Dekanatskantor Simon Wahby an der Kirchenorgel. FOTO: PM
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Dekanatskantor Simon Wahby an der Kirchenorgel. FOTO: PM

Richtungswechsel zum Oratorium

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Alsfeld(pm). Ein 25-jähriges Dienstjubiläum ist gemeinhin Anlass zur Rückschau auf das Geleistete, bezieht sich auf die Person des Jubilars. Bekleidet der jedoch eine Position im Blickpunkt der Öffentlichkeit, so steht die Arbeit auch in Hinblick ihrer Außenwirkung im Mittelpunkt des Interesses. Das ist sicher beim Leiter von Chören und Musikveranstaltungen angezeigt. In diesem Sinne ist der folgende Rückblick von Dekanatskantor Simon Wahby auf seine 25-jährige Amtszeit auch eine Schau auf die musikalische Entwicklung in seinem Wirkungskreis.

"Wer hätte das gedacht! Pünktlich zum 25 Jährigen bekam ich ein ungewöhnliches Geschenk. Eine nie da gewesene Pause, die das alles ruhig stellte, was bisher gewesen war und mich zurückblicken ließ. Zum ersten Mal Zeit, um mein Büro aufzuräumen, alte Sachen wegzustellen und Platz für Neues zu schaffen, Urlaub und Resturlaub zu nehmen, ohne Sorgen um eine geeignete Vertretung. Einfach einreichen und genehmigen lassen, irgendwie befreiend.

Kirchenmusik erlebt Glanzpunkte

Aber, wenn ich genauer darüber nachdenke, habe ich mir mein 25. Dienstjahr ganz anders vorgestellt. Mit Veranstaltungen und Konzerten. Ich wage nicht weiterzudenken, es ist in diesem Jahr eine besondere Ausnahmesituation, allerdings ist das Wirken von 25 Jahren an einer Stelle wohl heutzutage auch eher eine Ausnahmesituation. Wenn überhaupt ein Dekanatskantor oder eine Dekanatskantorin hier lange verweilt hat, dann fällt mir nur die erst jüngst verstorbene Brigitta Pohl ein, die ich noch selbst kennenlernen durfte.

Viele Jahre der permanenten Tätigkeit haben mich immer wieder was Neues entdecken lassen. Ich konnte Gelegenheiten wahrnehmen, Richtungen kurzfristig ändern, mit dem einen anfangen und dem anderen aufhören. Dazu gehörten Wünsche erkennen, am Ball bleiben, um flexibel reagieren zu können. Ich bin dankbar für viele schöne Erinnerungen und den Menschen, die mir geholfen haben, diesen Weg zu gehen. Ich sehe viele Choraufführungen und Konzerte und denke, dass die Kirchenmusik in unserer Region in den vergangenen 25 Jahren zahlreiche Glanzpunkte erleben durfte. Das Dekanat und die Gemeinde schätzen die zuverlässige und permanente kirchenmusikalische Arbeit. Sicher es gab auch die anderen Zeiten, die schwierig und unwegsam waren.

Ich denke aber dankbar an die Zeit der Gründung der Kantorei und später an die der Dekanatskantorei, mit der es einen Richtungswechsel zum Oratorium hin gab, zurück. Durch die Änderung der Anstellungsträgerschaft war es nun möglich, in Alsfeld und Umgebung mit berühmten Werken der Chorliteratur auf sich aufmerksam zu machen. Viele angestammte Sängerinnen und Sänger der zahlreichen Kirchenchöre machten neben ihren eigenen Chören von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Das ist ein Unternehmen, das bis heute erfolgreich anhält und mit den eher unbekannten Oratorien wie "Annelies - Anne Franks Tagebücher" und "Dietrich Bonhoeffer" im Rahmen der von mir ins Leben gerufenen Reihe "musik in der kirche" wichtige Akzente in der ganzen Region setzte. Bei ungefähr zwölf Konzerten pro Jahr von Kantaten bis zum Weihnachtsoratorium wirken bis heute noch das Brahms Requiem, die Johannes Passion von Johann Sebastian Bach und die beiden Oratorien von Mendelssohn-Bartholdy und Joseph Haydn nach.

Ich bin mir bewusst, dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung des evangelischen Dekanates Vogelsberg, jetzt unter der Leitung von Dekanin Dr. Dorette Seibert und Präses Sylvia Bräuning, der evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld, jetzt unter der Leitung von Pfarrer Peter Remy, und dem Zentrum Verkündigung, jetzt unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum.

Weiterhin sind es die Kinder im Kindergarten, die mir oft und gerne Augen und Ohren öffneten. Es sind die Schülerinnen und Schüler, mit de- nen ich gerne einen Teil der Musikwelt entdecke. Es sind die zahlreichen ergiebigen Gottesdienste und natürlich das Instrument der Kirche, die Orgel, die in keinem Fall zu kurz kommt. Dieser Rückblick lässt mich dankbar alle grüßen für 25 Jahre Kirchenmusik."

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