuhörerinnen an diesem Morgen versorgt. Die Umsetzung liegt an jeder Frau selbst, doch der Wunsch an sie ist klar: "Passen Sie auf sich auf und haben Sie eine gute Zeit mit sich selbst."

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