Gut 100 Teilnehmer beteiligen sich an der Mahnwache gegen Altersarmut auf den Marktplatz in Alsfeld. FOTO: JOL
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Gut 100 Teilnehmer beteiligen sich an der Mahnwache gegen Altersarmut auf den Marktplatz in Alsfeld. FOTO: JOL

Österreicher haben es besser

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Mit so viel Teilnehmern der Mahnwache gegen Altersarmut hatten die Organisatoren gar nicht gerechnet. Rund 100 Teilnehmer kritisierten das deutsche Rentensystem.

Von der Resonanz war sogar der Mitorganisator überrascht. Gut 100 meist ältere Menschen fanden am Freitagnachmittag den Weg auf den Alsfelder Marktplatz, um gegen Altersarmut zu demonstrieren. "Das ist ein echter Erfolg", sagte Ingo Schwalm, der mit Elke Lejeune und Heidemarie O Dea zu der Veranstaltung aufgerufen hatte.

In einem kurzen Redebeitrag erinnerte er daran, dass die Gruppe, die sich "Menschen gegen Altersarmut" nennt, fordert, dass das Rentenniveau auf 75 Prozent des Arbeitseinkommens liegen muss.

Im Moment seien es nur 48 Prozent: "Dabei leben wir in einem reichen Land." In Österreich beispielsweise würden 92 Prozent ausbezahlt, "das sollte eigentlich auch in diesem Land möglich sein". Schwalm forderte zudem, auch Beamte sollten künftig in die Rentenkassen einzahlen, "damit wäre eine Ungerechtigkeit beseitigt".

Schwalm erinnerte daran, dass auch im Vogelsberg alte Menschen leben, bei denen die Rente nicht ausreicht. Dann würden sie aber lieber nur ein Zimmer beheizen, statt eine staatliche Aufstockung zu beantragen. Er rechnete vor, dass der Bezieher eines Durchschnittsgehalts nach 45 Jahren Arbeit nur auf eine Rente von rund 1300 Euro kommt. Die Grundrente, die gerade in der Diskussion ist, liege bei 880 Euro für Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben. "Nieder mit der Altersarmut" riefen daraufhin Teilnehmer der Veranstaltung und nahmen damit den Spruch eines Transparentes auf, das in diesem Fall jemand hochgehalten hat, dessen Renteneintrittsalter noch in sehr weiter Ferne liegt: ein mitdemonstrierendes Kind.

Das Vorbild Österreich hatten auch zwei Teilnehmer im Blick, als sie am Rand der Mahnwache über das aus ihrer Sicht ungerechte Rentensystem in Deutschland sprachen. "Ein Bekannter von mir hat 40 Jahre als Betriebselektriker gearbeitet und bekommt 1800 Euro Rente, sein österreichischer Kollege bei Voest Alpine dagegen 2800 Euro."

Eine Teilnehmerin der Mahnwache sagte, sie habe einige Jahre in der Alpenrepublik gearbeitet und bekomme von dort einen Rentenanteil, der doppelt so hoch sei wie das, was sie in Deutschland bekommen hätte. Beide fordern die Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen in das gesetzliche Rentensystem. "Dann ist die Basis breiter und es reicht für alle."

Begleitet wurde die Mahnwache von zwei Polizisten, die nicht eingreifen mussten. Auch dann nicht, als eine ältere Frau Schwalm anging, die Veranstaltung habe sich "an einen anderen Zug angehängt". Denn es gebe die Gruppe "Fridays gegen Altersarmut", die zahlreiche Mahnwachen im Land auf die Beine stelle.

Sie wollte einen ihr bekannten Richter auffordern, die Alsfelder Veranstalter beim Verfassungsschutz zu melden. Schwalm versuchte, mit ihr ins Gespräch zu kommen, beendete die Unterhaltung aber, als er feststellte, dass die erboste Mahnwachen-Besucherin nur ihren Text wiederholte. Später sagte er, es habe auch im Internet aggressive Kommentare angesichts der Mahnwachen-Aktion gegeben.

So habe sie ein Schreiber "Verräter an der Sache der Altersarmut" genannt. In einem Kommentar wurde mit einem Anwalt gedroht, wenn die Gruppe "auch nur einen Teil des Logos der Fridays-Gruppe übernimmt".

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