Die Behelfsbrücke an der Pletschmühle bei Homberg muss zeitweilig gesperrt werden. (pm)
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Die Behelfsbrücke an der Pletschmühle bei Homberg muss zeitweilig gesperrt werden. (pm)

Sandsäcke wieder eingepackt

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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An die 500 Sandsäcke können beim Gemündener Bauhof im Depot bleiben. Zur Erleichterung der Helfer hatte sich die Hochwasserlage im Kreis bis Donnerstagmorgen entspannt. Am Mittwoch herrschte höchste Alarmbereitschaft. In Romrod wurde der Pegel des Jahrhunderthochwassers vom 2. Februar 1984 um 30 Zentimeter übertroffen.

Starkregen führte am Mittwoch zu weit mehr als 100 Einsätzen von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk, überwiegend im westlichen Kreisgebiet. Einsatzschwerpunkte für die Helfer waren überflutete Keller und überschwemmte Straßen.

Nachdem die Feuerwehr in Romrod bereits am Mittwochvormittag zahlreiche Einsätze zu verbuchen hatte, spitzte sich die Lage am Nachmittag zu. Die Anzahl der Hilferufe wegen vollgelaufener Keller stieg stetig. Daraufhin wurde in der Leitstelle des Kreises das Personal verstärkt. Zeitgleich wurden Feuerwehreinsatzleitungen in Alsfeld, Kirtorf, Antrifttal und Homberg installiert. Wegen der vielen Einsatzstellen wurde der Führungsstab in der Kreisverwaltung alarmiert, der am frühen Mittwochabend seinen Dienst aufnahm. Rund 300 Einsatzkräfte der Feuerwehren und anderer Hilfsdienste hatten dann in den folgenden Stunden alle Hände voll zu tun. Besonders betroffen war auch Kirtorf. Vier Personen mussten mit einem Rettungsboot aus ihrem Haus geholt und in Sicherheit gebracht werden. Ein 43-jähriger Mann mit einem schweren körperlichen Handicap wurde vorübergehend im Seniorenheim untergebracht. Im Bereich der Ortseingangslage aus Richtung Alsfeld war "Land unter", mehrere Seitenstraßen waren bis zu 80 Zentimeter überflutet. Mitarbeiter der OVAG mussten im betroffenen Gebiet zeitweise den Strom abschalten.

Besonders betroffen waren die Straßen Im Sand, Alsfelder Tor, Braugasse und Grüner Weg. Dort wurden Sandsäcke eingebaut. In Ober-Gleen war ein Industriebetrieb betroffen, wo Schlamm und Wasser in die Produktionshalle eindrangen. In Lehrbach, Ober-Gleen, Heimertshausen und Arnshain liefen Keller voll, teilweise trat auch Heizöl aus. Die Bundesstraße 62 war stellenweise stark überflutet. Am Mittwochabend begannen die Pegel dann zu sinken, dennoch liefen noch weitere Keller voll. Die Helfer hatten insgesamt 55 Einsatzstellen zu bewältigen. Im Verlauf des Einsatzes kamen immer wieder neue hinzu. Die Wehren von Kirtorf wurden aufgrund der langen Einsatzzeit von Kollegen aus Homberg zwischenzeitlich abgelöst und unterstützt. Das THW aus Homberg lieferte Sandsäcke. Überschwemmte Landes- und Kreisstraßen wurden phasenweise gesperrt. Am Donnerstag liefen die Aufräumarbeiten.

Die dauerhaften Regenfälle führten auch im Homberger Gemeindegebiet zu Überflutungen. Während am Mittwochvormittag in Büßfeld und Bleidenrod die "Brennpunkte" waren, verlagerte sich der Schwerpunkt dann an die Ohm, welche die Wassermengen aus dem Vogelsberg abführen muss. Die Behelfsbrücke an der Pletschmühle wurde gesperrt, auch über Ober-Ofleiden war der Bereich rund um das Seniorenzentrum nicht zu erreichen. Die Brücke wurde am Donnerstagmorgen wieder freigegeben. In Büßfeld wurde insbesondere die Bleidenröder Straße geflutet. In Bleidenrod wurde bei zwei Wohnhäusern Wasser abgepumpt.

Gemünden mit seinen Ortsteilen war besonders von Hochwasser betroffen (die AAZ berichtete). Am Donnerstagmorgen hatte sich aber auch dort die Lage entspannt, sagte Beigeordneter Norbert Krieger auf Anfrage. Es liefen dann noch Aufräumarbeiten. Krieger: "Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen." Allerdings waren Helfer von Feuerwehren und Bauhof bis zum späten Mittwochabend im Einsatz. Die vorsorglich abgefüllten 500 Sandsäcke konnten beim Bauhof im Depot bleiben. Zunächst hatte man mit Blick auf die Vorhersagen weitere heftige Regenfälle befürchtet.

Kaum bis wenig betroffen von den Wassermassen war Mücke. Dort liefen zwar landwirtschaftliche Flächen wie Wiesen voll, aber größere Überflutungen in Ortslagen gab es nicht.

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