Mängel und Überladung werden den Halter eine Geldbuße im deutlich vierstelligen Bereich kosten. FOTO: POLIZEIPRÄSIDIUM OSTHESSEN
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Mängel und Überladung werden den Halter eine Geldbuße im deutlich vierstelligen Bereich kosten. FOTO: POLIZEIPRÄSIDIUM OSTHESSEN

Polizei legt Mängel-Gespann still

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Wenn eine Streifenwagenbesatzung im Heckfenster die elektronische Aufforderung "Polizei - Bitte Folgen" einschaltet, erwartet sie, dass Autofahrer dem Folge leisten. Dass ein Autofahrer gleich zweimal versucht, der Kontrolle zu entkommen, ist selten. Dass er im aktuellen Fall nicht weit kommt, ist zwangsläufig: Kleintransporter und Anhänger waren deutlich überladen und nicht fahrtüchtig.

Die Ladung größer als das Transportfahrzeug und die Fracht kaum gesichert - so fuhr am Mittwoch der vergangenen Woche ein Kleintransporter mit Anhänger auf der Autobahn A 5 in Höhe Alsfeld-Lingelbach in Fahrtrichtung Kassel. Gegen 15Uhr sichtete eine Streife der spezialisierten Schwerverkehrsüberwachung der Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld das Gespann, das aus mehreren Gründen kontrollwürdig erschien.

Das Zugfahrzeug, ein 3,5-Tonnen-Kleintransporter mit Doppelkabine und Pritschenaufbau, war mit einem Auto beladen, das für dieses Transportfahrzeug nicht nur zu groß war, sondern darauf auch nicht vorschriftsmäßig gesichert werden konnte. Angehängt war ein Dreiachs-Anhänger, der seinerseits mit einem Wohnmobil und einem weiteren Auto beladen war. Aufgrund des dringenden Tatverdachts erheblicher Gewichtsüberschreitungen und mangelhafter Ladungssicherung, sollte der Transport an der gerade fertiggestellten Rastanlage Rimberg, in der Gemarkung Breitenbach am Herzberg, näher begutachtet und kontrolliert werden. Auch der technische Zustand dieses Gespanns warf für die Beamten bereits beim Vorbeifahren weitere Fragen auf.

Die Autobahnpolizisten setzten sich mit dem Funkstreifenwagen vor die Fahrzeugkombination und schalteten die elektronische Aufforderung "Polizei - Bitte Folgen" ein. Dem kam der Fahrer zunächst nach. Kurz vor dem Ende des Seitenstreifens, der in der Steigungsstrecke zum Rimberg in eine separate Lkw-Fahrspur übergeht, stoppte der polnische Fahrer plötzlich sein Gespann und schaltete die Warnblinkanlage ein. Wegen des fehlenden Seitenstreifens war das Polizeifahrzeug nun zunächst gezwungen, die Fahrt ohne den Autotransport fortzusetzen, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden oder zu behindern.

Weil die Polizisten nicht wirklich an eine Panne des zu kontrollierenden Transporters glaubten, wurde eine nahegelegene Nothaltebucht angesteuert, um dort auf den Autotransport zu warten. Es dauerte tatsächlich nur wenige Minuten, bis dieser die Streife auf der Hauptfahrbahn passierte.

Fahrer zeigt sich uneinsichtig

Weil das "Pannenspielchen" nun nicht mehr weitergespielt werden sollte, blieb der Streifenwagen jetzt zunächst hinter dem Autotransport, um diesen dann in einem Bereich der Autobahn - der über einen Seitenstreifen verfügt - erneut zum Folgen aufzufordern. Auch dieser Plan schien dem Fahrer nicht zu gefallen: Unmittelbar an der Ausfahrt zur Rastanlage Rimberg fuhr dieser im letzten Moment dort ab, ohne vorher den Blinker betätigt zu haben. Nun folgte jedoch die Polizei - und auch die Kontrolle des Gespanns.

Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass der erste Eindruck die Polizisten nicht getäuscht hatte. Der Autotransport war deutlich überladen. Die Sicherungsversuche der geladenen Fahrzeuge waren mit beschädigtem und ungeeignetem Sicherungsmaterial zudem unsachgemäß ausgeführt. Sowohl der Kleintransporter als auch dessen Anhänger waren technisch aufgrund vielfältiger Mängel als verkehrsunsicher einzustufen. Da sich der 48-jährige Fahrer bei der Kontrolle alles andere als einsichtig zeigte, entschieden die Beamten, einen technischen Sachverständigen zur Kontrolle hinzuzuziehen. Der Gutachter stand allerdings erst für den Folgetag zur Verfügung, und so wurde dem Autotransport vorläufig die Weiterfahrt untersagt.

Wegen seiner zuvor gezeigten Verhaltensweise erschien es zur Durchsetzung geboten, den Zündschlüssel des Zugfahrzeugs sicherzustellen. Für den Fahrer war auch schnell eine geeignete Unterkunft für die Nacht gefunden - das auf dem Anhänger geladene Wohnmobil verfügte über eine Standheizung.

Ladefläche droht abzustürzen

Die Fortsetzung der Kontrolle am folgenden Morgen zusammen mit dem Gutachter einer technischen Überwachungsorganisation erbrachte weitere erschreckende Ergebnisse. Der ziehende Kleintransporter war zum Transport des geladenen Fahrzeugs nicht geeignet. Die Luftfederung der Antriebsachse war nahezu außer Funktion, die Bremsen waren über die Verschleißgrenze hinaus abgenutzt. Der verbaute Pritschenaufbau passte nicht auf das Fahrgestell des Kleintransporters und war mit nur zwei Schrauben an dessen Rahmen befestigt. Weil auch diese verbaute Pritsche immer noch zu kurz zum Transport des Autos war, hatte man zudem Aussparungen in den Rahmen geschnitten, um darin nach hinten ausziehbare Ladestützen einlassen zu können. Schon bei einer plötzlichen Ausweichbewegung oder Vollbremsung, hätte sich - laut Auskunft des Gutachters - die Pritsche vom Kleintransporter lösen und während der Fahrt, mitsamt dem geladenen Fahrzeug, auf die Fahrbahn fallen können.

Der Anhänger war ebenfalls in einem technisch verkehrsunsicheren Zustand. Die Anhängerkupplung war verschlissen und stark verbogen. Die beiden vorderen Reifen wiesen eine Profiltiefe von unter einem Millimeter auf. Die Auflaufbremse war außer Funktion. Zudem war der Anhänger um über eine Tonne und damit um mehr als 25 Prozent überladen. Auch die geladenen Fahrzeuge waren allesamt mangelhaft gesichert.

Im Ergebnis wurde die vollständige Entladung des Autotransporters angeordnet und eine technische Instandsetzung der Fahrzeuge vor Wiederinbetriebnahme seitens des Gutachters gefordert.

Neben den Gutachter- und Instandsetzungskosten wird den polnischen Autohändler wegen der vielen begangenen Verstöße eine Geldbuße im deutlich vierstelligen Bereich erwarten. Die durch diesen Autotransport ausgehenden Gefahren für den öffentlichen Straßenverkehr konnten durch die Maßnahmen der Autobahnpolizei Bad Hersfeld vorerst gebannt werden.

Bleibt zu hoffen, dass die Sanktionierung der begangenen Verstöße künftig zu ei- ner Einsicht des betroffenen Fahrers und Halters führen wird.

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