Gesundheitsamtsleiter Rüdiger Rau zeigt, wo die Spritze für die Impfung gesetzt wird. Landrat Manfred Görig beobachtet die Szene im Impfzentrum.
+
Gesundheitsamtsleiter Rüdiger Rau zeigt, wo die Spritze für die Impfung gesetzt wird. Landrat Manfred Görig beobachtet die Szene im Impfzentrum.

In Rekordzeit Impfzentrum errichtet

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Es sind nur 16 Kabinen aus Stellwänden in einer großen Halle, doch sie bergen viel Hoffnung. In Rekordzeit hat der Vogelsbergkreis das Impfzentrum in der Alsfelder Hessen- halle eingerichtet, ab Januar kann dort gegen das Coronavirus geimpft werden. Täglich sollen 1000 Vogelsberger immunisiert werden.

Die Trennwände sind aufgestellt, die Kabel verlegt und ein erster Probedurchlauf mit 50 Freiwilligen ist fast reibungslos verlaufen. Das Impfzentrum in der Hessenhalle Alsfeld ist eingerichtet, ab Anfang Januar können dort 1000 Personen pro Tag gegen das Coronavirus geimpft werden.

"Wir sind mit die ersten in Hessen, die damit fertig sind", berichtet Landrat Manfred Görig mit Stolz. Immerhin war der "Marschbefehl" des Landes erst am 25. November gekommen. Es musste eine gewaltige Anstrengung unternommen werden, um die Veranstaltungshalle zu einem ärztlichen Zentrum umzurüsten.

Parallel dazu wird Personal gesucht. Bislang haben sich über 500 Menschen gemeldet. Sie sollen im Zwei-Schichtbetrieb von 7 bis 22 Uhr an sieben Tagen pro Woche arbeiten, um zügig den Impfstoff unter das Volk zu bringen. Dabei werden Mitarbeitende für Verwaltung, Rettungsdienst, Logistik und medizinisches Fachpersonal gesucht.

Ihr neuer Arbeitsbereich präsentiert sich vorwiegend weiß. Mehrere Bereiche sind mit weißen Raumteilern voneinander abgetrennt. Im Einbahnstraßensystem geht es von Station zu Station, wie der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Dr. Rüdiger Rau, vorführt.

Die Terminvergabe erfolgt zentral über die Kassenärztliche Vereinigung. Dabei wird darauf geachtet, dass immer nur wenige Menschen gleichzeitig vor der Halle eintreffen. Noch vor Eintreten in das Innere misst ein Mitarbeiter die Temperatur der Besucher. Menschen mit Fieber oder Krankheitssymptomen werden wieder weggeschickt und bekommen einen neuen Termin, wenn die Infektion vorüber ist.

Für die Übrigen geht es zur Anmeldung. Dort werden die Personalien erfasst und geschaut, ob die Voraussetzungen stimmen. Denn als Erste sollen Hochbetagte und Menschen mit Vorerkrankungen gegen das Virus geimpft werden. Sie nehmen zunächst in einem Bereich mit 50 Stühlen Platz, wo ein Arzt über Verlauf und mögliche Risiken der Impfung informiert.

16 Kabinen in zwei "Impfstraßen" stehen dann für das Setzen der Nadel in den Oberarm bereit. "Das dauert nur wenige Sekunden, und die Menschen spüren davon fast nichts", betont Rau.

Im Ruhebereich stehen Stühle in gebührendem Abstand zueinander, damit die Geimpften noch 15 Minuten unter Beobachtung stehen. "In sehr seltenen Fällen kann es zu einer allergischen Reaktion kommen", erläutert Rau. Das kann von der Hautrötung bis zur Atemnot reichen.

Der ganze Durchgang soll pro Person etwa 25 bis 30 Minuten dauern. Rau rechnet damit, dass 65 bis 70 Personen pro Stunde geimpft werden können. Das Ziel ist es, 1000 Menschen täglich mit dem möglicherweise rettenden Pieks zu versehen. Die Impfung muss nach drei Wochen wiederholt werden.

Gearbeitet wird im Zwei-Schichtbetrieb, wie Görig sagt. Rund 50 Personen von der Verwaltungskraft bis zum Arzt sind nötig - und das über Wochen hinweg. Deshalb wirbt der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak dafür, dass sich noch weitere Menschen melden, um die gewaltige Kraftanstrengung gemeinsam zu meistern. Denn zusätzlich zu dem Impfzentrum werden mobile Teams in Pflegeeinrichtungen und Seniorenheime kommen, sobald der Impfstoff verfügbar ist.

Dahinter steckt eine gewaltige logistische Leistung, wie Görig hervorhebt. Mehr als 30 Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben den Aufbau des Impfzentrums koordiniert, allein für das Umrüsten der Hessenhalle wurden bislang rund 240 000 Euro aufgewendet. Dazu gehören Kühlschränke, um den Impfstoff aufzubewahren. Zweimal pro Woche soll ein Tiefkühl-Konzentrat geliefert werden, das vor der Impfung auf Raumtemperatur gebracht und zu der Impfdosis verdünnt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare