+
Anja Zimmer liest im Homberger Schloss über die freiheitliche Journalistin Louise Otto Peters.

Revolutionär zwischen Buchdeckeln

Homberg (koa). Anja Zimmer stellte jetzt in der laufenden Kulturreihe "Ohm sweet Ohm" ihr Buch über Louise Otto Peters vor. Die Not des Proletariats und die gesellschaftliche wie politische Degradierung der Frau zum bloßen Sein - für die junge Louise Otto war es eine Seelenqual, die Situation in ihrem Heimatland zu sehen und nichts dagegen tun zu können. Eine junge Frau, die zu ihren Lebzeiten nicht einmal ohne Begleitung eine Reise antreten konnte, geschweige denn alleine leben durfte.

Die Geschichte schrieb das frühe 19. Jahrhundert, als sie als Mädchen in eine Familie des gebildeten Mittelstandes hineingeboren wurde. Als sie ihre Eltern verlor und bei einer alten Tante lebte, überrannte der technische Fortschritt ihre Zeit. "Louise war begeistert", erzählte Anja Zimmer, die es sich mit zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern im altehrwürdigen Saal des Schlosses gemütlich gemacht hatte, um aus ihrem Werk "Ich habe Licht gebracht" - das Leben der Louise Otto Peters zu lesen. Je schneller ihre Zeit sich bewegte - das wurde deutlich - umso mehr Verlierer blieben auf der Strecke: Arbeiter, die im Biedermeier inmitten von Blümchentapeten an Hunger starben. Und Frauen, die keine Rechte hatten. In ihrem Roman zu der die deutsche Geschichte prägenden Literatin machte Anja Zimmer deutlich, dass der revolutionäre Geist nicht nur in ihr schlummerte, sondern in ihrem Land viel bewegen sollte. Es begann mit einer Reise. "Müsste man nicht das Land bereisen, damit man sagen konnte, das ist mein Land.

Zeitung gegründet

Es konnte doch nicht sein, dass die Hälfte eines Volkes fremd war im eigenen Land, weil Frauen zu Hause sitzen und ihren Kanarienvogel füttern sollen", hatte sie sich erregt und war losgezogen. Sie beschließt, dass es Mut braucht und Einsatz, um diese Situation zu verbessern. In interessanten Schritten führte Anja Zimmer an diesem Abend durch das Leben einer einzigartigen Frau, die als Literatin und Poetin in die Öffentlichkeit trat. Politischer Journalismus - das war ihre selbstgewählte Lebensaufgabe. Sie veröffentlichte ab 1849 die "Frauen-Zeitung" und begann sich für politische Häftlinge einzusetzen. Ihr Leben mit dem Revolutionskämpfer August Peters ging in die Arbeit als Verleger über. Ihr Mann gründete den Leipziger Generalanzeiger, sie selbst die Mitteldeutsche Volkszeitung. Ihr Leben endete dennoch in Armut, denn nach dem Tod ihres Mannes musste sie sich auf die Gesellschaft verlassen. In ihrer eigenen Not gründete sie den Frauenbildungsverein in Leipzig und den Allgemeinen Deutschen Frauenverein und ließ bei der ersten deutschen Frauenkonferenz in Leipzig einen bundesweiten Verein gründen. Innerhalb von fünf Jahren wuchs die Mitgliederzahl auf 10 000 an.

Begleitet von Frank Glabian an der Gitarre und Erika Drogi-Haas alias "Tempus Manet" hinterließ Anja Zimmer mit ihren Romanauszügen die Gewissheit, dass Louise Otto Peters eine der bedeutendsten Personen der deutschen Geschichte darstellte. Das Buch ist im Handel erhältlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare