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Der begradigte Seenbach bei Merlau könnte renaturiert werden.

Schwimm Groppe, schwimm

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Die Zeit der schnurgeraden Bäche mit Betonsohle neigt sich dem Ende entgegen. Die Gemeinden bauen Wehre zurück, oder sie montieren Schwellen im betonierten Bachbett wie in Groß-Felda. Damit wird geltendes Recht langsam in die Realität umgesetzt. Doch hin und wieder gibt es auch Bedenken wie aktuell in Merlau.

In Groß-Felda werden 12 000 Euro in den Bach versenkt, um die Felda wieder zum Lebensraum für die Kleinfische Groppe und Neunauge zu machen. Bei Mücke-Merlau will die Gemeinde sogar 180 000 Euro aus Landesmitteln in eine umfassende Renaturierung des Seenbachs investieren. Es liegt im Trend, die begradigten und betonierten Bachläufe in der Kulturlandschaft wieder in einen naturnäheren Zustand zurück zu versetzen. Doch manchmal regt sich auch Widerstand dagegen, wie zur Zeit in Merlau. Dort befürchten Bürger Hochwasser und Mückenplage, deshalb wird am nächsten Dienstag eine Ortsbeiratssitzung zur Info-Veranstaltung rund um die Baumaßnahmen umgestaltet.

Einvernehmlich läuft hingegen die Umgestaltung eines Abschnitts der Felda in Groß-Felda. Unter der Brücke am Gerätehaus legen Arbeiter schwere Betonschwellen in einem etwa 80 Meter langen Abschnitt des Bachbetts, der gepflastertet ist. Darüber informierte dieser Tage Arnold Hacke von der Unteren Wasserbehörde im Ortsbeirat.

Rund 12 000 Euro investiert die Gemeinde Feldatal in den Einbau von Betonschwellen, die fest gedübelt werden. Zwischen die abwechselnd von den Seiten hereinragenden Schwellen wird Geröll geschaufelt, um einen unebenen Untergrund zu schaffen. Den benötigen kleine Fische wie die Groppe und das Neunauge sowie Kleinlebewesen, um den Bachlauf komplett zu durchwandern. Das Geld stammt aus dem Topf für Ausgleichsmaßnahmen beim Bau einer Windenergieanlage bei Zeilbach, wie Bürgermeister Leopold Bach erläutert. Eigentlich sollte die Maßnahme schon 2016 erfolgen, wegen der Erkrankung von Bürgermeister Schlosser blieb das Vorhaben aber liegen. Für eine weitere Maßnahme nahe dem Sportplatz, bei der betonierte Absätze zu Schwellen mit sanftem Gefälle umgebaut werden sollen, fehlt das Geld.

Ziel bei der Aktion ist, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Das ist eine EU-Vorschrift, die in Deutschland geltendes Recht ist und die Gemeinden verpflichtet, "ihre Gewässer in gutem Zustand zu versetzen", wie Arnold Hacke dem Ortsbeirat erläuterte. Denn mit Hilfe der Kläranlagen seien inzwischen gute Wasserqualitäten in Bachläufen erreicht, aber Biologen mussten feststellen, dass viele Lebewesen, die früher in den Bächen lebten, sehr selten geworden sind. Deshalb werden die Lebensbedingungen für die Tiere verbessert. Ziel ist es, die Bäche mit unebenem Untergrund zu versehen, damit kleine Fische und die Krebschen, die ihre Nahrung bilden, ungehindert in Bachläufen wandern können.

Eine größere Renaturierung ist auch für den Seenbach bei Merlau angestrebt, was allerdings auf Kritik im Ortsbeirat Merlau stieß. Deshalb wird am nächsten Dienstag im Ortsbeirat ausführlich über die geplanten Maßnahmen beraten, Gäste können mitdiskutieren, wie Bürgermeister Andreas Sommer sagt. Dabei geht es um eine geplante Renaturierung des Seenbaches in Höhe Merlau oberhalb und unterhalb der Straßenbrücke nach Kirschgarten. Anliegergrundstücke befinden sich in Gemeindebesitz, die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 180 000 Euro.

Der begradigte Bachlauf verläuft wie ein Kanal, "da muss dringend etwas gemacht werden", sagt Sommer. Er sieht es als große Chance, dass vom Land ein so großer Betrag bereit gestellt wird, um die Gewässerstruktur naturnäher zu gestalten. Möglich sind das Einbringen von Totholz und Kiesbänken, und man kann Bepflanzungen am ausgeräumten Ufer schaffen. Allerdings habe es im Ortsbeirat kritische Stimmen gegeben, die vor einer Zunahme von Mücken und mehr Hochwasser warnen. Diese Gefahren sieht Sommer nicht. So verweist er auf den nachfolgenden Bereich am Seenbach bei Nieder-Ohmen, wo ein Auenwald entstanden ist, "das ist vorbildlich".

Jedenfalls sucht der Bürgermeister das Gespräch. Erst wenn die Gemeindegremien die Maßnahme beschließen, soll die konkrete Planung erfolgen, dann wisse man, was genau geschehen soll.

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