Die Delegation für den hessischen Denkmalschutzpreis besichtigt die Villa Raab in Alsfeld, Tanja Bohn (4. v. l.) im Gespräch mit Prof. Harzenetter. FOTOS: JOL
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Die Delegation für den hessischen Denkmalschutzpreis besichtigt die Villa Raab in Alsfeld, Tanja Bohn (4. v. l.) im Gespräch mit Prof. Harzenetter. FOTOS: JOL

Preiswürdige Villa

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Villa Raab in Alsfeld ist nach fünfjähriger Sanierung vor wenigen Monaten eröffnet worden und hat seitdem viele Bewunderer. Nun steht das imposante Bauwerk auf der Liste für den hessischen Denkmalschutzpreis.

Sie ist ein Schmuckstück für die Stadt und die ganze Region geworden, und nun erfährt die Villa Raab eine weitere Würdigung. Am Mittwoch besichtigte eine Delegation unter Leitung des Landes-Denkmalpflegers Prof. Dr. Markus Harzenetter das Hotel-Restaurant, weil die Villa in der Endrunde um den hessischen Denkmalschutzpreis 2020 steht. Dadurch wird die Leistung der Eigentümer Tanja und Ralf Bohn zum Erhalt eines ganz besonderen Bauwerks gewürdigt.

"Damit wurde ein Denkmal auf Generationen gerettet", lobte Harzenetter nach dem Rundgang im Gebäude. Tanja Bohn und Architekt Jochen Weppler erläuterten der Jury aus Wiesbaden die Besonderheiten des Bauwerks - und derer gibt es viele.

Als die Bohns 2014 nach zähen Verhandlungen das Grundstück erwarben, war das Gebäude in schlechtem Zustand. Durch Vandalismus waren die Fenster zerschlagen, Heizkörper fehlten und die einst schmucke Fabrikantenvilla völlig heruntergekommen. Tanja Bohn war in der Folge fast jeden Tag vor Ort, um die Baufortschritte zu sehen. "Wir hatten die Vision, einen Ort für die Alsfelder zu schaffen." Dabei war die alte Bausubstanz zu erhalten und mit modernen Anforderungen an ein Hotel und Restaurant zu kombinieren. In den alten Toiletten wurde eine Aufzugsanlage eingebaut, das Haus ist barrierefrei. Hinter der Villa sind ein Tagungsbereich und zwei Hotelgebäude neu errichtet worden.

Das Augenmerk der Jury lag auf der alten Villa. "Sie ist etwas Besonderes, ein solches Gebäude findet man sonst nur in Städten wie Wiesbaden oder Köln", sagt Architekt Weppler. Das Jugendstil-Gebäude der Pfeifen-Fabrikanten enthält auch barockisierende Gestaltungselemente. Erbaut wurde die Villa 1904. Im Untergeschoss befanden sich Küche und Büroräume, oben war die "Bel Etage".

Bei der fünfjährigen Sanierung legten die Bauherren großen Wert auf den Erhalt der alten Substanz. Böden und Mosaike wurden aufgearbeitet, das bunt gefasste Fenster im Treppenhaus erneuert. Die Fensterrahmen sind aus Holz, sogar die Rollläden sind aus dem klassischen Baustoff, wie Weppler stolz vorführte. Inzwischen arbeiten sie aber elektrisch. Die moderne Heizungsanlage kann auch zur Kühlung genutzt werden, denn die Räume in der ersten Etage stehen für Hochzeiten und Tagungen bereit. Geschäftsführer Bastian Heiser erläuterte, dass Hochzeiten etwa für Gäste aus dem Rhein-Main-Gebiet ausgerichtet werden.

Der sorgsame Umbau wurde stets mit dem Bauamt des Kreises abgestimmt, "eine reibungslose Zusammenarbeit", lobte Ralf Bohn. Das Engagement freute Bauamtschef Bernhard Hofmann. Gemeinsam habe man viele Detailfragen geklärt. So musste eine Feuerschutztreppe so an das Gebäude angebaut werden, dass die Optik nicht zu sehr beeinträchtigt wird. "Die Sanierung des Gebäudes zeigt, dass es sich lohnt, im Vogelsberg zu investieren", sagt Hofmann. Das sei für den Denkmalschutz eine tolle Sache.

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