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Raiffeisen-Lager vor der Schließung

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Samstags noch rasch einen Sack Zement holen oder an kalten Tagen den Brikett-Vorrat auffüllen können: Das wird Ende Juni vorbei sein, wenn die Volksbank Mittelhessen ihre Liegenschaft in Ruppertenrod veräußern kann. Das bedauert der Betreiber Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain, und den Kunden bleibt der Trost: Die Tankstelle wird wohl bestehen bleiben.

Ruppertenrod hat schon immer viele Firmen gehabt, am Ortsrand Richtung Wettsaasen ist sogar ein kleines Gewerbegebiet entstanden. Im Segment Lebensmittel gab es hingegen nur einen Rückgang. Nach der Schließung von Lebensmittelladen, Metzgerei und letztlich auch der Bäckerei bauen die Bürger auf die fahrenden Verkaufsstellen, was für das Warenlager von Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain keine Option ist. Für Bau-, Düngemittel und Brennstoffbedarf wird man ab Juli nach Alsfeld oder Homberg fahren müssen, wenn die Volksbank Mittelhessen die Liegenschaft so veräußern kann, wie sie es gerne hätte: Gebäude von Lager, Bank und Tankstelle an einen Interessenten.

Betreiber von Lager und Tankstelle ist derzeit Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain, die Firma würde das auch gerne fortsetzen. Aber für die ehemaligen Bankgebäude mit Schalter- und Konferenzraum sowie Büros habe sie keine Verwendung.

Nach Angaben der Volksbank Mittelhessen betreibt sie 80 Geschäftsstellen und 51 Selbstbedienungsstandorte in der gesamten Region. Vor diesem Hintergrund wirbt sie um Verständnis, dass die Bank bei Weitem nicht jedes Bankgebäude im Eigentum halten kann. Denn um dieses flächendeckende Filialnetz dauerhaft zu erhalten, müsse man, wie jeder andere Kaufmann auch, die Kostenseite im Blick behalten, informiert sie in einer Pressemitteilung.

Die Volksbank Mittelhessen nutze das Grundstück in Ruppertenrod nur zu einem kleinen Teil. Vor diesem Hintergrund sei es aus betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoll, dort nicht mehr als Eigentümer, sondern nur noch als Mieter vor Ort zu sein. Daher strebe die Volksbank Mittelhessen den Verkauf der Liegenschaft an. Der Käufer habe zugesichert, dass Tankstelle und Geldautomat erhalten bleiben.

"Wir würden unser Geschäft gerne weiterbetreiben", betont Armin Pfeil, Geschäftsführer von Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain. Aber einige Gebäude auf dem Grundstück könne man nicht verwenden. Deshalb habe man das Angebot der Volksbank Mittelhessen nicht aufgreifen können, alles zu erwerben. Eine leere Bank mit Schalterraum und Konferenzräumen sei nicht nötig. Allerdings signalisiert Pfeil auch Verständnis für die Handlungsweise der Gießener Volksbank Mittelhessen, die auf dem weitläufigen Areal und in den vielen Gebäuden nur mit einem Geldautomaten präsent ist.

Formal sei alles korrekt gelaufen, der Mietvertrag sei zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt worden. Sicher sei es für die Kunden des Warenlagers ein Erschwernis, die bisher angebotenen Artikel in Alsfeld oder Homberg holen zu müssen, aber Pfeil machte auch die Relation klar: Am Umsatz für Raiffeisen ist der Warenverkauf nur mit rund zehn Prozent beteiligt. Umsatzstark ist die Tankstelle. Für die beiden Arbeitskräfte von Raiffeisen in Ruppertenrod hatte Pfeil die gute Nachricht, dass sie andernorts eingesetzt werden können.

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