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Tonnenweise wird beim Autobahnbau Erde bewegt. Die verdreckten Straßen werden nachher gereinigt. Mit zu viel an gutem Trinkwasser, kritisieren Gegner des Projektes. ARCHIVFOTO: JOL

»Schock« wegen Wasserverbrauch

A 49-Gegner und Umweltschützer rechnen vor, dass beim Bau der Autobahn Unmengen an Trinkwasser verschwendet würden - damit die von Baumaschinen verdreckten Straßen wieder sauber werden. Die Bau-Arge verweist auf einen üblichen Vorgang.

Munter sprudelt frisches, glasklares Wasser aus dem Hydranten hinein in das große orangefarbene Fahrzeug. »Trinkwasserqualität«, sagt Alfred Schleich, der dokumentiert hat, in welchem Umfang derzeit das für ihn kostbare Gut aus dem Untergrund entnommen wird. »Zwei- bis dreimal pro Tag kommt dieses Fahrzeug, tankt und fährt dann von Appenrod in Richtung Homberg«, erzählt der Mann, der in der kleinen Gemeinde lebt.

Er schätzt, dass täglich rund 20 000 Liter Trinkwasser auf diese Weise abtransportiert werden - »und das seit gut acht Wochen«. Gemeinsam mit Barbara Schlemmer, Sprecherin der Grünen in Homberg und des Bündnisses »Keine A 49«, blickt er sichtlich schockiert auf einen Notizzettel. Gemeinsam haben sie die Zahlen addiert. »An fünf Tagen die Woche 20 000 Liter, das bedeutet in acht Wochen 800 000 Liter Frischwasser«, erklären sie und deuten in Richtung der Straße, »und das für die Reinigung von Asphalt?«

Tatsächlich haben beide genau dies beobachtet, erzählen sie im Gespräch. Auf einem Feld an der Landesstraße 3072 zwischen Appenrod und der Abzweigung Dannenrod stehen die Fahrzeuge für den Bau der A 49 bereit.

Gerade in Zeiten, in denen viel Regen fällt, bringen sie auf den Straßenasphalt Unmengen an Schlamm auf. Das Verursacherprinzip sagt: Wer Wege verunreinigt, der muss sie auch säubern. Konsequent fahren daher seit Monaten Kehrmaschinen in diesem Bereich auf und ab und nutzen auch Wasser, um die Straße zu säubern.

»Das ist ein Witz«, schimpft Alfred Schleich, »wenn wir zugleich im Vogelsberg mit Wasserknappheit kämpfen und die Trinkwasserversorgung für uns alle zum Problem in der Zukunft werden wird.« Barbara Schlemmer: »Ich kritisiere, dass so viel Trinkwasser für Bauarbeiten verwendet wird. Wir gehen in das vierte Dürrejahr hier in der Region. Experten prophezeien, dass selbst der in diesem Winter gefallene Regen nicht ausreichen wird, um die trockenen Phasen zu kompensieren.«

Zudem ist sie noch sauer: »Als Stadtverordnete weiß ich nichts von einer Vereinbarung zwischen den Bauausführenden Unternehmen und der Stadt, das läuft offenbar unter dem Radar, damit es keiner bemerkt. Ich frage, wie die Kosten abgerechnet werden? Wer kontrolliert die Entnahme? Und wer bezahlt das? Sind die Zähler geeicht? Wird der Posten im städtischen Haushalt auftauchen?«

Fragen, die es zu klären gilt, finden beide, zumal sie offenbar vor dem Beginn der Baumaßnahmen nicht kommuniziert worden seien. »Hätte für diese Arbeiten nicht beispielsweise Brauchwasser aus der letzten Filterstufe der Kläranlage genutzt werden können?«, will Schleich wissen und deutet in Richtung Homberg, wo seiner Ansicht nach »Entscheidungen gefällt werden, die von den Bürgern unbeachtet bleiben sollen«.

Beide wünschen sich eine Antwort und den Stopp der Entnahme von wertvollem Trinkwasser. »Der Wasserbedarf der A 49-Baustelle ist ohnehin enorm und widerspricht den Bedürfnissen unserer Zeit angesichts einer Klimakrise und der herrschenden Dürre im Vogelsberg, der einst als das größte Trinkwasserreservoir Deutschlands galt«, so Schlemmer, »und das alles für ein anachronistisches Bauwerk, das durch bessere Planungen obsolet wäre.

Bei der mit den Bauarbeiten an der Autobahn beauftragten Gesellschaft heißt es, die Vorwürfe könne man »so pauschal nicht bestätigen«. Wie generell bei Baumaßnahmen üblich, seien die A 49 Autobahngesellschaft bzw. die von ihr beauftragte Bau-ARGE vertraglich verpflichtet, im Zuge der Bauausführung verunreinigte öffentliche Straßen durch geeignete Maßnahmen sauber zu halten.

Kosten trägt die Bau-ARGE

Dies gelte auch auf betroffenen öffentlichen Straßen in der Gemarkung Homberg. Die eingesetzten Reinigungsfahrzeuge würden über unterschiedliche Techniken verfügen. »Abhängig vom Grad und der Art der Verschmutzung - meist Staub oder Erde - muss teilweise nur gekehrt oder aber nass gereinigt werden,« sagt Sandra Nitzsche auf Anfrage. Das Fassungsvermögen seitens der Bau-ARGE eingesetzten Reinigungsfahrzeuge betrage zwischen 4500 und 6500 Litern.

Wie viel Wasser davon bei einer Reinigungsfahrt benötigt wird, das lasse sich nicht sagen, da dies von vielen verschiedenen Faktoren abhänge, etwa der Maschinen- bzw. Düsentechnik, der Art, der Feuchtigkeit oder der Hartnäckigkeit der Verunreinigungen sowie der Streckenlänge.

Dass für die Nassreinigung der Straßen verwendete Wasser werde, »wie auch in der Landwirtschaft üblich, von hierfür genehmigten Entnahmestellen bezogen. Die Kosten trägt die Bau-ARGE«.

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