Grundwasser

Raubbau in Trockenzeiten

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Wer derzeit im Vogelsberg über Land fährt, dem fällt auf, wie wenig Wasser die Bäche führen. Die Beteuerungen der Wasserpumper aus dem Rhein-Main-Gebiet inklusive der politisch Verantwortlichen, die Grundwasserstockwerke im Vogelsberg, im hessischen Ried und im Burgwald seien gut gefüllt, stellen sich als Fehlbeurteilungen heraus.

In Zeiten längerer Trockenperioden, wie wir sie zurzeit erleben, werden die Bäche ausschließlich aus ihren Quellen gespeist, die wiederum aus den Grundwasserhorizonten abfließen. Zusätzlich zieht die beginnende Vegetation jetzt richtig viel Wasser ab, sodass wir bereits wieder Wassermangel haben. Trotzdem werden unsinnig hohe Mengen an Grundwasser in die Metropole gepumpt, dass man sich fragt, warum da nach mehreren Jahrzehnten Wasserkampf nicht endlich Vernunft einkehrt.

Im Dschungel der hessischen Trinkwasserwirtschaft, wo neben vielen kleinen öffentlichen Versorgern ein beinharter Filz aus halbprivaten (zum Beispiel OVAG) und komplett auf Profit ausgerichteten Unternehmen wie die Big Player Hessenwasser AG und Mainova AG herrscht, sind die politisch Verantwortlichen im grünen hessischen Umweltministerium und im grünen Frankfurter Umweltdezernat offensichtlich zu schwach, endlich ein integriertes Trinkwasserversorgungskonzept für Hessen zu verordnen. Stattdessen fließt seit drei Jahren zusätzlich gutes Grundwasser aus dem moorigen Naturschutzgebiet Burgwald bei Marburg durch die neue OVAG-Leitung direkt -runter nach Rhein-Main und werden weiter die Bäume in Frankfurt mit Vogelsberger Grundwasser in Trinkwasserqualität bewässern, weil die Mainova ihre Tanklaster zur Nutzung von Mainwasser aus Kostengründen abgeschafft hat. Stattdessen gibt es immer noch keine Vorschrift, ein zusätzliches Leitungssystem für Brauchwasser in allen Gebäuden einzubauen, was nicht nur auf Dauer Kosten sparen würde, sondern die Einsparung von 25 Prozent besten Grundwassers aus dem Frankfurter Umland zur Folge hätte. Im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens wurde ein Brauchwassersystem eingebaut, weil sich so etwas rechnet. Der DFB hat sich für den Neubau seines millionenschweren Leistungszentrums auf dem ehemaligen Rennbahngeländes dagegen entschieden, sodass man sich fragen muss, wer da wen gut kennt. Laut Gesetz hat die Versorgung der hessischen Bevölkerung mit Trinkwasser "wohnortnah" zu erfolgen.

Uwe Zaschel,

Wartenberg

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