Dagmar und Uwe Stutz im Panoramarestaurant der Pfefferhöhe, von den großen Fenstern aus hat man einen Blick nicht nur auf die nahe Autobahn, sondern bis weit in die Umgebung. FOTOS: JOL
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Dagmar und Uwe Stutz im Panoramarestaurant der Pfefferhöhe, von den großen Fenstern aus hat man einen Blick nicht nur auf die nahe Autobahn, sondern bis weit in die Umgebung. FOTOS: JOL

Panorama-Stopp vor Italien

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Aus einer alten Fuhrmannskneipe wurde eine hochmoderne Autobahn-Raststätte - die Geschichte der Pfefferhöhe ist auch eine der Mobilität. Die Inhaber Dagmar und Uwe Stutz erinnern sich an den Ansturm der Trabis nach der Grenzöffnung, Stammgäste auf dem Weg in den Süden und Lkw-Fahrer mit wenig Geld.

Einst stand an der Stelle die Fachwerkkneipe "Schöne Aussicht" für die Fahrer von Postkutschen, die auf der Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig unterwegs waren. Über die Straße gelangten Waren von Frankreich bis nach Königsberg, erzählt Uwe Stutz. Jedenfalls baute der Wirt die Schöne Aussicht 1959 um, anstelle der benachbarten Schrebergärten entstand eine Tankstelle. Erst ab 1964 betrieb der Bund die Raststätte am Kreuzungspunkt der Bundesstraße mit der Autobahn Hamburg-Basel.

Die Pfefferhöhe wurde damals zu einem beliebten Haltepunkt auf der Strecke, viele bekannte Namen vermerkt das Gästebuch (die Alsfelder Allgemeine berichtete). Die Familie Stutz kam 1983 ins Spiel, als Uwes Vater Sebastian dem Bund das Gebäude abkaufte und umfassend sanierte.

Heute finden Reisende im Hotel-Restaurant "Pfefferhöhe" in Alsfeld modernen Standard und überall Hinweise auf die bewegte Geschichte. Moderne und Tradition mischen sich hier im kürzlich renovierten Restaurant. Eine Herausforderung ist die Tatsache, dass das Restaurant von 6 Uhr früh bis 23 Uhr durchgehend geöffnet ist. Die Schallschutzfenster schlucken den Lärm von der nahen Autobahn, an den Wänden hängen Bilder aus dem 1960er Jahren, als die Pfefferhöhe zur Autobahn-Raststätte wurde.

An einer der Hauptverkehrsadern der Republik erlebten die Betreiber des Restaurant-Hotels die Veränderungen im Freizeitverhalten der Menschen hautnah mit. "Nach 1989, als die Grenze offen war, ging die Nachfrage steil nach oben", erinnert sich Uwe Stutz. Viele Menschen aus den östlichen Bundesländern machten sich mit Trabant oder Wartburg auf den Weg, um den "Westen" zu erkunden und legten an der Pfefferhöhe einen Stopp ein. "Irgendwann haben sie den Trabi gegen einen Golf eingetauscht und Deutschland war ihnen nicht mehr groß genug, es musste Italien oder Spanien sein."

Inzwischen sind nach seinen Beobachtungen kaum noch Menschen mit dem Auto zu Reisezielen unterwegs: "Nun sitzen alle im Flugzeug für den Urlaub", so Uwe Stutz.

Geblieben sind die Gäste auf der Reise von Dänemark und Norwegen in den sonnigen Süden: "Manche kommen schon seit 30 Jahren zu uns". Darunter sind beispielsweise Besitzer von Ferienhäusern in Südfrankreich und Spanien, die dem Winter im Norden entfliehen wollen.

Eine andere Kundengruppe des Hotels sind Menschen, die beruflich viel mit dem Auto unterwegs sind, darunter sind viele Handwerker. "Die legen Wert auf guten Standard", betont Dagmar Stutz. Das bedeutet für die Eigentümer, regelmäßig die Zimmer zu renovieren. Erst vor einem Jahr wurden alle Zimmer von Grund auf renoviert.

Dagmar und Uwe Stutz setzen auf Stammpersonal, allein vier fest angestellte Köche sorgen Tag für Tag durchgehend für frisches Essen. Auch das Servicepersonal ist fest angestellt, um das Niveau zu halten: "Bei uns können sich die Gäste darauf verlassen, dass bei einem gemeinsamen Essen alle Gerichte zur selben Zeit auf den Tisch kommen."

Wer den schnellen Imbiss bevorzugt, der geht in die Schnellgaststätten auf dem weitläufigen Gelände. Ein Restaurant ist personalintensiv, wie Uwe Stutz hervorhebt. Es wird auch von Menschen aus der Umgebung frequentiert, sei es für Festlichkeiten und weil man deutsche Küche genießen möchte. Auch Kulturveranstalter setzen auf die Pfefferhöhe, so haben die Künstler des OVAG-Varietés im Hotel einige Nächte zugebracht. "Wir haben immer noch viele Schauspieler unter unseren Gästen", freut sich Dagmar Stutz. Dabei lege man Wert darauf, dass sie ihre Ruhe haben. So mancher bedankt sich dafür, nicht gleich nach einem Autogramm gefragt zu werden. Über die Jahre verändert hat sich das Übernachtungsverhalten von Lkw-Fahrern. Vor Jahren lagen die Tonnagepreise für Frachten noch recht hoch. Damals ließ eine überregionale Spedition ihre Fahrer in der Pfefferhöhe übernachten. Inzwischen sind vorwiegend osteuropäische Trucker zu Minilöhnen unterwegs. "Die Fahrer können sich das Essen im Restaurant und ein Bett im Hotel nicht leisten", berichtet Stutz.

Warum es Pfefferhöhe heißt, das wird im Gespräch auch noch verraten: Früher hatte eine Familie Pfeffer die "Schöne Aussicht" geführt, "da ging man zu Pfeffers auf der Höhe."

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