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Für Rückkehr der Ohmtalbahn

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Von: Joachim Legatis

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Streiken für Klimaschutz ist das eine, Alternativen für eine Verkehrspolitik im ländlichen Raum das andere. An einem alternativen Verkehrskonzept arbeitet eine Gruppe von Klimaaktivisten. Sie fordern unter anderem einen zweigleisigen Ausbau der Vogelsbergbahn, und es soll geprüft werden, ob die Bahnstrecke Homberg-Gemünden (Ohmtalbahn) reaktiviert werden kann.

Klimastreik in Alsfeld und Lauterbach, Gründung des »klimafaireins« in Mücke und Debatte um den Weiterbau der A 49: Klimapolitik ist nicht nur ein Thema in Wiesbaden und Berlin ist. Es geht, da wo es möglich ist, um Alternativen zum Autofahren. Dabei kommt laut der Gruppe um Mira Aretz dem Ausbau der vorhandenen Bahnstrecken und dem Reaktivieren von stillgelegten Linien eine große Bedeutung zu.

Die Vogelsbergbahn solle zweigleisig ausgebaut werden. »Die Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda ist das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Vogelsberg«, sagt Mira Aretz. Neben der Umwelt- und Klimapolitik gehe es um die bessere Erschließung der Region über die Schiene und eine Lösung für Verkehrsprobleme vor Ort. Die 106 Kilometer lange Bahnlinie war ursprünglich zweigleisig projektiert. Ein genereller zweigleisiger Ausbau sei aber notwendig, um die Vogelsbergbahn attraktiver und leistungsfähiger zu machen.

Nur so könnten Standzeiten im Begegnungsverkehr vermieden und im Rahmen eines künftigen Deutschland-Taktes die Anschlussverbesserung und -sicherung gewährleistet werden. Denn bislang können keine weiteren Züge eingesetzt werden, weil es an Haltepunkten fehlt, wo sich die Züge begegnen können. Eine schnellere Bahnverbindung nach Gießen, in die Wetterau und nach Frankfurt sei gerade für Pendler attraktiv.

Für die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beschlossene Verdopplung der Fahrgastzahlen im Eisenbahnverkehr sei auch die Wiederbelebung stillgelegter Strecken ein wichtiger Schritt. Aretz verweist auf die Unterstützung solcher Vorhaben durch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. So könne die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken aus den erhöhten Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) gefördert werden.

Für Mittelhessen bieten sich zwei Reaktivierungen an: Die Lumdatalbahn zwischen Lollar und Grünberg und die Ohmtalbahn zwischen Kirchhain und Burg- und Nieder-Gemünden. Zur Bahnstrecke zwischen Homberg und Gemünden gab es kürzlich eine Anfrage von Jan Schalauske von der Linken im Landtag. In der Antwort hat die Landesregierung auf Zuschüsse verwiesen, die das Land zum Erstellen einer Machbarkeitsstudie zur Verfügung stellt. Lokale Aufgabenträger wären dabei der Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Vogelsbergkreis, die in Abstimmung mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Machbarkeit prüfen lassen können.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird über das Thema bereits seit einiger Zeit diskutiert. Dort waren nach einem Antrag von Linken und SPD auch die anderen Fraktionen der Meinung, es sei sinnvoll, die Ohmtalbahn zu reaktivieren, wie die »Oberhessische Presse« schrieb. Danach könnten auf der Bahn auch wegen ihrer günstigen Topografie die acht Kilometer demontiertes Gleis wiederhergestellt werden. Derzeit endet die Ohmtalbahn in Ober-Ofleiden. Laut Zeitungsbericht der OP ließ der Rhein-Main-Verkehrsverbund aber durchblicken, dass zunächst eine Prüfung auf Anregung der Kommunen stattfinden muss.

Um die ländliche Region zu stärken, braucht es attraktivere Bahnhöfe. Mira Aretz fährt oft vom Bahnhof Alsfeld ab: »Es kann nicht sein, dass Rollstuhlfahrer und Menschen mit Fahrrädern keinen vernünftigen Zugang haben.« Wenn die Vogelsbergbahn zweigleisig wäre, könnten auch stillgelegte Stationen wie in Wallenrod wieder in Betrieb gehen.

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