Die Mitglieder des Aktionsbündnisses "Keine A 49" arbeitet weiter daran, die Autobahn zu verhindern und große Waldbestände zu retten. FOTO: ARCHIV
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Die Mitglieder des Aktionsbündnisses "Keine A 49" arbeitet weiter daran, die Autobahn zu verhindern und große Waldbestände zu retten. FOTO: ARCHIV

"Rechnen mit Baustopp an A 49"

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Homberg/Kirtorf(pm). Trotz Corona-Krise gehen die Proteste gegen den Weiterbau der A 49 weiter. Am Sonntag trafen sich im Dannenröder Forst rund 70 Teilnehmer einer Kundgebung. Der Protest "für eine zukunftsfähige Politik" sei auch in den vergangenen Wintermonaten und den schweren Zeiten der Pandemie stets weitergegangen, so das Aktionsbündnis "Keine A 49".

Die Mahnwache am Sportplatz in Dannenrod sei täglich "coronakonform" besetzt. Die Besetzung der Baumhäuser auf der geplanten Trasse sei durchgehend aufrechterhalten geblieben. Eine aktuelle Petition beim Landtag und das laufende Klageverfahren gegen die A 49 machten "den Weiterbau der umstrittenen Autobahn unwahrscheinlicher", glaubt man beim Aktionsbündnis. Es hat sich deshalb mit den Folgen eines möglichen Baustopps auseinandergesetzt. Es kommt zum Schluss: "Alternative Konzepte sind ein echter Gewinn für Mittelhessen."

Baustopp gut für Mensch und Natur?

"Wir rechnen in Kürze mit dem Stopp für den weiteren Bau der A 49," erklärt Barbara Schlemmer für das Aktionsbündnis. "Reinhard Forst hat in seiner Petition beim Landtag gezeigt, dass kein rechtsgültiger Nachweis für die sogenannten zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses beim Autobahnbau vorliege. Am 23. Juni verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Klage des BUND. Schlemmer: "Wir rechnen mit der Entscheidung, dass der Planfeststellungsbeschluss vom 30. Mai 2012 aufgehoben wird oder zumindest ein ergänzendes Verfahren durchgeführt werden muss." Grund genug zu fragen, was passiert, wenn die A 49 bei Treysa endet.

"Unsere Antwort ist klar: Etwas Besseres könnte der Region Mittelhessen, ihren Menschen und der Natur nicht passieren." Reinhard Forst (Amöneburg) analysierte dazu eine Untersuchung im Auftrag der hessischen Straßenbauverwaltung von 2009.

Sie geht von einer zweispurigen Weiterführung der bisherigen A 49 von Treysa bis zur Straße Speckswinkel-Neustadt und einer kurzen Spange an die B 454 zwischen Stadtallendorf und Neustadt aus. Die Zusammenfassung: Die Auswirkungen auf die Region seien dabei um vieles günstiger als die des Weiterbaus der A 49.

Die Autobahnplanung solle rund 24 000 Kraftfahrzeuge am Tag vom Streckenzug A 5/A 7 auf die A 49 verlagern - die untersuchte Alternative verlagere nur rund zehn Prozent davon. Deshalb werde bei Treysa nur etwa ein Drittel des Verkehrs auf der vierspurigen Straße ankommen, anders als beim Weiterbau der A 49.

Gegenüber dem jetzigen Zustand werde der Verkehr auf der Strecke Stadtallendorf -Kirchhain-Cölbe und auf der Landesstraße durch den Ebsdorfer Grund zunehmen. Während ein Weiterbau der Autobahn vor allem in Treysa und Homberg/Ohm zu einem erheblich erhöhten Durchgangsverkehr führe, entfalle diese Neubelastung beim alternativen Konzept. Für den Kreis Marburg-Biedenkopf entstehe (mit Ausnahme der tiefergelegten B 454 in Stadtallendorf) eine "ortsdurchgangsfreie Verbindung Richtung Kassel, die auch die Industrie in Stadtallendorf nutzen könnte".

Mehr Fahrzeuge in Homberg

Schon die bestehende A 49 verursache erhebliche Lärmbelastungen. Beim Weiterbau der A 49 würden laut Reinhard Forst insbesondere Stadtallendorf-Ost vom Autobahnlärm und, infolge des erheblich größeren Durchgangsverkehrs, vor allem Treysa und Homberg/Ohm stark betroffen sein.

Bis zu eine Milliarde Euro würden auf diese Weise eingespart. Zudem werde eine erhebliche Fläche nicht versiegelt. Die Waldgebiete Herrenwald, Dannenröder Forst und Maulbacher Forst blieben unberührt. Eine zusätzliche Zerschneidungswirkung und Schadstoffeinbringung (etwa Auftausalze im Winter) würden vermieden. Die Grund- und Trinkwasserreserven bei Stadtallendorf würden nicht gefährdet.

Der Wander- und Fahrradtourismus werde nicht eingeschränkt, der ortsnahe Erholungsraum nicht beeinträchtigt. "Eine schöne Landschaft, in der man sich wohlfühlt, ist inzwischen als wichtiger Standortfaktor auch für Firmenansiedlungen anerkannt."

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