Das Kreiskrankenhaus Alsfeld soll durch einen Neubau ersetzt werden, wenn der Kreistag dem Beschluss im Ausschuss ebenfalls zustimmt. 	FOTO: JOL
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Das Kreiskrankenhaus Alsfeld soll durch einen Neubau ersetzt werden, wenn der Kreistag dem Beschluss im Ausschuss ebenfalls zustimmt. FOTO: JOL

Rückenwind für neues Krankenhaus

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Zeichen in der Kreis- politik stehen auf einem Neubau für das Kreiskrankenhaus Alsfeld. Wenn der Kreistag Ende Januar zustimmt, soll auf dem Parkplatz gebaut werden. Im Ausschuss gab es eine schon sehr breite Mehrheit. Der Neubau sei billiger als eine mög- liche Sanierung. Künftig hat die Klinik nur noch 142 statt 188 Betten.

In sechs Jahren soll das dann neue Kreiskrankenhaus Alsfeld Patienten aufnehmen. Darauf einigen sich am Mittwoch die Mitglieder des Hauptausschusses des Kreistags mit großer Mehrheit (diese Zeitung berichtete). Wenn das Votum in der Kreistagssitzung bestätigt wird, schiebt der Kreis ein gewaltiges Bauprojekt an, das hohe Schulden mit sich bringt. Doch eine Sanierung des Altgebäudes würde etwa 15 Millionen Euro teurer, hat das Beratungsbüro Andree Consult errechnet. Ziel ist künftig ein kleineres Haus mit geringeren Betriebskosten.

In der Ausschusssitzung stellten Fred Andree und Michael Barkow vom Beratungsbüro sowie Klinik-Geschäftsführer Ingo Breitmeier die Kalkulation vor. So soll es künftig 142 vollstationäre Betten geben, davon sechs im Intensivbereich. Vier Operationssäle und sechs Fachabteilungen sind vorgesehen. Die Klinik wird also die Bereiche Allgemein-/Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Innere Medizin, Geriatrie, Hals-Nasen-Ohren, Anästhesie und Intensivmedizin haben. Zudem werden Plätze in der immer wichtiger werdenden Kurzzeitpflege vorgesehen. Hinzukommen die physikalische Therapie, Management, Küche und andere allgemeine Dienste.

66 Millionen für den Neubau

Ein Problem stellen die Anforderungen für den laufenden Betrieb dar. So ist der Brandschutz auch bei einem Neubau für das bestehende Gebäude zu überarbeiten. Auch die Druckluftanlage und das Telefonsystem müssen schnell erneuert werden. Die Akutmaßnahmen beziffern die Berater auf fast 1,2 Millionen Euro. Eine Sanierung im laufenden Betrieb dauert laut Andree etwa 15 Jahre. Die Kosten liegen bei knapp 74 Millionen Euro brutto, hinzukommen die Instandhaltungen im Altgebäude über den kompletten Zeitraum mit weiteren 11,3 bis 22,5 Millionen Euro brutto. Bei einem Neubau muss man mit sechs Jahren Projektlaufzeit rechnen, die Kosten bezifferte Andree auf knapp 66 Millionen Euro. In der Zwischenzeit fallen für die Instandhaltung am vorhandenen Haus fünf bis zehn Millionen Euro an.

Ein Neubau sei kostengünstiger und biete optimale Baustrukturen. Zudem werde während der Bauzeit der Betrieb in dem benachbarten Krankenhaus wenig beeinträchtigt. Das sei auch wichtig, um das Personal zu halten. Zudem werde in einem Neubau eine aktuelle IT-Infrastruktur errichtet. Ein Vorteil der Sanierung ist, dass keine Abbruchkosten anfallen.

Die Kostenschätzungen und die Abwägung der Vor- und Nachteile hatten Landrat Manfred Görig dazu bewogen, gleich einen Antrag mitzubringen. Demnach solle der Neubau noch in diesem Jahr angegangen werden. Das wurde bei Ablehnung der FDP so empfohlen. Trotz der Zustimmung gab es auch kritische Töne. So fragten Friedel Kopp (FW) und Michael Riese (Linke) nach der erheblichen Kostensteigerung. So gab es eine frühere Umbauplanung für 27 Millionen Euro. Diese bezog sich auf ein anderes Konzept, sagte Breitmeier. Danach sollte in Alsfeld ein Portalkrankenhaus entstehen, das schwierigere Fälle nach Bad Hersfeld oder Fulda überweist.

Zudem betonte Fred Andree, dass eine sehr »konservative Rechnung« aufgemacht wurde, künftige Preissteigerungen berücksichtigt sind. Barkow ergänzte, dass in der neuen Kalkulation Außenanlagen und Baunebenkosten eingerechnet sind. Görig machte wenig Hoffnung, man könne bei den Kosten deutlich herunterkommen. So sind die Investitionen in Brandschutz und Druckluftanlage nötig, »das muss jetzt geschehen«. Für einen Neubau sei eine europaweite Ausschreibung erforderlich, die dauert. Die von der Beratungsfirma genannten zwei Jahren Planungszeit »kommen locker zusammen«.

Dr. Udo Ornik (Grüne) regte an, beim Land anzuklopfen, ob zusätzliche Fördermittel zu bekommen sind. Da sieht Görig eine »Wahrscheinlichkeit null«, früher zugesicherte Mittel sind inzwischen vergeben. Das Land hat 13 Millionen Euro für einen Neubau zugesagt, der Rest muss über Kredite finanziert werden. Erster Beigeordneter Jens Mischak ergänzte, dass erst ein modernes Gebäude errichtet werden soll und man dann weitere Fördermöglichkeiten sucht. Dabei verwies er auf die Debatte um die Krankenhausstrukturen. Um die Klinik in Alsfeld zu sichern, brauche man ein zukunftsfähiges Haus.

Kritik der FDP

Deutliche Kritik an den vorgelegten Zahlen äußerte Mario Döweling (FDP). Sie seien nicht detailgenau genug. So sei nicht klar, wie teuer eine moderne IT-Ausstattung bei einer Sanierung und beim Neubau kommt. »Es wäre ein Blankoscheck, wenn wir den Beschluss so fassen.« Das wies Görig zurück, in einer Vorlage zur Kreistagssitzung werden die Kosten für den Etat 2021 beziffert. Dort sind 4,8 Millionen Euro für das aktuelle Jahr angesetzt. Die weiteren Kosten sollen in den Investitionsplan der folgenden Jahre aufgenommen werden.

Auf Nachfrage erläuterte Breitmeier, dass die Bettenzahl mit Blick auf die kürzere Verweildauer im Krankenhaus abgebaut wird. Aktuell sind um die 120 Betten belegt, der Engpass besteht beim Personal.

Für eine Nachnutzung des Gebäudes aus den 1970er Jahren gibt es keine Pläne. Wenn sich kein Interessent findet, wird es abgerissen. Das kostet dann weitere rund 2,5 Millionen Euro.

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