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Putins Krieg macht Brot teurer

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Heimische Landwirte können wegen langfristiger Verträge nur wenig auf die kriegsbedingt gestiegene Nachfrage nach Weizen reagieren. SYMBOLFOTO: IMAGO © Red

Die Ukraine und Russland sind für 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte verantwortlich. Putins Krieg hat nun die Preise für das Getreide explodieren lassen. Heimische Landwirte können zumindest kurzfristig aber nicht auf die gestiegene Nachfrage reagieren, wie der Hessische Bauernverband Gießen/Wetzlar/Dill erklärt.

Brot gilt als des Deutschen liebstes Lebensmittel. Aber auch in anderen Ländern werden gerne Teigwaren gegessen, selbst wenn dort die Anbaubedingungen für Weizen schlecht sind. »Ägypten, Tunesien, Marokko, eigentlich ganz Nordafrika importiert deswegen sehr viel«, sagt Daniel Seipp, Vorstandsmitglied des Hessischen Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill mit Sitz im Erdkauter Weg. Der Weizenpreis hat sich vergangenes Jahr bereits auf einem hohen Niveau bewegt. Durch den Krieg in der Ukraine, die zusammen mit Russland für 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte verantwortlich ist, sind die Preise aber regelrecht explodiert: Teilweise brachte eine Tonne auf dem Terminmarkt nun über 400 Euro ein, vor einem Jahr lag der Preis noch bei rund 230 Euro.

Mehrere Preistreiber

»Die Verbraucher müssen sich auf höhere Preise einstellen«, sagt Bernd Braun, Obermeister der Gießener Bäckerinnung. Sein Müller habe den Mehlpreis bereits um vier Cent pro Kilo angezogen. »Das klingt harmlos, ist aber auch nicht der einzige Preistreiber.« Dazu kommen Mehrkosten durch den teureren Sprit und im Herbst der neue Mindestlohn, was auch zu einer Verteurung der Backwaren führen wird.

Aber nur ein kleiner Teil des hierzulande angebauten Weizens endet in einem Brot. Laut Seipp werden rund 30 Prozent zu Mehl verarbeitet, der größere Teil, rund 60 Prozent, gehe in die Futterherstellung für die Tierhaltung. Und dort könne der gestiegene Weltmarktpreis je nach Tierart Bauern in Bedrängnis bringen. Vor allem Schweinehalter könnten an den Rand des Ruins getrieben werden, wenn sie nun neues Futter einkaufen müssen. »Hier können die Markterlöse der Tiere bereits jetzt kaum die Futterkosten decken«, sagt Seipp.

Auch wenn die Preise steigen: Einen Weizenengpass wird es in Deutschland wahrscheinlich nicht geben. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sagte bei einem Treffen der europäischen Agrarminister vergangene Woche: »Die Versorgung innerhalb der EU ist nicht gefährdet.« Er begründete das mit dem hohen Selbstversorgungsgrad innerhalb der Union.

Ernte bereits für 2022 verkauft

Anders sieht das aber bei den nordafrikanischen Ländern aus, die auf den Import von Weizen angewiesen sind. Aus der Ukraine sei der Import im Moment gar nicht möglich, die Häfen seien vermint oder sogar ganz zerstört, erklärt Seipp. »Da geht nichts raus.« Gleichzeitig seien aber die Weizenlager in einigen Ländern leer. Vergangenes Jahr habe es in mehreren Regionen der Erde eine geringe Ernte und gleichzeitig eine hohe Nachfrage gegeben. Das hatte bereits zu einem Anziehen des Preises geführt gehabt, weswegen manche Länder ihre Lager nicht gefüllt, sondern auf einen fallenden Preis gewartet haben. »Und dort wird es jetzt kritisch«, sagt Seipp.

Profitieren die heimischen Landwirte von den steigenden Preisen? »Eher nicht«, sagt Seipp. Das Problem sei, dass die Weizenproduzenten den Großteil der vergangene Ernte bereits im Oktober und November verkauft hatten. Und in der Landwirtschaft sei es üblich, längerfristige Verträge abzuschließen, weswegen viele Produzenten sogar schon die kommende Ernte des Jahres 2022 verkauft haben, und deswegen auch im Laufe des Jahres nicht von dem gestiegenen Preis profitieren werden.

Dass heimische Landwirte jetzt mehr Weizen anbauen, um die gestiegene Nachfrage zu bedienen, sei auch nur theoretisch möglich. Zwar werde in Deutschland zum überwiegenden Teil Winterweizen angebaut, das Getreide wird also im Oktober ausgesät, um die Erntemenge zu steigern. Aber auch der Anbau von Sommerweizen, der im März ausgesät wird, sei möglich. Jedoch gebe es auch hier wieder das Problem der langfristigen Verträge. Die Bauern haben für das laufende Jahr feste Anbaupläne und sich vertraglich schon verpflichtet, zum Beispiel Mais an einen Abnehmer zu liefern. Seipp sagt: »So kurzfristig auf die Nachfrage zu reagieren, ist da schwierig.«

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