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Satelliten und Transponder

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Von: Joachim Legatis

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Landwirt Julian Olbrich setzt auf Digitaltechnik in der Landwirtschaft. So werden moderne Schlepper per GPS gesteuert. © Joachim Legatis

Der Ackerschlepper zieht immer häufiger mit Satellitenhilfe seine Spur auf dem Acker. Moderne Technik ist für Landwirte wichtig, um effizient zu arbeiten und der Flut an Vorschriften zu genügen. In einem Biobetrieb sieht das schon anders aus, wie sich im Gespräch mit Vogelsberger Landwirten zeigt.

Traktoren, die mit GPS-Technik in der Spur gehalten werden, Computerprogramme für die Dokumentation von Spritzmitteln und Transponder im Halsband von Milchkühen - die Digitaltechnik hat Einzug in Stall und auf dem Acker gehalten. Das bringt ganz nebenbei den »gläsernen Landwirt«. Dabei sieht die Welt in einem Biobetrieb schon anders aus als auf einem konventionellen Bauernhof. Doch nicht alles was geht, passt auch im Vogelsberg, wie drei Landwirte erzählen.

Julian Olbrich ist begeistert von der modernen Traktorentechnik. »Beim Säen, Spritzen und Streuen fährt der GPS-gesteuerte Schlepper vollautomatisch Spur an Spur«, sagt der junge Landwirt aus Mücke-Ilsdorf. Er misst auf dem Acker die erste Fahrspur im Bordcomputer ein. Über die Satellitenortung des GPS-Systems wird der Fahrweg auf drei Zentimeter genau erfasst. Die nächste Fahrspur berechnet das Bordsystem dann schon automatisch. »Der Schlepper kommt genau in die Spur.« Das ist wirtschaftlicher als die traditionelle Steuerung von Hand, weil man exakt den Acker abfährt. »Beim Säen spart man ein bis zwei Prozent Saatgut und hat noch einen Zeitgewinn«, erläutert Olbrich. Die GPS-Technik ist inzwischen Standard in modernen Schleppern, ihre Anschaffung wird bezuschusst.

Denn die modernen Traktoren sorgen nicht nur für effiziente Arbeitstechnik, sie helfen auch bei der Büroarbeit. Landwirte müssen genau erfassen, welche Mittel sie spritzen, und ob dabei die Abstände zu Gräben und Bächen eingehalten werden. »Es geht um die Erfassung von Dünger und Gülle, die ich ausbringe. Der Schlepper zeichnet gleich alles auf«, sagt der Ilsdorfer Landwirt. Die Daten werden an den heimischen Computer mit der Ackerschlagkartei gesandt. »Man wird zum gläsernen Landwirt.«

Transponder im Stall

Dabei geht es auch um neue Vorgaben für die Branche, wie Volker Lein, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, erläutert. So kann der Ausstoß an Kohlendioxid verringert werden, wenn man weniger Kraftstoff bei der Arbeit benötigt. In der neuen Düngeverordnung ist geregelt, dass der Landwirt je nach Gefälle des Grundstücks bestimmte Abstände zu Gräben und Bächen einhalten muss. Das dient dem Gewässerschutz, informiert Lein.

Die moderne Technik hat in der Tierhaltung schon lange Einzug gehalten. Neue Melkstände für Milchkühe verringern den Aufwand deutlich. So können weniger Menschen mehr Tiere melken. Moderne Kühe haben ein Halsband mit einem Transponder, der auf das Tier zugeschnitten ist. »Er erfasst Bewegung, Temperatur, Verdauungsvorgänge und was gefressen wird - dadurch kann ich die Fütterung an das Tier anpassen«, erläutert Lein. Ein großer Vorteil ist, dass erfasst wird, ob die Kuh regelmäßig frisst. Das zeigt an, ob sie gesund ist, und der Milchviehhalter bemerkt frühzeitig eine Erkrankung.

In den Schweineställen der Familie Olbrich wird erfasst, wie viel Wasser getrunken wird. Sinkt der Wasserverbrauch in einer der 30er-Gruppen, »werden die Schweine wahrscheinlich krank«, erläutert Julian Olbrich. Auch in der Tierhaltung dienen die zusätzlichen Daten dazu, die vorgeschriebenen Dokumentationen zu erfüllen.

Doch Landwirt ist nicht gleich Landwirt, wie Bernd Weiß betont. Der Biobauer aus Unter-Seibertenrod verzichtet auf GPS-Technik bei seinen Schleppern. »Als Biobetrieb nutzen wir keine Spritzgeräte und Düngerstreuer, beim Säen steuern wir von Hand.«

Die Schlepper können mit GPS-Technik nachgerüstet werden, »aber für uns lohnt es sich noch nicht«. Diese Technik lohnt in Gebieten mit größeren Ackerflächen, im Vogelsberg sei teilweise auch der Empfang der Satellitensignale schlecht. In der Tierhaltung verzichtet der Familienbetreib ebenfalls auf Digitaltechnik. »Wir haben Mutterkuhhaltung, da brauchen wir kein digitales Halsband zur Erfassung des Gesundheitszustands und der Ernährung«, erläutert Weiß. Bei der Mutterkuhhaltung bleiben Kühe und Kälber zusammen auf der Weide. Milchkühe wie im Betrieb der Familie Lein leben im Laufstall mit Melkstand, so lange sie Milch geben. Wenn sie nicht gemolken werden müssen, leben sie auf der Weide.

Im Betrieb Weiß werden einige Betriebsdaten über ein Programm auf dem Smartphone erfasst. So wird dokumentiert, wann wie viel Gülle ausgebracht wird. »Auch der Heuschnitt wird erfasst, um zu belegen, das ich später als andere mähe, um die Natur zu schützen«, erläutert Bernd Weiß. Das ist eine Arbeitserleichterung und Grundlage für Agrarfördermittel. Dokumentiert werden zudem die Blühstreifen. Das sind Wiesenränder, auf denen eine Mischung aus regionalen Pflanzen ausgesät ist. Dort wird nicht gemäht, um Insekten Futter zu bieten.

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Ein kleines Gehäuse auf dem Fahrerhaus des Schleppers schützt den GPS-Empfänger. © Joachim Legatis

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