Will weitere Mitarbeiter einstellen: Grünewald-Geschäftsführer Rudolf Schlosser mit dem Mundschutz in Alsfeld. FOTO: GKM
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Will weitere Mitarbeiter einstellen: Grünewald-Geschäftsführer Rudolf Schlosser mit dem Mundschutz in Alsfeld. FOTO: GKM

Die Produktion läuft und läuft…

Was vor Wochen das Toilettenpapier war, das sind jetzt Masken für Mund und Nase. Der Ansturm hat in den vergangenen Tagen mit der Verpflichtung in Hessen noch einmal massiv zugenommen. Liefern kann die Firma Grünewald aus Alsfeld, die die Produktion umgestellt hat. Bald könnten auch Fußballfans ausgestattet werden.

Der sogenannte Mund-Nasen-Schutz bleibt in diesen Tagen der absolute Renner. Die Textilfirma Grünewald aus Alsfeld, besser bekannt unter dem Markennamen "Arabella", versorgt die Region weiterhin mit relativ preisgünstigen Stoffmasken aus eigener Produktion.

Die Corona-Krise setzt vielen Wirtschaftszweigen hart zu. Dazu zählt auch die Textilwirtschaft. Von einem Tag auf den anderen hatte es auch die Alsfelder Textilfabrik der Grünewald GmbH getroffen. Sie stellt Nachtwäsche, Freizeit- und Strandbekleidung her und beliefert in normalen Zeiten große Textilhändler wie C&A, Sinn Leffers und Kaufhof, um nur einige zu nennen.

"Wir hatten die anstehende Lieferung von 15 000 Teilen für einen Kunden in unserem Zentrallager versandfertig bereitstehen, als die Nachricht kam, dass sie nicht mehr abgeholt wird", blickt Geschäftsführer Rudolf Schlosser auf den Beginn der Corona-Krise zurück. Er rechnet insgesamt mit einer Umsatzeinbuße von etwa 70 Prozent. Zwar laufen Geschäftsbereiche wie der Online-Handel, weiter, aber das macht für Arabella nur einen Umsatzanteil von rund fünf Prozent aus. So sah sich das Unternehmen veranlasst, für die Mitarbeiter Kurzarbeit zu beantragen.

Gleichzeitig entwickelte man ein Konzept, um zumindest teilweise weiter produzieren zu können. Dabei entstand die Idee, textilen Mundschutz herzustellen. Schon als sich die Entwicklung abzeichnete, nahm Schlosser Kontakt zu möglichen Abnehmern auf. Universitätskliniken wurden angeschrieben und zentrale Verteilstellen kontaktiert, die Ärzte und Apotheken dauerhaft mit dem dringend benötigten Nachschub an Mund-Nasen-Schutz versorgen. Als die Produktion losging, wurde man von der einsetzenden Nachfrage wie von einer "Lawine überrollt", sagte Geschäftsführer Grünewald.

Pro Woche bis zu 250 000 Masken

Die Ware wird in Polen konfektioniert und anschließend nach Deutschland transportiert. Hatte Schlosser zum Start mit einer Größenordnung von 80 000 Exemplaren pro Woche gerechnet, ist die Produktion derzeit bereits bei 150 000 Exemplaren angelangt. In den nächsten Wochen könne man sogar auf bis 250 000 Masken kommen. Man hat jetzt Kontakt zu Firmen in Österreich und Bulgarien wegen Kooperationen. "Der von uns angebotene Mundschutz ist zu 100 Prozent aus Baumwolle, kann gewaschen und bis zu 50-mal wiederverwendet werden," grenzt der Grünewald-Geschäftsführer die jetzt von seinem Unternehmen hergestellten Produkte gegenüber den vielfach benutzten Einmalteilen ab.

Als Preis nennt er 3,50 Euro pro Stück, der bei einer Abnahme von mehr als 50 Exemplaren sinkt. "Damit sind wir eins der wenigen Unternehmen in der Region, die so günstig anbieten", zeigt sich Schlosser zufrieden.

Die enorm angewachsene Produktion geht auf die rege Nachfrage aus ganz Deutschland zurück. Dabei hat sich mittlerweile ein breites Spektrum an Kunden ergeben. Neben der Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises haben diverse Unternehmen, aber auch Alten- und Pflegeheime sowie Apotheken großen Bedarf an den Stoffmasken.

Große Handelsketten wie Tchibo und Norma haben sie bereits bestellt, und selbst die Polizei, in diesem Fall in Bamberg, zählt zu den Abnehmern. Außerdem findet weiter der Direktverkauf am Alsfelder Firmensitz im ehemaligen BGS-Gelände (Am Ringofen) statt. "Täglich finden sich hier 30 bis 40 Kunden ein", berichtet Schlosser. Die Bestellungen erfolgen großenteils per Telefon und werden auch vom Geschäftsführer selbst entgegengenommen.

Von der Bestellung bis zur Auslieferung von großen Kontingenten dauert es derzeit etwa acht bis zehn Tage. Geschäftsführer Schlosser geht davon aus, "dass Mundschutzfertigung und -vertrieb keine Eintagsfliege sein wird".

Die Corona-Krise werde Deutschland länger beschäftigen, und so würden solche Produkte auf Dauer benötigt. Für die Abwicklung des wachsenden Geschäfts wird er zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Die Firma hat auch frühere Mitarbeiterinnen wieder aktiviert, die helfen, spezielle Stücke auf Wunsch mit besonderen Mustern oder kleinere Masken für Kinder herzustellen. Er werden auch noch Masken für Jugendliche hergestellt, zudem will man mit einem speziell beschichteten Stoff für den medizinischen Bereich arbeiten. Zudem könne man die Produktion noch auf Kittel oder Schürzen etwa für den Pflegebereich ausdehnen. Auch Fußballfans könnten bald ausgestattet werden - mit speziellen Fan-Masken.

Abholzeiten am Firmensitz in Alsfeld (ehemaliges BGS-Gelände): Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.

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