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Ärztin Johanna Eifert hat ein Buch über ihren Krankenhausalltag geschrieben. In »krankenhausreif« lässt sie die Leser an Geschehnissen während ihrer Arbeit in der Notaufnahme in der ersten Corona-Welle teilhaben.

Schöne und schwere Momente

  • VonRedaktion
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Ärztin Johanna Eifert arbeitete während der ersten Corona-Welle in der Notaufnahme des Lauterbacher Krankenhauses und sie hat ein Buch über ihren Krankenhausalltag geschrieben. Mit den Erlösen aus dem Verkauf machte sie jetzt noch Schwerkranken eine Freude.

Ganze 1000 Euro für das Palliativteam Waldhessen in Lauterbach: Mit der Übergabe der vierstelligen Spende löste Eichhof-Ärztin Johanna Eifert dieser Tage ihr Versprechen ein, aus dem Gewinn ihres Buches »krankenhausreif« einen Euro pro Exemplar an das SAPV-Team Lauterbach im Palliativverbund Waldhessen zu stiften.

Dieses Geld nahm dessen Leiter, der Chefarzt Anästhesiologie und Intensivmedizin Dr. Norbert Sehn, jetzt entgegen. Die 29-jährige Assistenzärztin am Lauterbacher Krankenhaus hat bislang rund 600 Bücher verkauft und sie ergänzte den Betrag mit der Spende bei einer Lesung auf die Summe von 1000 Euro für das Palliativteam. »Es ist eine große Freude und Wertschätzung für unsere Arbeit, wenn Johanna Eifert mit ihrem finanziellen Beitrag so manche Anschaffung oder eine zusätzliche Ausstattung ermöglicht«, dankt Dr. Sehn seiner jungen Kollegin.

Entstanden war die Idee zu dem Buch aus vielen schweren Situationen und Momenten während ihrer Tätigkeit in der Notaufnahme, insbesondere während der Hochphase von Covid-19. Wie eine Therapie habe sich das Aufschreiben von dort Erlebtem für sie angefühlt und so habe sie sich die mentale Last von der Seele geschrieben, erklärt die Autorin. Zunächst waren es kleinere Texte, die sie auf Instagram gepostet hat. Die Resonanz auf ihre Geschichten war so positiv, dass Freunde, Familie und sogar Follower sie aufforderten, aus den vielen kleinen Episoden ein ganzes Buch zu machen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Theresa, die sich als Illustratorin und Lektorin eingebracht hat, sei sie dann zu dem Entschluss gekommen, die Zeit des Stillstandes außerhalb ihrer Dienste im Krankenhaus zu nutzen und tatsächlich ein richtiges Buch zu verfassen. Herausgekommen ist dabei das Werk unter dem Titel »Krankenhausreif.«

Chronologisch nach Monaten geordnet erzählt Johanna Eifert darin, was sie bewegt. Es sind schöne und ergreifende Erlebnisse, beispielsweise, wenn ein Mensch genesen ist.

Doch auch die schweren Situationen ihres Berufes finden in diesem so persönlichen Buch Niederschlag, so zum Beispiel angesichts der ersten Coronavirus-Welle im März/April vergangenen Jahres, als zahlreiche Menschen, gerade ältere, verstarben. Damals habe es noch sehr viele Unsicherheiten im Umgang mit der Krankheit gegeben, etwa was die Ansteckungswege angeht. In der Notaufnahme waren nicht selten schwierige Entscheidungen zu treffen.

Freude bereiten die zwischenmenschlichen Situationen, die sie mit Kollegen und Kolleginnen aus Ärzteschaft und Pflege erlebt hat. Sie beleuchten den Zusammenhalt, »der im Gesundheitswesen ein so wichtiges Gut ist«.

»Als ich mein Buch zum ersten Mal in der Hand gehalten habe, war ich sehr stolz, dass es fertig geworden ist«, erinnert sich Johanna Eifert. Auch die Reaktionen von Menschen außerhalb ihres beruflichen Umfeldes waren äußerst positiv, das habe ihr sehr gut getan und die anfänglichen Zweifel, ob sich wirklich jemand für ihre Erfahrungen interessiere, verschwinden lassen, so die Assistenzärztin.

Anerkennung zollt ihr auch der Vorstand der Eichhof-Stiftung, Mathias Rauwolf: »Einblicke in das innerste Gefühlsleben zu geben, erfordert Mut. Die Leser an den persönlichen Eindrücken und Erlebnissen teilhaben zu lassen, schafft aber auch Verständnis für die tagtäglichen Situationen, denen die Mitarbeiter in einem Krankenhaus begegnen müssen.« Er sei sehr dankbar dafür, dass die junge Ärztin mit ihrer Spende das Palliativteam am Standort Lauterbach so großzügig unterstütze.

Schließlich gehe es in der ambulanten Betreuung von unheilbar kranken Patienten neben der medizinischen und pflegerischen Begleitung vor allem um »Würde und Lebensqualität, die man mit kleinen Gesten dank zusätzlicher finanzieller Mittel erreiche«, sagt Mathias Rauwolf. »Dazu bedürfe es Menschen mit großer Empathie und Sinn für das Gemeinwohl«, lobte der Vorstand.

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