Wie haben Familien den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erlebt? Danach hat das Vogelsberger Familienbündnis gefragt und stellt Ergebnisse vor. FOTO: DPA
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Wie haben Familien den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erlebt? Danach hat das Vogelsberger Familienbündnis gefragt und stellt Ergebnisse vor. FOTO: DPA

Von schön bis ziemlich belastend

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Vogelsbergkreis(pm). Kinderbetreuung in Zeiten der Corona-Pandemie: "Wie war (oder ist) das bei Ihnen?". Diese Frage hat das Handlungsfeld Vereinbarkeit von Familie und Beruf des Vogelsberger Familienbündnisses Familien im Kreis gestellt. Im Fokus standen die persönlichen Geschichten, die Sorgen, Nöte und Ängste, aber auch die schönen Erlebnisse während der Zeit der Schul- und Kindergartenschließungen. Die ungeahnte Neuorganisation des Alltages im März 2020 hat alle Familien ganz plötzlich getroffen.

Für die einen findet von nun an alles zu Hause statt: Schule, Arbeit, Freizeit und Familienleben. Die anderen versuchen den optimalen Weg zwischen Kinderbetreuung, Erwerbstätigkeit und Familienzeit zu finden. Laut der Umfrage im Vogelsbergkreis hatten etwa zwei Drittel aller Eltern die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten und konnten sich so, in Abstimmung mit dem jeweiligen Arbeitgeber, auch um die Kinder und deren Betreuung bzw. Online-Lernformen kümmern.

Hilfe und Unterstützung von Familie und Freunden wurde lediglich teilweise in Anspruch genommen, was auch daran lag, dass besonders die Großeltern geschützt werden sollten. "Unsere Kinder leiden sehr unter den fehlenden sozialen Kontakten und vermissen ihre Freunde und die Familie", war ein viel zurückgemeldeter Satz in der Umfrage.

Trotz der herausfordernden und belastenden Bedingungen gab es auch positive Aspekte, die der Lockdown mit sich gebracht hat. Manche Familien gaben an, dass sie die gemeinsame Zeit vor allem draußen in der Natur genossen und das Familienleben ganz neu entdeckt und schätzen gelernt haben. Dadurch, dass Elternteile teilweise von Kurzarbeit betroffen waren, haben sich die Rollenverteilungen in den Familien selbst verändert.

Manche Paare haben die Erfahrung gemacht, dass sie ihre Partnerin bzw. ihren Partner mit allen Aufgaben, Nöten und Sorgen nun besser verstehen können. Und auch die Kinder haben das Spielen zu Hause von einer neuen Seite kennengelernt.

Die Nachfrage bei Familien macht deutlich, dass die veränderte Situation während der Corona-Pandemie nicht mit "gut" oder "schlecht" beantwortet wird. Die meisten Familien machten Erfahrungen in beide Richtungen. Einige haben diese Zeit als sehr belastend beschrieben. Die Eltern haben oft Schuldgefühle, den Kindern gegenüber nicht gerecht zu werden, und machen sich Sorgen darüber, wie die Zukunft aussehen wird.

Nicht nur im Vogelsbergkreis waren die Erfahrungen, die Familien seit dem 16. März 2020 gemacht haben, von Interesse. Auch der Forschungsverbund "Kindheit - Jugend - Familie in der Corona-Zeit" hat sich diesem Thema gewidmet. Dieser setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld. Entstanden ist die Studie "KiCo" - Kinder, Eltern und ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie, an der mehr als 25 000 Eltern bundesweit teilgenommen haben.

Auch in der bundesweiten Studie wird deutlich, dass ein Teil der Befragten die Zeit als "schöne Zeit" beschreibt, der andere Teil "kein Licht am Ende des Tunnels" sieht. Die kollektive Wahrnehmung vieler Familien ist, dass sie sich mit ihren Fragen und dem Alltag nicht gesehen fühlen. Es wird erwartet, dass die Familie die gesellschaftlichen Herausforderungen "irgendwie" in den Griff bekommt.

Auch finanzielle Nöte und Geldsorgen wurden unterschiedlich bewertet: 33,9 Prozent gaben an, seit der Corona-Pandemie größere Geldsorgen zu haben, darunter vor allem Familien mit nur einem erziehenden Elternteil.

Geldsorgen plagen einige

Familien können sich als eine Art Seismograf erweisen, der anzeigt, worin die gesellschaftlichen Probleme derzeit bestehen; dies macht die bundesweite Studie deutlich. Das Handlungsfeld "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" im Vogelsberg hat sich das Ziel gesetzt, aus den Erfahrungen der Familien zu lernen.

Deutlich wird beispielsweise, dass die Kinder vor der Corona-Pandemie meist von den Eltern und den Großeltern nach der Schule bzw. dem Kindergarten betreut werden, selten wurden Betreuungsangebote in Anspruch genommen. "Um für die künftige Arbeit Ansatzpunkte zu finden, wie Familien unterstützt werden können, war es uns wichtig, ein Stimmungsbild einzufangen. Wir wollen herausfinden, was sich Familien wünschen. Am besten wäre es natürlich, wenn sich die Familien direkt in unserer Arbeitsgruppe einbringen. Wir freuen uns über jede und jeden", sagt Katharina Barth, Sprecherin des Handlungsfeldes Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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