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Eine der Aufgaben bei den hessischen Meisterschaften im Schneepflugfahren ist das fehlerfreie Passieren einer Rampe. Das Team aus Homberg schneidet dabei trotz fehlender Übungsmöglichkeiten gut ab.

Schneepflug-Wettbewerb bei Hitze

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Alle reden von Erderwärmung. Und was passiert, wenn es trotzdem schneit? Dann sind die Straßenwärter von Hessen Mobil gut vorbereitet. Das zeigte sich kürzlich bei den hessischen Meisterschaften im Schneepflugfahren. Darunter waren mit Christoph Künstler und Torsten Bechtel zwei Fahrer von der Straßenmeisterei Homberg.

Es mag nach einer Gaudi klingen: Schneepflugfahren im Juni. Die Sache hat aber einen ernsten Hintergrund. Der Winterdienst funktioniert nur gut, wenn Mensch und Maschine perfekt eingespielt sind. Ein rund 23 Tonnen schweres und bis zu vier Meter breites Winterdienstfahrzeug auf Bundesautobahnen und schmalen Kreisstraßen zu beherrschen, erfordert großes Können - auch ohne Schnee. Bei der Landesmeisterschaften im Schneepflugfahren waren aus der Region Christoph Künstler und Torsten Bechtel von der Straßenmeisterei in Homberg. Sie schafften es zwar nicht in die Endrunde, belegten aber am Ende unter 15 Teilnehmern immerhin den 10. Platz. Die Meisterschaften fanden im Parkstadion in Baunatal statt, weil immer der Titelverteidiger Ausrichter der nächsten Meisterschaften ist.

Die beiden Homberger Künstler und Torsten Bechtel nahmen das erste Mal an einer Landesmeisterschaft teil. Ursprünglich hatte von der Homberger Straßenmeisterei jemand anderes als Fahrer an dem Wettkampf teilnehmen sollen, aber der wurde dann krank und Künstler sprang für ihn ein. Bechtel war sein Beifahrer. Der ist nötig, weil fahren und bedienen des schweren Räumschildes nicht gleichzeitig von einer Person gemacht werden kann. Immerhin ist man mit rund zehn Stundenkilometern durch den Parcours unterwegs, und mit dem etwa sieben Meter langen Räumfahrzeug benötigt man in Kurven die gesamte Breite der Strecke. Wenn man auf sich alleine gestellt ist, kam man schnell anecken.

Wegen der Chancengleichheit war der Parcours von allen Teams mit dem selben Fahrzeug zu bewältigen. Es handelte sich um einen Unimog Typ 527, Baujahr 2017. So ein Fahrzeug gibt es auch bei der Straßenmeisterei Homberg, sodass sich Künstler und Bechtel gut vorbereiten konnten. Allerdings ist Künstler für Unimogs im Alltag nur Ersatzfahrer. Normalerweise sitzt er am Steuer eines Lastwagens mit wesentlich größeren Ausmaßen. Mittlerweile schaut Künstler schon auf 17 Berufsjahre, hat also mit einem Schneepflug im Alltag lange gearbeitet. Als Straßenwärter absolviert man eine dreijährige Ausbildung und wird in dieser Zeit mit allen Gerätschaften vertraut gemacht. Im Arbeitsalltag wird beim Schneeräumen nur bei Berufsanfängern zu zweit gefahren, bis sich die nötige Praxis für Alleinfahrten einstellt.

Die beiden Straßenwärter konnten sich zwar ein wenig auf den Wettkampf vorbereiten, aber nicht in dem Maße, wie es offenbar einige Mitbewerber hatten machen können. Auf dem Hof der Straßenmeisterei war man auf einem kleinen, mit Pylonen abgesteckten Parcours gefahren, aber das Bewältigen von Rampen konnte beispielsweise nicht geübt werden. In Baunatal hatten die beiden Homberger den Eindruck, dass andere Mannschaft auch auf solchen Hindernissen hatten trainieren können.

Die beiden Homberger erreichten trotz der nicht optimalen Vorbereitung den zehnten Platz. Im Rückblick meinen sie, dass sie durchaus unter die ersten Fünf hätten fahren können, wenn sie das Zusammenschieben von zwei Fässern mit je 200 Liter Wasser in eine Bucht vorher hätten richtig üben können. Denn ihnen hatte dafür nur ein Sandplatz zur Verfügung gestanden, und auf diesem Untergrund kann man schlecht schwere Fässer schieben. Dagegen kamen sie zu ihrer Überraschung mit dem Abfahren der Rampen sehr gut zurecht.

Wer so lange bei Wind und Wetter arbeitet, kann auch was zu den Stichworten Erderwärmung und Klimawandel sagen. "Hat sich der Winter im Raum Homberg in den letzten Jahren verändert?", fragte die AAZ die beiden Straßenwärter. Von älteren Kollegen haben Künstler und Bechtel gehört, dass die Winter früher wesentlich härter gewesen seien. Sie haben selbst den Eindruck gewonnen, dass die Winter in den vergangenen 20 Jahren etwas milder geworden sind. Einen richtig harten Winter haben sie allerdings 2009/10 erlebt, als es zu starken Schneeverwehungen gekommen sei und man von Baufirmen habe Radlader anfordern müssen.

Im Jahr 2021 wären die beiden Homberger gerne wieder bei dem Wettkampf vertreten, wenn sie die Vorausscheidung absolvieren. Die findet statt, wenn sich mehr als zwei Teams aus einer Region bewerben. In diesem Jahr hatte es aus ihrer Region nur zwei Interessenten gegeben.

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