Künftig müssen die Schafe nicht mehr die Straße überqueren, um ihren Durst zu stillen. Möglich macht das eine neue, große Tränke, die im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes am Hoherodskopf errichtet wurde. FOTO: AU
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Künftig müssen die Schafe nicht mehr die Straße überqueren, um ihren Durst zu stillen. Möglich macht das eine neue, große Tränke, die im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes am Hoherodskopf errichtet wurde. FOTO: AU

Ohne Gefahr Wasser fassen

  • vonDieter Graulich
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Vogelsbergkreis(au). Endlich ist es soweit. Nach langer Planungsphase und einer kurzen Bauzeit im Winter wurde nun die Schafstränke am Breungeshainer Hang gegenüber der Jugendherberge am Hoherodskopf offiziell eingeweiht.

Die aus vier Teilen bestehende, etwa 20 Meter lange Viehtränke wurde bereits im Winter von einer heimischen Firma hergestellt und aufgebaut. Sie soll die 600 Tiere des Jungschäfers Florian Vierheller im Sommer mit Wasser versorgen. Die ursprüngliche Viehtränke lag an einer der Quellen des Eichelbachs auf der anderen Seite der Straße.

Der Schäfer musste in der Vergangenheit die vielbefahrene Stelle häufig queren, um die Tiere zu tränken. Zudem wurde die natürliche Quelle stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Bau der Tränke im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes entschärfe beide Situationen und trage zur Schonung der Quellen in der Umgebung bei", so Projektleiter Ruben Max Garchow.

Investiert wurden insgesamt rund 15 000 Euro für den Bau der Wannen durch ein Metallbauunternehmen aus Angersbach, die Montage und die Herstellung eines festen Untergrundes. Zudem mussten die Zuleitungen hergestellt werden. Gespeist wird die Tränke mit Wasser aus einer nahen Schürfquelle, die im vergangenen Jahrhundert die Station der amerikanischen Streitkräfte am Taufstein mit dem Lebenselixier versorgt hatte, wie Stadtrat Willi Zinnel zu berichten wusste.

Die Amerikaner waren zunächst bis Anfang der 1970er Jahre direkt am Hoherodskopf stationiert, am Taufstein, dem höchsten Punkt des Vogelsbergs, errichtete sie dann eine neue Station, die Bauarbeiten wurden 1978 abgeschlossen. Die Anlage diente als Verstärker zwischen den militärischen Funkstellen und wurde aufgrund dieser wichtigen Funktion streng bewacht.

Schutz für Wildpflanzen

Die Taufstein-Station wurde 1992 aufgegeben und 1999 komplett renaturiert, heute ist nichts mehr von der alten Nutzung zu erkennen.

Mit der neuen Wasserversorgung mit Hilfe des Relikts aus dem Kalten Krieg ist die Tränke unabhängig vom Netz der städtischen Wasserversorgung. Ruben Garchow und Anja Püchner, die Leiterin des Amtes für Wirtschaft und den ländlichen Raum beim Vogelsbergkreis, wiesen bei der Einweihung darauf hin, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt, sondern die Tränke ausschließlich dem Weidevieh vorbehalten ist.

Die Schafbeweidung auf den großen Flächen unterhalb des Hoherodskopfs ist aus Naturschutzgründen sehr wichtig, betonte Karl-Heinz Zobich vom NABU-Kreisverband Vogelsberg. Dadurch werde eine sogenannte Verfilzung der Flächen und der damit verbundene Rückgang wertvoller Flächen verhindert. Zobich, der auch im Vorstand des Trägervereins für das Naturschutzgroßprojekt, dem Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg, tätig ist, hob hervor, dass das rund zehn Hektar große Gelände unterhalb des Hoherodskopfs ein selten großes Vorkommen von Borstgrasrasen aufweist. Außerdem seien seltene Wildpflanzen wie Arnika oder Hyazinthen zu finden. Bürgermeisterin Susanne Schaab ging in ihren Ausführungen auf die Bedeutung der Schafbeweidung für den Tourismus ein. So sei es immer ein sehr schöner Anblick, wenn man von Breungeshain her kommend die Schafe am Hang unterhalb des großen Funkturms grasen sieht. Auch die Wanderer auf dem Wege zum und vom Hoherodskopf hätten bei den Begegnungen mit der Herde immer Zeit für ein Gespräch mit dem Schäfer.

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