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Retter der Bergmähwiesen geehrt

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Von: Redaktion

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Landwirt Frank Groh mit seinen drei Söhnen. © Red

Vogelsbergkreis (pm). »Mit bis zu 60 verschiedenen Arten wie Arnika oder Goldhafer sind Bergmähwiesen ein Hotspot der Biodiversität. sagte Umweltstaatssekretär Oliver Conz am Mittwoch bei der Preisverleihung zur 3. Bergmähwiesen-Meisterschaft in Wiesbaden. Conz verkündete die fünf Sieger und den Empfänger des Sonderpreises »Artenreichste Wiese«.

Wer die schönsten Bergmähwiesen mit den meisten Pflanzenarten im Vogelsberg hat, bewertete eine Jury aus Vertretern der Landwirtschaft, von Naturschutzverbänden, des Vogelsbergkreises, des Naturschutzgroßprojekts Vogelsberg und des Regierungspräsidiums. Die Wiesen wurden anhand verschiedener Kriterien wie Artenvielfalt, Vegetationsausprägung und Futterwert der Pflanzen betrachtet.

»Landwirte mähen diese Wiesen in jahrhundertealter Tradition zu besonderen Zeitpunkten und lassen ihre Nutztiere dort weiden. Im Vogelsberg findet man nahezu die Hälfte der Bergmähwiesen in Hessen«, informierte der Umweltstaatssekretär.

»Wirtschaftlich gesehen sind solche Wiesen für den Landwirt wenig lukrativ, weil die Wiesen ohne Düngung ertragsarm sind. Deshalb ist die Arbeit der Bewirtschafter besonders zu schätzen«, sagte Joachim Schönfeld vom Amt für Wirtschaft und ländlichen Raum des Vogelbergkreises, das die Bergmähwiesen-Meisterschaft ausrichtet.

Die Preisgelder in Höhe von 12 800 Euro stammen von »Nähe ist gut«, einer hessischen Nachhaltigkeits-Initiative von Rewe, Hassia Mineralquellen und der Schwälbchen Molkerei. »Nähe ist gut‹ engagiert sich seit 2016 für die gefährdeten Bergmähwiesen im Vogelsberg und möchte das öffentliche Bewusstsein für die Schönheit und ökologische Bedeutung dieses Naturraums stärken«, sagte Jürgen Scheider, Vertreter der Nachhaltigkeits-Initiative und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rewe Region Mitte.

Die Höhe der Preisgelder haben die Gewinner der Meisterschaft mehr als 900 hessischen Wanderern zu verdanken. »Für jede Wanderung auf dem neun Kilometer langen Bergmähwiesen-Pfad spendete »Nähe ist gut« 14 Euro für die Bewirtschafter,« erklärte Günter Berz-List von der Nachhaltigkeits-Initiative und Vorstand der Schwälbchen Molkerei. »Aufgrund des großen Erfolges der Aktion auf dem Bergmähwiesen-Pfad, der zwischenzeitlich als Premiumwanderweg in Deutschland ausgezeichnet wurde, werden wir auch zukünftig pro Wanderung einen bestimmten Betrag an die Bewirtschafter spenden«, sagte Andreas Dietzel, Vertreter von »Nähe ist gut« und Geschäftsführer Vertrieb HassiaGruppe.

Hof Groh in vierter Generation betrieben

»Wir führen unseren Hof bereits in der vierten Generation und machen das mit Herzblut«, berichtet Frank Groh aus Ulrichstein. » Die wunderschöne Lage im Vogelsberg macht unsere Arbeit besonders abwechslungsreich und lässt uns das Schöne in den einfachen und natürlichen Dingen sehen. Wir genießen die Arbeit in der Natur, aber die Auflagen werden immer höher und die Anzahl der Betriebe nimmt ab. So muss jeder seine Nische finden. Die Generation meiner Eltern verfolgte das Ziel, den Betrieb auszuweiten und größere Mengen zu produzieren. Ich habe den Fokus hingegen auf eine nachhaltigere Landwirtschaft gelegt. Unsere Kühe erhalten auf 200 Hektar Grünfläche zu einhundert Prozent Bergmähwiesenfutter. Deshalb schätzen wir die Bergmähwiesen vor allem für ihre wertvollen Gräser.

Den großen Teil der Milch verkaufen wir. Aber vor einem Jahr haben wir angefangen, auch eigenen Gouda zu produzieren. Das Produkt wird sehr gut angenommen, mittlerweile gibt es Käse mit Bockshornklee, Chili und Bärlauch. Im Moment testen wir die Herstellung von eigenem Frischkäse. Den Käse verkaufen wir einmal pro Woche auf dem Hof oder über andere Partner in der Region, wie zum Beispiel die Vogelschmiede an der Herchenhainer Höhe.

Der Hof ist ein absolutes Familienprojekt. Meine drei Jungs helfen wo sie können und machen das mit Begeisterung. Der Große ist der Techniker, der gut mit den Maschinen umgehen kann. Die beiden Zwillinge ergänzen sich - Noah plant die Arbeitsschritte und Elias führt sie aus. Die Grundlagen für einen zukunftsfähigen Betrieb haben wir somit geschaffen. Wir freuen uns jeden Tag über diesen Beitrag zu einer intakten Natur. Jede Wiese ist einzigartig. Diese Abwechslung ist großartig, auch wenn sie uns oft die Arbeit erschwert. Aber diese machen wir mit Herzblut bereits in der vierten Generation.«

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