Etwa 60 000 Quadratmeter verseuchten Bodens im Bereich der alten Munitions-Abfüllanlage der WASAG sind abgebaggert und mit sauberer Erde aufgefüllt worden, wie Elisa Walter (2. v. l.) vom Fachbüro erläutert. FOTO: JOL
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Etwa 60 000 Quadratmeter verseuchten Bodens im Bereich der alten Munitions-Abfüllanlage der WASAG sind abgebaggert und mit sauberer Erde aufgefüllt worden, wie Elisa Walter (2. v. l.) vom Fachbüro erläutert. FOTO: JOL

Reste von Sprengstoff beseitigt

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Der Schutz des Trinkwassers ist ein zentraler Punkt beim Streit um die geplante Autobahn A 49. Nun meldet die Planungsgesellschaft Deges den Abschluss der Sanierungsarbeiten bei einer alten Sprengstofffabrik in Stadtallendorf und der Bergung von alter Kriegsmunition im Wald bei Kirtorf.

Der politische Streit um den Weiterbau der Autobahn A 49 dauert an, unstrittig ist dabei, wie wichtig die Investitionen in die Umwelt der Region sind. So meldet die Projektmanagementgesellschaft Deges nun die umfangreiche Reinigung von verseuchten Böden in Stadtallendorf und die Räumung von Munitionsresten aus dem benachbarten Waldstück. Dabei geht es um beachtliche Mengen: 60 000 Tonnen verseuchte Erde und Gebäudereste wurden in Deponien gebracht und 130 Hektar Wald abgesucht.

Auf dem Gelände der ehemalige Füllgruppe II der früheren Sprengstofffabrik WASAG am Rand von Stadtallendorf bietet sich nun ein idyllisches Bild, wie sich beim Ortstermin zeigt. Elisa Walter von einem Fachbüro aus Achim und Johannes Wengenroth von der Deges verwiesen voller Stolz auf das gute Ergebnis ihres Bemühens. Die Autobahntrasse führt quer durch den Bereich, in dem einst Zwangsarbeiter für die Wehrmacht Munition hergestellt haben. "Da wurden vorwiegend Torpedos und Granaten für die Marine abgefüllt", sagt Wengenroth.

Nun ziert ein grünes Band mit einem Pflanzengemisch einen Gutteil der sanierten Fläche von rund 60 000 Quadratmetern auf dem großen Wasag-Gelände. Sie befindet sich am Rand Stadtallendorfs auf dem Riesenareal der Herrenwald-Kaserne.

Hochgiftige Stoffe

Rund zehn Millionen Euro investiert der Bund in die Altlastensanierung und Kampfmittelräumung auf einem 130 Hektar umfassenden Areal. Die seit langen geplanten Arbeiten wurden um ein Jahr vorgezogen. Die Sanierung des Bereichs der ehemaligen Füllgruppe II konnte bereits abgeschlossen werden. Die Fläche der künftigen Autobahn wurde mit Mutterboden bedeckt und begrünt. Das ist eine Vorgabe des Regierungspräsidiums wegen der wasserschutzrechtlichen Genehmigung.

Insgesamt wurden knapp 60 000 Tonnen Abbruch- und Bodenaustauschmassen entsorgt, sagt Wengenroth. Davon wurden rund 28 000 Tonnen besonders stark verschmutzten Materials zu einer Sondermülldeponie nach Leverkusen abtransportiert.

Eineinhalb Jahre dauert die Bodensanierung. Die Erde wurde schichtenweise abgetragen, auf Kontaminierung geprüft und dann Lkw-weise zu der jeweils passenden Deponie gefahren. Besonders belastet waren die Bereiche der ehemaligen Kanalsysteme, wie Walter erläutert. Nach jedem Arbeitstag wurden einst die Staubreste an den Wänden abgewaschen, die giftigen Abwässer in Kanäle abgeleitet.

Die Hauptkontamination auf dem Gelände bilden TNT, Hexogen, Hexyl und sogenannte PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Die Schadstoffe stellen eine direkte Gefährdung für das Grundwasser und die Trinkwassergewinnung und somit für den Menschen dar. Die Munitionsreste sind stark krebserregend, sagt Walter. Schon bisher konnten Gifte bei Starkregen abgespült werden, In Bereichen, die nicht von Bäumen gesichert werden, konnte die vertrocknete Erde durch Wind verweht werden.

Die Arbeiten erstrecken sich insgesamt auf 130 Hektar, sie betreffen größtenteils Wald für Ausgleichsmaßnahmen. In dem Bereich zwischen Stadtallendorf, Wahlen und Kirtorf war nach dem Krieg ein Sprengplatz eingerichtet. Munitionsreste wurden in Bombentrichter geschoben und gesprengt. Dabei flogen unzerstörte Granaten, Zünder und Patronen in die Umgegend. Im Auftrag der Deges sammelten die Räumtrupps rund 42 000 Kilogramm Kampfmittelteile ein. Darunter waren 8959 Stück Munition im unzerstörten Zustand mit einer Gesamtmasse von 5730 Kilogramm.

Die Räumung im Wald war für die geplanten Ausgleichsmaßnahmen notwendig. "Die Forstarbeiter gehen nicht in den Wald, wenn dort nicht geräumt ist", hob Deges-Vertreter Wengenroth hervor. In dem Bereich soll statt der verdorrenden Fichtenbestände ein gesünderer Eichen-Mischwald entstehen. Am Rand der Autobahn sollen zudem 20 000 Quadratmeter Wald aufgeforstet werden.

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